Spielen eine ganz besondere Vater- und Sohn-Beziehung: Willi Hörmann (r.) und Daniel dell Aquia. tb-foto : rossstall

"Norman, bist du es?"

Roßstall: Herbstpremiere begeistert auch mit Verspätung

  • schließen

Gemering – Das Theater im Roßstall hat eine furiose Premiere hingelgt. „Norman, bist du es?“ wurde am Samstag im ausverkauften Haus mit gut einer Viertelstunde Dauerapplaus gefeiert.

Das lag einerseits am Stück, einer spitzig-sprachwitzigen Komödie der US-Autoren Ron Clark und Sam Bobrick, die und ein eher unkomisches Thema – Akzeptanz von Homosexualität in der Familie – mit dem passenden Humor bearbeitet. Andererseits lag es an Hauptdarsteller Willi Hörmann.

Das Stück ist dem Erzkomödianten gleichsam auf den Leib geschrieben. Und das nutzt das Roßstall-Urgestein gnadenlos gut aus. Das Sonderlob sei ihm mehr als gegönnt. Denn Hörmann, der das Roßstall-Theater wie kein anderer verkörpert, hatte inden vergangeen zwei Wochen keine einfache Zeit gehabt: Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Roßstalls musste eine Premiere abgesagt werden. Daniel dell Aquia, der Darsteller des Norman Wolters, hatte sich in der Woche vor der Erstaufführung krankheitsbedingt abgemeldet. Noch drei Tage vor der um eine Woche verschobenen Nach-Premiere war es nicht sicher, dass er das Krankenhaus rechtzeitig verlassen würde. Hörmann hatte schon seinen Schwiegersohn und passionierten Amateurschauspieler René Prock überreden können, mit maximal zwei Proben als Ersatz einzuspringen. Doch das war nicht notwendig. Rechtzeitig zur Generalprobe am Donnerstag stand dell Aquia auf der Bühne. Er machte seine Sache gut.

Doch zum Stück selbst: Normans Papa Bernhard (Willi Hörmann) taucht völlig überraschend in der Wohnung seines 26-jährigen Sohnes auf, weil seine Frau mit dem eigenen Bruder duchgebrannt ist. Was der Vater nicht weiß: Der Sohn ist schwul und lebt mit dem Familientherapeuten Tom Fröhlich (Alexander Schleißinger) zusammen.

Die Wohnung im 6. Stock eines Mietshauses ist der einzige Schauplatz des Stückes. Zu sehen ist links das Schlafzimmer mit einem großen Doppelbett, zwei Kleiderschränken und einem Zugang zum Bad. Abgetrennt durch eine imaginäre Wand, die nur durch eine mit einem Vorhang vergangene Tür dargestellt wird, findet sich auf der rechten Seite ein Wohnzimmer mit Sessel, Sofa, Regalwand, Gardorbe und Eingangstür. Diese Zweiteilung setzt Regisseur Oliver Kübrich wie eine Art Splitting Screen ein: Der Zuschauer sieht sehr wohl, was sich auf beiden Seiten ereignet, die Akteure auf der Bühne nehmen natürlich nur den Teil der Wohnung war, in dem sie sich aufhalten.

Schon zu Beginn des Stücks wird klar, welch Unterhaltungspotenzial diese Aufteilung hat: Während Norman an der Gegensprechanlage versucht, seinen Vater zum Benutzen der Treppe zu überreden, damit der ja möglichst lange braucht, bis er oben ankommt, sieht das Publikum den Grund dieser Strategie: Im Schlafzimmer räkelt sich Tom aus den Federn.

Natürlich können die Beiden ihr Geheimnis nicht lange für sich behalten. Und natürlich reagiert Papa Berhnard so, wie man es sich im Sinne der Komödie erwartet: Er will es nicht wahrhaben, dass der Sohn schwul ist; er frägt sich, wie es dazu kommen konnte – „Ich habe doch mit Fußball gespielt und ihm einen Werkzeugkasten gekauft“ – und er überlegt sich, wie er den Sohn auf den scheinbar rechten Weg zurückbringen könnte. Letzteres kulminiert im zweifachen Versuch, Norman mit Hilfe der nicht mit ihren Reizen geizenden Prostituierten Babsi (Daniela Ackermann) von den Vorzügen von Frauen zu überreden. Dabei wird die zweigeteilte Szenerie wieder sehr gut ausgespielt: Während Babsi im Bett verzweifelt versucht, Tim zu verführen, der ihr beim zweiten Versuch aus Versehen untergeschoben wird, diskutieren Bernhard und seine mittlerweile aufgetauchte Frau Betina (Gabriele Msich) über den Niedergang ihrer Ehe.

Das Stück endet zwar wenig überraschend mit einem Happy End. Aber bis es so weit kommt, erlebt das Publikum die großartigsten Wortspiele und bestens aufgelöste Schauspieler. Langweilig wird es dabei nie: Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und bieten allerbeste Abendunterhaltung.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Theorie: Wurde Malina etwas ins Getränk gemischt?
Regensburg - Der Fall der vermissten Studentin Malina Klaar aus dem Raum Fürstenfeldbruck bleibt mysteriös. Freunde, Verwandte und die Polizei suchen nach ihr - bislang …
Neue Theorie: Wurde Malina etwas ins Getränk gemischt?
Kahlschlag erregt die Gemüter
Umfangreiche Baumfällungen im Bereich des Klosters und an der Zufahrt zur B471 sorgen für Unmut. 
Kahlschlag erregt die Gemüter
Grünes Licht für Sechsfamilienhaus
Ein geplantes Sechsfamilienhaus an der Münchner Straße darf gebaut werden. Damit es nach langem Warten nun los gehen kann, war eine Änderung des Bebauungsplanes …
Grünes Licht für Sechsfamilienhaus
Nur Feuerwehr-Klo sorgt für Nachfrage
Knapp 43 000 Euro muss die Gemeinde für ihre drei Feuerwehren in Adelshofen, Nassenhausen und Luttenwang berappen. 
Nur Feuerwehr-Klo sorgt für Nachfrage

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare