Indische Schüler besuchen Rathaus 

Sari trifft Trachtenjanker

Viele Schulen organisieren Austauschprogramme. Oft mit europäischen Partnern aus Frankreich, Italien oder Spanien. Die Realschule hat etwas ganz Besonderes zu bieten: einen Schüleraustausch nach Indien.

Germering – „Namaste“ sagen die indischen Jugendlichen zu OB Andreas Haas und führen ihre Handflächen vor der Brust zusammen. „So begrüßt man in Indien seine Mitmenschen“, erklären die Schüler später. Beim Treffen im Rathaus mit dem Oberbürgermeister präsentieren sich die 18 Austauschschüler aus Bangalore in traditionellen Gewändern, die nur zu besonderen Anlässen getragen werden. Aber auch der Rathauschef hat sich mit seinem bayerischen Trachtenjanker in Schale geworfen.

Seit 2009 findet im zweijährigen Rhythmus das Schüleraustauschprogramm zwischen der Germeringer Realschule und der Mallaya Aditi International School statt. Dabei handelt es sich um eine renommierte Privatschule im indischen Bundesstaat Karnataka. Nun sind die indischen Schüler zu Gast in Germering.

Die 15 Mädchen und drei Buben haben ein straffes Programm, darunter eine Geschichtsstunde mit anschließendem Besuch im Konzentrationslager Dachau, ein deutscher Kochkurs und eine Stadtführung durch München.

Am Besten hat Karan der Ausflug zur Zugspitze gefallen. „Es war tolles Wetter. Aber trotzdem lag Schnee. Das war komisch“, sagt der 14-Jährige. Viele der indischen Schüler mögen besonders das bayerische Essen. So geht es auch der 15-jährigen Prekshi. „Mir schmecken Weißwürste mit Breze sehr. Und auch Bratwürste“, sagt sie. Bewundernswert sei die Pünktlichkeit und Effizienz der Deutschen. „Hier funktioniert einfach alles“, sind sich beide Schüler einig.

Im November vergangenen Jahres verbrachten 15 Germeringer Realschüler der neunten Klasse zwei erlebnisreiche Wochen in Indien. „Die Neuntklässler sind am besten geeignet für so einen Austausch. Sie befinden sich im Abschlussjahr und sprechen schon sehr gutes Englisch“, sagt Judith Schneider. Denn Englisch sei neben Hindi die Nationalsprache.

Schneider ist Lehrerin an der Realschule und hat das Projekt ins Leben gerufen. Da nicht alle Neuntklässler beim Austausch mitmachen können, müssen sie richtige Bewerbungen schreiben. Die besten 15 werden schließlich von Schneider und ihrer Kollegin Hannelore Zimmermann-Jobke ausgewählt. „Dabei zählen nicht die Noten. Wichtig ist uns das Sozialverhalten, die Verlässlichkeit und die Einsatzfreude der Bewerber“, betont die Betreuerin.

Die indischen Austauschschüler stammen alle aus reichen Familien. Die „Upperclass“, nennt es Schneider. Da ist es nichts Ungewöhnliches, wenn die Buben und Mädchen vom Chauffeur zur Schule gebracht werden. „Meine Schüler haben während des Austauschs in riesigen Häusern mit Pool gelebt. Die meisten Gastfamilien stellen sogar Hauspersonal an“, erzählt die Englischlehrerin.

Aber neben Luxus sollten die Jugendlichen auch die andere Seite Indiens kennenlernen. Sie besuchten etwa eine Suppenküche, wo täglich 150 000 arme Kinder versorgt werden. „Es gibt schon auch viel Armut in diesem Land“, sagt Schneider.

Für die Schülergruppe aus Bangalore geht es am heutigen Freitag wieder zurück in die Heimat. Aber die gewonnenen Erfahrungen nehmen sie mit. Und ein paar neue Freundschaften konnten auch geschlossen werden. (amü)

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