In Germering

Roßstall-Urgestein verlässt die Bühne

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Eine Ära geht zu Ende: Willi Hörmann, seit fast 30 Jahren Schauspieler und seit elf Jahren zusätzlich Intendant, Regisseur und Hausmeister am Roßstalltheater, zieht sich von der Bühne zurück.

Germering – Wenn man an das Roßstalltheater an der Augsburger Straße denkt, kommt einem unweigerlich der Name Willi Hörmann in den Sinn. Der mittlerweile 72 Jahre alte Maschinenbau-Ingenieur im Ruhestand hat das Haus geprägt wie vor ihm höchstens noch Theatergründer Ralph Ott. Das liegt vor allem an der unglaublichen Bühnenpräsenz des Theatermannes: Seitdem er im November 1988 erstmals im Roßstall spielte – das Stück hieß Johannisbrunnen, Regie führte damals Ralph Ott, der auch Autor war – war er in über 50 Stücken zu sehen. Und zwar überwiegend in der Hauptrolle. Auch die Regie übernahm er oft selbst.

Zuletzt spielte das Roßstall-Urgestein in „Blumen sind keine Nettigkeiten“ einen Ehemann, der nach allerlei Turbulenzen wieder zu seiner Frau findet. Es war seine letzte Rolle. „Ich bin müde und ausgelaugt“, erzählt Hörmann im Gespräch. Wenn er nicht ein Theatermensch durch und durch sei, dann hätte er schon früher aufgehört. Seine Müdigkeit kommt allerdings weniger vom Schauspielen. Das Problem sei, dass er seit dem Tod von Ralph Ott im Jahr 2006 alles habe machen müssen.

Am aufwendigsten sei der Erhalt und die Sanierung des Gebäudes gewesen. Das sei wahnsinnig viel Arbeit gewesen, die nie aufgehört habe. Unterstützung habe er dabei nur durch Siegfried Wachter bekommen, der sich aber auch zurückgezogen habe. Ob es um die Erneuerung des kleinen Saals zur Bühne 2, die Modernisierung der Galerie, Fliesenleger-Arbeiten im gesamten Haus oder um den Bau der Bühnenbilder ging: „Ich war, bis auf Sigi Wachter, immer allein. Es ist keiner da, der mal hinlangt.“ Nicht vergessen dürfe man dabei auch den Vorsitzenden des Roßstallvereins Freundeskreis Germeringer Bürger, Helmut Henner. Der habe alles Organisatorische bestens im Griff.

Aber auch die Theaterarbeit hat Willi Hörmann müde gemacht. Als Intendant habe er Stücke aussuchen, mit Verlagen verhandeln und die passenden Schauspieler suchen müssen. Vor allem Letzteres sei furchtbar schwierig: „Es muss halt alles passen.“ Wenn er dann wie fast immer selbst mitgespielt habe, sei er fast das ganze Jahr über für den Roßstall da gewesen: „Drei Monate Vorbereitung und Proben, drei Monate lang Auffügungen. Und das bei zwei Stücken pro Jahr – ich hatte Glück, dass meine Frau dafür immer Verständnis aufbrachte.“

Die vergangenen Jahre, in denen meist Cecilia Gagliardi Regie führte, seien deswegen schon eine Erleichterung gewesen. Er sei umso froher, dass die in Puchheim lebende Römerin nach einer kurzen Auszeit, in der sie sich um die eigene Karriere kümmere, wieder zurückkomme. Gemeinsam mit Oliver Kübrich, der schon beim letzten Stück Regie führte und seit Jahren als Schauspieler dabei ist, werde sie zumindest die nahe Zukunft des Hauses sichern.

Das Stück für die Herbstproduktion sei schon ausgesucht, es heißt „Venedig im Schnee“. Jetzt sei Oliver Kübrich gefordert, das umzusetzen. Ganz alleine gelassen wird er dabei aber nicht: „Ich habe ihm verspochen, zu helfen.“

Erinnerung an eine schmerzhafte Premiere

Willi Hörmann muss nicht lange nachdenken, wenn er von besonderen Erlebnissen seiner Bühnenzeit berichten soll. Ganz schnell fällt ihm eine schmerzhafte Erinnerung ein. Bei den Proben für ein Stück noch in der Zeit von Regisseur Ralph Ott habe er sich auf einen Glastisch aufstützen müssen. Der sei zerbrochen und er habe sich drei Finger fast komplett abgetrennt. In einer sechsstündigen Not-OP seien sie wieder angenäht worden. Das sei eine Woche vor der Premiere geschehen. Ralph Ott habe zunächst Stadthallenleiter Günter Mayr gebeten, ob er einspringen könne. Daraus wurde aber nichts.

 Letztlich sei er mit dick verbundener Hand auf die Bühne gegangen und habe alle Aufführungen gespielt: „Es war furchtbar.“ Die Zusammenarbeit mit Günther Fleckenstein, dem in Germering lebenden früheren Intendanten des Staatsschauspiels Göttingen, ist Hörmann ebenfalls im Gedächtnis geblieben. Der sei nach dem Tod von Ralph Ott bereit gewesen, für ein Kishon-Stück am Roßstall Regie zu führen. Das sei großartig gewesen, erzählt Hörmann. Allerdings sei Fleckenstein es als Profi gewohnt gewesen, mit seinem Ensemble den ganzen Tag über zu arbeiten. „Wir kamen alle von der Arbeit und haben erst um 18 Uhr begonnen. Nach drei, vier Stunden wollte Fleckenstein immer noch nicht aufführen. Der wurde nicht müde. Und wir konnten nicht mehr.“

Das Theater und seine Geschichte

Das Roßstall-Theater wird vom Freundeskreis Germeringer Bürger getragen. Er ist Eigentümer des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens Zengerlehof. Anfang der 1980er-Jahre wurde aus dem verfallenen Pferdestall der Kleine Roßstall, später der Heustadl und die Remise zum Theaterhaus Roßstall-Stadl umgebaut. Betondecken, Säulen, Galerie, Balkon, Bühne und ein Lift wurden eingebaut. Vor 32 Jahren wurde unter der Leitung von Ralph Ott zum ersten Mal gespielt. Das Stück hieß „Nachtsspinnen“. Seitdem wurde immer wieder renoviert.

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