Dieses Foto zeigt Dorothea Licht (vorne, zu erkennen am weißen Schal) mit ihrem Ärzteteam bei einem Einsatz auf einem Hospital-Schiff in Bangladesh.
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Dieses Foto zeigt Dorothea Licht (vorne, zu erkennen am weißen Schal) mit ihrem Ärzteteam bei einem Einsatz auf einem Hospital-Schiff in Bangladesh.

Germering

Sie helfen jetzt vom Schreibtisch aus

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Die Corona-Krise hat nicht nur Sportler hart getroffen. Auch Musik-, Freizeit-, Kultur- und andere Vereine leiden an den Kontaktbeschränkungen und dem Verbot von Veranstaltungen. Der Münchner Merkur stellt sie in einer losen Serie vor. Heute: der Verein Ärztecamp International.

Germering – Normalerweise lindern die Ärzte des Ärztecamps International die größten Nöte in Entwicklungsländern vor Ort. Das war 2020 wegen der Pandemie nicht möglich. Untätig war der Verein deshalb aber nicht. Stattdessen wurde auf anderen Wegen geholfen.

Seit beinahe zehn Jahren reisen die Ärzte des gemeinnützigen Vereins rund um die Welt. Noch im Herbst 2019 hatten sie ihr Ärztecamp zum Beispiel in Tansania aufgeschlagen, wo eine Station zur Augenbehandlung aufgebaut wird. Oder im Oktober des gleichen Jahres ist ein sechsköpfiges Team für zwei Wochen nach Bangladesh gereist, um dort ambulante Behandlungen und Operationen durchzuführen. Im November erkundete ein Team Möglichkeiten, eine Krankenstation in Bhimphedi/Nepal südlich von Kathmandu zu neuem Leben zu erwecken.

Das Versprechen, im Februar wiederzukommen, konnte der Verein aber nicht einhalten. Corona und die Reisebeschränkungen kamen dazwischen. „Die Beschränkungen treffen uns natürlich“, sagt die Vereinsvorsitzende und Gründerin Dorothea Licht. „Aber wir helfen jetzt eben vom Schreibtisch aus.“ Denn trotz Coronakrise durfte sich Ärztecamp International auch an Weihnachten wieder über Spendengelder freuen. Hauptaufgabe des Vereins ist es nun, diese an die Stellen zu bringen, wo sie benötigt werden.

„Das Geld wird nun für die Patienten oder für medizinisches Material eingesetzt“, berichtet Licht. Medikamente, Verbandsmittel oder medizinische Instrumente werden in vielen armen Ländern benötigt. Aktuell unterstützen Licht und ihre Mitstreiter mit dem Geld die Projekte in Tansania und Bangladesh sowie weitere im Kongo, in Uganda und in Gambia, wo eine Krankenstation vor der Schließung bewahrt werden konnte.

Die Pandemie ist in den Ländern dabei nicht das einzige, meist nicht mal das größte Problem. „Die Armut dort ist sehr groß“, berichtet Licht. Das ist eine große Herausforderung für die medizinische Grundversorgung der Menschen dort.

Ärztecamp International war indessen auch bei der ganz regulären Vereinsarbeit von Corona beeinträchtigt. „Unsere Mitgliederversammlung konnte nicht stattfinden“, berichtet Licht. Dabei wären 2020 sogar Neuwahlen auf dem Programm gestanden. Weil aber alle Vorstandsmitglieder sich bereit erklärten, ihre Ämter weiter zu übernehmen, wurde die Wahl nun auf einen Zeitpunkt verschoben, wenn sie wieder möglich ist.

Um sicherzustellen, dass das alles rechtlich wasserdicht ist, hat Licht sogar eigens ein Seminar für Vereinswesen besucht. Dennoch ist der Austausch zumindest innerhalb der sechsköpfigen Vorstandschaft natürlich weiter nötig. Schließlich muss über die Verwendung der Spenden beraten und diese dann auch beschlossen werden.

„Wir halten unsere Vorstandssitzungen virtuell über das Internet ab“, berichtet Licht. Außerdem hält sie ihre Kollegen natürlich immer schriftlich auf dem Laufenden: „Mit E-Mail ist heute ja vieles möglich.“ Auch wenn Licht sich freut, dass ihr Verein in der Pandemie recht gut weiterarbeiten kann, hofft sie natürlich, dass das Virus bald unter Kontrolle gebracht wird. Schließlich steht 2022 das zehnjährige Vereinsjubiläum an, das entsprechend gefeiert werden will.

Vereinssteckbrief:

Gründungsjahr: 2012

Mitglieder: rund 100

Kontakt: info@aerztecamp.de

Internet: www.aerztecamp.de

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