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Martin Kälberer (4.v.l.) ist Pate des MBG beim Projekt Schule gegen Rassismus. Neben ihm sind (v.l.) Schulleiter Robert Christoph, Vize-Landrätin Martina Drechsler sowie die Landtagsabgeordneten Kathrin Sonnenholzner und Sepp Dürr zu sehen.

Max-Born-Gymnasium

Schüler zeigen Rassismus die rote Karte

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Das Max-Born-Gymnasium (MBG) ist seit gestern eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die gesamte Schulfamilie war in der Mehrzweckhalle versammelt, als Regionalkoordinator Michael Schneider-König die Urkunde überreichte. Schulpate ist der Musiker, Komponist und Produzent Martin Kälberer.

Germering – „Schule ohne Rassismus“ ist eine europäische Jugendbewegung, die vor 22 Jahren in Bonn als Folge einer Welle rechtsextremistischer Gewalt gegründet wurde. Mittlerweile haben sich dem Projekt alleine in Bayern über 430 Schulen angeschlossen.“ Die Initiative muss dabei immer von den Schülern ausgehen, wie Theresa Fürst von der Schülermitverwaltung (SMV) erklärte.

Eine Voraussetzung für das Mitmachen war, dass 60 Prozent aller Schüler und Lehrer die Bewerbung mit einer Unterschrift unterstützen müssen. Die SMV erfüllte diese Vorgabe locker: Sie konnte mit einer Quote von 85 Prozent für sich werben.

Eine weitere Bedingung war, dass sich die Schüler um einen Paten bemühen müssen, der das Projekt unterstützt und begleitet. Hier präsentierten die MBG-Vertreter den vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Werner Schmidbauer und Pippo Pollina bekannten Weltmusiker Martin Kälberer.

Dem in Eichenau und Olching aufgewachsenen Keybordspieler und Produzenten ist das Max-Born-Gymnasium nicht unbekannt, wie er im Vorfeld der Auszeichnung erzählte: „Mein Papa ist mit mir jedes Wochenende zum Baden ins Germeringer Hallenbad gefahren.“ Das liegt bekanntlich direkt neben der Schule.

Schulleiter Robert Christoph nannte die Auszeichnung eine Verpflichtung, sich dem Thema zu stellen. Es sei gut, dass die Initiative von den Schülern ausgegangen ist: „Da könnt ihr alle stolz drauf sein.“ Eigentlich habe man vor allem seit der Wiedervereinigung gedacht, dass die Zeit der Mauern vorbei sei, meinte Christoph. Dem sei aber leider nicht so.

Vertreter der SMV führten die Initiative auch auf den Anstieg der Flüchtlingszahlen vor zwei Jahren zurück. In der Folge waren bekanntlich auch in der MBG-Halle Asylbewerber untergebracht. Den Schülern ist damals klar geworden, dass es zwar einerseits viel Hilfsbereitschaft gibt. Andererseits haben sie aber auch Hass gegen die Flüchtlinge wahrgenommen. Und dagegen wollen sie etwas unternehmen.

Wie das an der Schule konkret geschehen soll, erklärte Theresa Fürst. Man werde unter anderem einen afghanischen Tag in der Mensa durchführen, einen Tag der Tracht veranstalten und Workshops zum Thema organisieren.

Dass sie dabei tatkräftig durch ihren Paten unterstützt werden, machte Martin Kälberer unmissverständlich klar. Es sei ihm eine Ehre, dass er als Pate Mitglied der Schulfamilie geworden sei. Angesichts der Big Band, die den Festakt eingeleitet hatte, stellte er zudem fest: „Eine Schule mit einer derart starken Band kann für mich nicht der falsche Platz sein.“

In den 1970er- und 80er-Jahren, als er das Olchinger Gymnasium besuchte, habe es das Wort Mobbing noch nicht gegeben und Rassismus habe man nur aus dem Geschichtsunterricht gekannt, sagte Kälberer. Natürlich habe man damals auch andere Schüler ausgegrenzt. Dass dabei dieselben Mechanismen eine Rolle spielten wie bei Rassismus sei ihnen damals nicht klar gewesen. Ein großer Unterschied sei allerdings, das diese Ausgrenzungen heute vor allem auch schriftlich passierten. Folge: „Wenn es einmal im Netz ist, fängst du es nicht mehr ein.“ Diese Mechanismen zu durchbrechen, dafür werde er sich beim Projekt einsetzen. Wichtig ist dem Weltmusiker Martin Kälberer dabei vor allem eins: „Wir müssen Haltung zeigen. Das vermisse ich heute oft.“

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