Die Fassade kann sich schon sehen lassen.
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Die Fassade kann sich schon sehen lassen.

Germering

Schulsanierung fünf Millionen Euro teurer

  • VonHans Kürzl
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Bei der Erweiterung und Generalsanierung der Wittelsbacher Mittelschule und der benachbarten Theresen-Grundschule dreht sich die Preisspirale weiter nach oben. Das Projekt wird um weitere rund fünf Millionen Euro teurer. Und ein Ende ist – auch coronabedingt – nicht abzusehen.

Germering – Erst vor rund einem Dreivierteljahr hatte der Stadtrat den Projektrahmen für die umfangreiche Maßnahme auf 39,365 Millionen Euro erhöht. Nun musste das Gremium zähneknirschend um weitere 4,977 Millionen auf 44,342 Millionen Euro aufstocken. Zudem wurde der Haushaltsansatz für das laufende Jahr um etwas mehr als eine Million erhöht. Der Beschluss fiel trotz vieler Bauchschmerzen unter den Mitgliedern des Stadtrates einstimmig.

Stadtbaumeister Jürgen Thum begründete die erneute Kostensteigerung ganz allgemein mit der aktuellen Situation im Baugewerbe und den Folgen der Corona-Pandemie. In zwei Details benannte Thum konkret gravierende Preissteigerungen. Beim Konstruktionsvollholz, das bei Bauprojekten mit hoher Stabilität und Langlebigkeit benötigt wird, betrug die Preissteigerung 83 Prozent. Beim Betonstahl beläuft sich die Mehrung auf etwa 44 Prozent. Bei den Honoraren für Architekten und Planer müssen 668 000 Euro draufgesattelt werden.

Alte Fenster müssen erst einmal bleiben

Bei zwei Gewerken, Dachdecker- und Zimmererarbeiten, musste eine Auftragssumme geschluckt werden, die insgesamt knapp über 800 000 Euro liegt. Von einem neuen Vergabeverfahren habe man abgesehen, so Thum. Es hätte erhebliche Verzögerungen im Bauablauf gegeben, mit anderen Folgekosten, hieß dazu in der Sitzungsvorlage.

Bei zwei Gewerken liegen aktuell trotz der vorgegebenen EU-weiten Ausschreibung noch gar keine Angebote vor – mit weitreichenden Folgen. Bei den Verglasungsarbeiten wird zwar die Ausschreibung im August oder September wiederholt. Doch die Ausführung der Arbeiten wird ins Frühjahr 2022 verschoben. Soweit noch vorhanden, blieben daher die alten Fenster drin. Der Rest muss provisorisch mit Schutzfolie versehen werden. Nicht so gravierend, weil im Bauplan noch Puffer vorhanden ist, ist die fehlende Vergabe für die Aufzugsanlage.

Dass mit den nun bekannten Erhöhungen das Ende noch nicht erreicht ist, deutete Stadtbaumeister Thum eher vorsichtig an: „Weitere Prognosen sind wegen Corona und der Arbeitsplatzsituation schwierig, auch beim zeitlichen Ablauf.“ Zudem sei zu beachten, dass Bestandsgebäude grundsätzlich schwerer einzuschätzen seien als Neubauten.

Die Diskussion im Stadtrat

CSU-Fraktionschef Oliver Simon sprach angesichts der Zahlen und Fakten von einer dramatischen Entwicklung. „Die Mehrkosten schmerzen, aber ein Zurück gibt es nicht mehr.“ Es bleibe zudem abzuwarten, wie kleinere Betriebe das überstehen. Andere würden die Situation und die Preisentwicklung sicher als Spekulationsobjekt nutzen. „Da würde selbst ein Projektsteuerer nur mehr wenig nutzen“, so Simon.

Dieses Instrument hatte SPD-Fraktionssprecher Daniel Liebetruth ins Spiel gebracht. Dies hatte er mit dem Hinweis verbunden, dass man mit dem Erstbeschluss im September 2016 zu den damals genannten 33 Millionen bereits einen Zusatzpuffer von fünf Millionen Euro eingebaut hatte.

Für die Grünen nahm Sepp Dürr die Sachlage zum Anlass, sich bei Baumaßnahmen erst einmal auf die bestehenden Einrichtungen zu konzentrieren. „Der Haushalt ist eh schon auf Kante genäht“, betonte Dürr. Deshalb solle man bei der Kirchenschule durchaus mit dem Neubau beginnen. Allerdings stellt sich laut Sepp Dürr die Frage, ob man sich einen neuen Schulstandort im Kreuzlinger Feld leisten könne.

Dem entgegnete OB Andreas Haas, dass ein neuer Standort laut Prognose der wirtschaftlichste Weg sei: „Günstiger als Container oder Renovierung.“ Kosten könne man immer nur anhand der aktuellen Bedingungen ermitteln.

Bis zum Schuljahresbeginn 2022/23 soll die Generalsanierung der Mittelschule abgeschlossen sein. Dann sollen dort insgesamt 18 Klassen Platz finden.

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