Maria Fiegel und Norbert Ortner schlüpfen während ihres Auftritts in sieben unterschiedliche Rollen. 

Komödie mit viel Tragik

Der Roßstall bringt das Paradies nach Germering

Für zwei Auftritte ist das Schauspieler-Duo Daniela Maria Fiegel und Norbert Ortner mit seinem selbstgeschriebenen Stück „Ins Paradies“ vergangenes Wochenende ins Roßstall gekommen. 

Germering – Während des Auftritts schlüpfen die beiden in sieben unterschiedliche Rollen und versuchen, sich so dem Thema Paradies zu nähern. Zwischendurch werden auf einer Leinwand immer wieder Interviews gezeigt, in denen Menschen erzählen, was sie sich unter dem Paradies vorstellen.

Tropische Laute und Urwaldgeräusche empfangen den Besucher des Stücks. Und in der Tat: Viele Menschen stellen sich wohl das Paradies als tropischen Regenwald vor, so sagen es zumindest die interviewten Personen, die immer wieder während des Stücks auf einer Leinwand eingeblendet werden. Auch das obligatorische „Paradise City“ der Band Guns N‘ Roses darf zu Beginn der Vorstellung natürlich nicht fehlen.

Und an wen denkt man als erstes, wenn es um das Paradies geht? Natürlich Adam und Eva. Gemütlich entspannen die beiden auf ihrem Liegestuhl und freuen sich über die vielen Vorzüge, die ihnen ihr Zuhause bietet. Keine Schmerzen, keine Ängste, keine Scham und nur eine Regel, nicht vom Apfelbaum naschen. Um ihrem Schöpfer für ihr entspanntes Leben zu danken, stimmen die beiden auf den Beat von Phil Collins „Another day in paradise“ ein Lobeslied an.

Doch wer glaubt, trotz der Genrebezeichnung Komödie und des satirischen Einstiegs, würde die Show so amüsant weitergehen, der wird sich über den abrupten Wechsel der Stimmung in der nächsten Szene wundern. Ein geistig zurückgebliebener Mann erzählt von seinem Tag und als er nach Hause zu seiner Mutter kommt, findet er dort nur einen Zettel, auf dem steht: „Deine Mutter ist jetzt im Paradies.“ Ohne zu wissen, was das bedeutet, macht er sich auf, sie zu suchen. Im Laufe des Stücks trifft er so auf viele weitere Charaktere, die teils im Monolog oder im Dialog mit Bernhard – so heißt der behinderte Mann – ihr eigenes gescheitertes Leben bedauern und sich selbst mit dem Paradies und dem Sinn ihres Daseins beschäftigen.

Auch Adam und Eva – die wie die Interview-Einspieler regelmäßig in das Stück eingebaut sind – müssen im Laufe der Vorstellung erkennen, dass ein perfektes Leben auch sehr langweilig sein kann und die verbotene Frucht dadurch immer verlockender wird. Was folgt, ist der zwangsläufige Sündenfall und ein Leben im typischen, menschlichen Alltag. Adam ist Angestellter in der EDV, Eva Grafikdesignerin. Doch sie sind nicht verbittert, denn „nur das Bewusstsein vom Tod macht das Leben erst schön“, ist ihr Fazit.

Teilweise traurig

Wer nun aber zukünftig das Stück besuchen will und unter der Prämisse Komödie hineingeht, der sei gewarnt, dass sehr viel Tragik in dem Stück steckt. Es gibt zwar immer wieder heitere Momente, zum Beispiel wenn Adam und Eva über ihren Alltag erzählen und immer gelangweilter werden oder die Interview-Einblender zweier Buben, die sich das Paradies noch kindlich unschuldig vorstellen. Doch der teilweise akute Wechsel in eine traurige, deprimierende Szene lässt einem das Lachen im Halse stecken bleiben.

Keine Frage: Daniela Maria Fiegel und Norbert Ortner spielen grandios und stemmen scheinbar mühelos zu zweit einen kompletten Theaterabend. Man muss sich nur bewusst sein, dass der Titel auf der Verpackung nicht ganz das widerspiegelt, was man in ihr findet. Nichtsdestotrotz haben sich die beiden Schauspieler viele Gedanken zu ihrem Thema gemacht und ein absolut sehenswertes Stück auf Germerings Roßstallbühne gebracht. Tom Eldersch

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