Stehen im Mittelpunkt der Tragikkomödie: Die alte Dame Claire Zachanassian, gespielt von Priyanka Gunturu, und Alfresd Ill (Marvin Lis).

Theater am Max-Born-Gymnasium

Sie bringen die alte Dame auf Vordermann

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Friedrich Dürrenmatts Tragikkomödie „Der Besuch der alten Dame“ hat zwar schon rund 60 Jahre auf dem Buckel. Die vom Schweizer Dramatiker im Stück abgehandelten Themen sind aber nach wie vor aktuell. 

Germering– Das hat die Theatergruppe des Max-Born-Gymnasiums (MBG) jetzt eindrucksvoll bewiesen. Die Premiere am Dienstag in einer der beiden sanierten alten Einfachhallen war ein voller Erfolg.

Wenn das MBG Theater macht, dann wird den Besuchern in der Regel mehr geboten als ein Schauspiel auf der Bühne. Ein ganzes Team an Schülern des P-Seminars „Theater-Organisation“ hat sich seit Wochen um das Drumherum gekümmert. Da gibt es dann vor dem Stück und in der Pause eine Theaterbar in der Aula und einen Catering-Service in der Mensa. Ein professionell gestaltetes Programmheft führt ins Stück ein und stellt die Schauspieler sowie alle weitere Akteure vor. Dazu gibt es kurze Texte einzelner Schüler zur Entstehungsgeschichte, zu den einzelnen Charakteren und auch zur Frage der Aktualität des Stücks. Das Theater selbst beginnt für den Besucher dann schon beim Weg zur Sporthalle. Die Wände des Gangs sind mit schwarzen Tüchern verhängt, auf denen alle paar Meter angesengte DIN A3-Blätter mit Zitaten aus dem Stück und Kommentaren von Schülern zu lesen sind.

In der Halle erwartet den Besucher ein Saal, der allen theatralischen Voraussetzungen gerecht wird. Die große offene Bühne, deren Wände ebenfalls mit schwarzen Tüchern verhängt sind, ist natürlich das Herzstück. Weiße Kontrastpunkte bieten nur ein drehbares großes Regalelement und eine Art Balkon, der am rechten Bühnenrand auf einem für die Besucher unsichtbaren Gerüst installiert worden ist.

Das Regieteam unter der Leitung von Lehrerin Barbara Strödecke machte schon dadurch deutlich, dass das Stück eher wenig Spaß vermitteln soll. Denn davon handelt die tragische Geschichte: Die Milliardärin Claire Zachanassian (Priyanka Gunturu) kehrt nach Jahrzehnten in ihren Geburtsort Güllen zurück – einem gottverlassenem Ort, der geprägt ist von einem wirtschaftlichen Niedergang sondergleichen. Die Güllener erhoffen sich natürlich von der Heimkehr der verlorenen Tochter vor allem einen wirtschaftlichen Vorteil. Und so kommt’s dann auch wenngleich nicht so einfach, wie sie sich das gedacht haben.

Kurz nach ihrer Ankunft verspricht die eiskalte und rücksichtslos auf Rache sinnende Claire den Güllenern eine Milliarde. Bedingung: Sie fordert den Tod ihrer Jugendliebe Alfred Ill (Marvin Lis), der sie einst schwängerte, dies dann aber mit Hilfe gekaufter Zeugen vor Gericht geleugnet hat.

Während die Güllener zunächst noch zu ihrem Ill, der schon als nächster Bürgermeister gehandelt wird, stehen, wandelt sich das im Verlauf des Stücks. Am Ende steht der Tod von Ill, die Güllener kassieren und Zachanassian reist wieder ab.

Diesen schleichenden Umschwung der moralischen Haltung der Dorfbewohner bis hin zur fast schon kollektiven Tötung ist der Theatergruppe meisterhaft gelungen. Beobachtet von der Milliardärin, die fast das gesamte Stück über auf dem Balkon sitzt und die Handlung kommentiert, wird in zahlreichen Gesprächen Ills mit wahlweise der Bürgermeisterin (Luise Gutewort), der Polizistin (Sabine Walk), dem Pfarrer (Kim-Lucas Kozian) und Kunden seines Krämerladens immer klarer, dass die Güllenener für Geld alles machen würden. Und das tun sie dann letztlich auch.

Mit der Aufführung der alten Dame hat die neue alte Turnhalle ihre Feuertaufe bestanden. Sie war schon vor der Generalsanierung Spielstätte der Theatergruppe und hatte dabei vor allem einen Nachteil: die Akustik war eigentlich nicht geeignet dafür. Das hat sich jetzt wohltuend verändert. Akustik-Elemente an den Decken und Wänden haben die Halle voll und ganz theatertauglich gemacht.

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