Renate Koemm an ihrem Schreibtisch in der Bezirksstelle, den sie in wenigen Tagen verlassen wird.

In Germering

Sie half vielen aus der Schuldenfalle - jetzt geht sie in Ruhestand

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Renate Koemm ist seit 40 Jahren im damals neuen Caritas-Zentrum an der Otto-Wagner-Straße beratend und helfend tätig. Die meiste Zeit verbrachte die Sozialpädagogin in der Schuldnerberatung. In zwei Wochen geht sie in Ruhestand.

Germering – Als Renate Koemm vor 40 Jahren in ihre Berufslaufbahn als Sozialpädagogin mit einem Praktikum startete, war sie zunächst leicht enttäuscht: Statt des Wunschplatzes beim sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas in Fürstenfeldbruck landete die gebürtige Müncherin in der Zweigstelle in Germering.

30 Jahre Schuldnerberatung

Diese Enttäuschung ist dann aber schnell in Zufriedenheit und Begeisterung umgeschlagen – und nach 40 Jahren im damals neuen Caritas-Zentrum an der Otto-Wagner-Straße, direkt neben der Pfarrkirche Don Bosco, verabschiedet sich Renate Koemm mit einem Gefühl der Zufriedenheit in den Ruhestand. Aus dem anfangs leicht unbeliebten Germering ist für sie eine zweite Heimat geworden, erzählte sie beim großen Caritas-Jubiläum vor wenigen Wochen – neben dem 40-jährigen Bestehen der Bezirksstelle wurden unter anderem 30 Jahre Schuldnerberatung und 20 Jahre Verbraucher-Insolvenzberatung gefeiert. Die Sozialpädagogin, die noch bis Ende Juni im Dienst ist, beschrieb Germering damals so: „Es ist eine soziale Stadt mit vielen inneren Werten.“

Zu diesen Werten hat Renate Koemm in den vergangenen Jahrzehnten einiges beigetragen. Nach den ersten Jahren in der sozialen Beratung und im sozialpsychiatrischen Dienst wechselte sie zur Schuldnerberatung, in der sie bei heute tätig ist. Das sei einerseits eine sehr anstrengende Tätigkeit, die kontinuierliche Fortbildungen erforderten.

„Man muss sich schon auskennen mit der Materie. Wichtig ist vor allem, die aktuellen Rechtssprechungen im Blick zu haben.“ Andererseits sei es aber eine Arbeit, bei der man immer wieder Erfolge sehen könne. Und der sozialpädagogische Aspekt spiele dabei eine größere Rolle als man gemeinhin annimmt.

Kontinuierlicher Anstieg der Fallzahlen bei der Schuldnerberatung

Ein Blick zurück von den Anfängen der örtlichen Schuldnerberatung in den 1980er-Jahren bis heute zeigt laut Koemm einen kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen. Der Beginn dieser Negativentwicklung ist ganz deutlich mit der Einführung des Dispokredits Mitte der 60er-Jahre zu sehen So sei das Phänomen der Privatverschuldung entstanden und gewachsen.

Eine positive Gegenentwicklung sieht Renate Koemm mit der Einführung der Verbraucherinsolvenz im Jahr 1999. Zahlungsunfähigen Menschen bietet dies die Möglichkeit eines Neuanfangs – wenn alles positiv verläuft, ist der Antragsteller nach sechs Jahren von allen Restschulden befreit. Allerdings wird der Insolvenzantrag erst gestellt, wenn alle anderen Versuche der Entschuldung – dazu gehören auch Verhandlungen mit den Gläubigern über außergerichtliche Einigungen – erfolglos geblieben sind.

In Germering werden der Expertin zufolge rund 30 Anträge jährlich, in Fürstenfeldbruck rund 50 gestellt. Den formlosen Antrag füllt sie ohne großen Aufwand am PC aus und schickt ihn ans Gericht– in der vordigitalen Zeit war dies um einiges aufwendiger: „Da mussten 30 Seiten handschriftlich gefüllt werden.“

Mit einem Gefühl der Zufriedenheit

In den Ruhestand geht Renate Koemm mit einem Gefühl der Zufriedenheit: „Ich habe genau das Richtige gemacht für mich.“ Der Kontakt mit Menschen sei ihr dabei immer immens wichtig gewesen. Sie habe so viele Menschen kennengelernt, die unglaubliches Pech im Leben gehabt haben, das glaube man gar nicht – wenn sie dann dennoch ihren Humor nicht verloren haben, dann habe das für sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Den Ruhestand kann die Sozialpädagogin mit Ehemann Stephan genießen. Der Internist, der seit 1990 in Germering zunächst am Bahnhof Harthaus eine Gemeinschaftspraxis betrieb und dann das Ärztehaus in der Hartstraße aufbaute, beendet zeitgleich mit seiner Frau das Berufsleben. Gemeinsame Reisen im Wohnmobil wird es dann öfter geben als jetzt.

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