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Eine von drei Verlobten: Francesca (Lisa Bales) spielt die liebeshungrige Stewardess einer italienischen Airline. Lebemann Alexander (Julian Brodacz) hat da bald nichts mehr zu lachen.

In Germering

Roßstall-Premiere: Publikum feiert Klamauk-Komodie

  • Klaus Greif
    VonKlaus Greif
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Das Roßstall-Theater hat mit der Komödie „Boeing, Boeing“ eine vom Publikum begeistert gefeierte Premiere abgeliefert.

Germering – Dass das Stück dabei eher aus der untersten Klamauk-Schublade hervorgekramt wurde, spielt bei den Besuchern offensichtlich keine Rolle. Lachen ist Trumpf. Da werden noch die billigsten Herrenwitze, die in dieser nicht unbedingt frauenfreundlichen Komödie des öfteren zu hören sind, mit Szenenapplaus beklatscht.

Der Inhalt des Stücks ist schnell erzählt: Der Lebemann Alexander (Julian Brodarcz) ist gleichzeitig mit drei Frauen verlobt und lebt mit ihnen zusammen in einer Wohnung. Möglich ist dies, weil alle drei Stewardessen bei unterschiedlichen Fluglinien sind und wegen der Flugpläne immer zwei in der Luft sind, während eine sich bei Alexander aufhält. Gemanagt wird der häusliche Hotel-Betrieb von Alexanders Vater Albert (Oliver Kübrich) , der von seiner Ehefrau aus der heimischen Wohnung gefeuert worden war.

Als Alexander Besuch vom wohnungssuchenden Schulfreund Robert (Manuel Grund) bekommt und diesen auch noch als Mitbewohner aufnehmen will, gerät das System aus den Fugen. Die Flugpläne ändern sich, wegen eines Unwetters wird ein Flug ganz gestrichen. Und plötzlich befinden sich alle drei Frauen gleichzeitig in der Wohnung – wenngleich vor allem dank des Einfallsreichtums von Robert nur immer eine auf der Wohnzimmer-Bühne zu sehen ist, währen die anderne wahlweise in einem der Schlafzimmer oder im Bad sind.

Da gewinnt natürlich schnell das Chaos die Oberhand, eine Slapstick-Szene jagt die andere. Das Tempo der Inszenierung von Cecilia Gagliardi ist furios. Dass sie dabei nicht aus den Fugen gerät, ist vor allem Manuel Grund zu verdanken. Der junge Mann, der zum ersten Mal auf der Roßstall-Bühne steht, entpuppt sich als meisterlicher Erzkomödiant. Da sitzen jede Geste und jede Mimik. Großartig. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die klischeehafte Dumm-Zickigkeit der drei Stewardessen, von denen zwei zudem mit übertrieben französich (Katja Lisa Engel) und italienisch (Lisa Bales) eingefärbtem Deutsch ihre Herkunft nachweisen müssen, schulterzuckend hingenommen werden kann.

Der Dritten im Bunde (Sarah Miller) bleibt als deutscher Stewardess der Lufthansa diese Sprachtortur erspart. Wie ihre Kolleginnen muss sie sich aber dazu hergeben, Frauen nur reduziert auf ihre Sexualität darzustellen. Und zwar auf die dümmst-mögliche Weise. Da können der Rock gar nicht kurz und die Beine nicht lang genug sein. „Sex sells“, klar. Aber genau ein Jahr nach dem Beginn der MeToo-Debatte muss man schon die Frage stellen, warum ausgerechnet eine Frau so etwas inszeniert und derart genüsslich auswalzt.   

Service:

„Boeing, Boeing“ wird bis Mitte Dezember an jedem Wochenende gespielt. Die genauen Termine sind auf www.germeringer-rossstall.de zu finden. Karten gibt es ebenfalls im Internet oder unter (089) 8 41 47 74.

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