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Die Jury: Das Publikum kürt am Ende den Sieger. 

Poetry-Slam am Carl-Spitzweg-Gymnasium 

Schüler als Vers-Sager – nicht als Versager

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Im Carl-Spitzweg-Gymnasium ist der erste Poetry-Slam über die Bühne gegangen. Neun Schüler tragen selbst geschriebene Gedichte vor. Die Texte sind witzig, feinfühlig, aber auch kritisch gegenüber aktuellen politischen Themen.

Germering – Worte zur Einführung sind an diesem Abend im Carl-Spitzweg-Gymnasium (CSG) überflüssig. Worte zur Einführung wohlgemerkt. Worte und Sprache im Allgemeinen sind dagegen der Grund, warum sich rund 60 Lehrer, Schüler und Eltern in der Aula versammelt haben. Also verzichtet Isolde Ruhdorfer – 17, aus Germering, macht Abi, sitzt in der Chefredaktion der Schülerzeitung – darauf, sich groß vorzustellen. Sie ist die sechste Teilnehmerin, die beim ersten Poetry-Slam der Schule auftritt.

Im Scheinwerferlicht sagt sie: „Es ist ein Gedicht, es heißt ’Still stehen’.“ Und das geht so: „Traust du dich, anzuhalten und umzuschalten auf ein entspannteres Verhalten. Einfach mal nichts tun, einfach mal ausruhen, einfach mal anhalten und abschalten. Kannst du zur Ruhe kommen?“

Das ist Poetry-Slam, auf deutsch sinngemäß Dichterwettstreit. In einem literarischen Wettbewerb tragen Poeten selbst geschriebene Texte einem Publikum vor. Die Q 11 des CSG hat den Abend organisiert. Neun Teilnehmer treten gegeneinader an. Sie alle sind Schüler und zwischen 16 und 18 Jahren alt. Jeder hat für seinen Text fünf Minuten. In einer ersten Runde bewertet eine Jury die Gedichte auf einer Skala von eins bis zehn. Die drei Besten treten im Finale gegeneinander an. Das Publikum kürt den Sieger.

Emil Kafitz, 16, ist der Erste, der auf der Bühne steht. Er moderiert den Wettbewerb. Zu Beginn heizt er den Zuhörern richtig ein. Er sagt: „Wir sind die, die ihr Gehirn auspressen, bis Tinte herausschwimmt. Wir sind das Statement, das diese Schule braucht. Wir sind weniger Versager als Vers-Sager.“

Anschließend slammen neun junge Menschen um die Gunst der Jury. Ihre Texte sind kritisch gegenüber aktuellen politischen Themen, aber auch witzig und feinfühlig. Da ist Paul Ayha Ibrahim, der die Geschichte eines Heroin-Junkies erzählt („Er dachte doch, dass er alles im Griff hätte. Schule wurde zur Nebensache, Hauptsache high sein“). Und da ist Jonathan Schräter, der über die Schwierigkeiten der Führerscheinprüfung spricht. Und da ist Aid Massarwe mit seinem Text über den Nahost-Konflikt. Er ist Palästinenser, dessen Familie auch in Israel wohnt. Von der Terrasse des Hauses seiner Oma aus kann man direkt ins Westjordanland blicken. Er sagt: „Man sieht die Stadt, man sieht die Moschee, man kann auch manchmal, wenn der Wind in die richtige Richtung weht, die Leute hören, wie sie reden. Und dann machen wir die Augen auf. Und dann sieht man den Zaun. Und man fühlt sich gelähmt.“

Im Finale duellieren sich Isolde Ruhdorfer und Lukas Buczek, der es mit seinem Text über die kleinen Momente des Glücks in die nächste Runde geschafft hat. Der dritte Finalist ist Paul Ayha Ibrahim. Er hatte nur einen Text für die erste Runde verfasst, weshalb er im Finale einem Freund zum Geburtstag gratulierte, statt ein Gedicht vorzutragen.

Schließlich setzt sich Lukas Buczek durch. Er überzeugt das Publikum mit einem Text, der eher Battle-Rap ist als Poetry-Slam. Er sagt: „Ich kann ihre Texte nicht mehr hören mit ihren Haus-Maus-Reimen. Mein Ziel ist es, echte Reimkunst aufzuzeigen. Du kannst alles schaffen, wenn du weitermachst. Denn es ist nichts unmöglich, auch nicht für Schalke die Meisterschaft. Was mich zum Meister macht: Ich bin einfach krass, zeige was und mach euch mit meinen Zeilen nass.“

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