In den Escape Rooms der Jesus-Christus-Kirche muss man Rätsel lösen, um den Weg ins Freie wählen zu können. Die Bibel spielt dabei auch eine Rolle.

Serie: Was die Kirchen alles bieten (5)

Sie ertüfteln sich den Weg nach draußen

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In der Evangelischen Jesus-Christus-Kirche stellen drei Escape Rooms die Spieler vor Rätsel mit biblischer Grundlage. Pfarrer Jan Freiwald entwarf die Räume selbst, programmierte sogar die Computer. Die Idee ist einzigartig.

Germering– Drei Männer stehen an einem runden Tisch. Vor ihnen befinden sich eine Schreibmaschine, ein altes Radio, ein Pergamentpapier und eine Bibel. Mit Hilfe dieser Dinge müssen sie sich ihren Weg ins Freie erraten.

Dieses Szenario findet man in einem von drei so genannten Escape Rooms (in etwa: Fluchtzimmer) im Gemeindezentrum der evangelischen Jesus-Christus-Kirche an der Hartstraße. In allen drei Räumen befinden sich allerlei technische Geräte und andere Dinge, mit denen Freiwillige ihr Kombinationsvermögen testen können. Wer die Rätsel richtig deutet und löst, darf den Raum verlassen. Dafür haben sie genau 60 Minuten Zeit. Etwa die Hälfte schafft das, erzählt Pfarrer Jan Freiwald, der die Rätsel-Zimmer seit Oktober anbietet.

Escape Rooms erfreuen sich seit einigen Jahren stetig wachsender Beliebtheit. Innovative Hintergrundgeschichten motivieren die Besucher und bieten immer wieder neue Spielerlebnisse. Von Kriminalfällen bis Naturkatastrophen gibt es fast alles.

Pfarrer Freiwald ist selbst begeisterter Schnitzeljäger. Die modernen Rätsel gefielen ihm. Aber: „Ich bin Pfarrer, also musste irgendwie die Bibel mit rein.“

Zwei Wochen arbeitete Freiwald an jedem Raum, und zwar weitgehend allein. „Es war eine wilde Bastelei“, sagt er selbst. Freiwald lötete, programmierte Minicomputer, kaufte alte technische Geräte. Spielereien, Knöpfe und Schalter gibt es zuhauf. Die Schwierigkeit besteht darin, herauszufinden, was sie bewirken und wie man mit ihnen aus dem Raum entkommt. Freiwald dachte sich die Geschichten selbst aus, seine Töchter halfen tatkräftig mit.

Die Rätsel sind in der Moderne angesiedelt. „Unsere Zeit bietet einfach mehr Möglichkeiten für spannende Rätsel mit Schaltern und Knöpfen“, erklärt Freiwald. Durch Zeitreisen und archäologische Ausgrabungen bringen die Geschichten die Spieler mit der Bibel in Verbindung.

Biblisches Vorwissen ist zum Lösen der Rätsel nicht nötig. „Es ist ganz gut, wenn man weiß, wie man ein Buch hält. Aber das reicht dann schon“, sagt Freiwald und lacht.

60 Gäste besuchten die biblischen Escape Rooms bereits. Manche lösen die Rätsel recht schnell, andere tun sich schwer. „Es gibt Theoretiker, die viel kombinieren, und Praktiker, die alles abtasten. Gute Teams haben beides“, meint Freiwald. Besonders die Konfirmanden seien erfolgreich. „Die stehen im Stoff.“

Die Teilnahme an den Flucht-Versuchen ist kostenlos, Teams bestehen aus vier bis fünf Spielern. Freiwald baut die Räume nur zu besonderen Anlässen auf, nutzt die Flächen sonst anderweitig. Die nächste Gelegenheit bietet sich zur „Langen Nacht der Kirchen“ am 8. Juni. Interessenten müssen sich per E-Mail an pfarramt@jesus-christus-kirche.de anmelden.

Die Serie

Die örtlichen Pfarrgemeinden der evangelischen und katholischen Kirche sowie die Freie evangelische Gemeinde könnten mit ihren Angeboten ebenso gut als Bürgerhäuser, Kulturstätten oder Jugendzentren durchgehen. Der Merkur stellt diese Vielfalt jetzt in einer Serie vor.

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