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In Germering

Sie lenkte den Verdacht auf Asylbewerber: Überfall aber war frei erfunden

Weil sie Geld brauchte, stahl eine Verkäuferin die Tageseinnahmen – und erfand einen Überfall. Den Verdacht lenkte sie auf einen Asylbewerber.

Germering – Sechs Streifenwagen rückten eines Mittags Ende April in der Flüchtlingsunterkunft am Starnberger Weg an. Die Polizisten suchten einen dunkelhäutigen jungen Mann, etwa 1,70 Meter groß, schwarze, krause, seitlich kurz geschorene Haare. So hatte die Mitarbeiterin (28) eines Geschäftes den Mann beschrieben, der sie kurz zuvor im Bereich der Bahnunterführung in der Unteren Bahnhofstraße überfallen und ihr knapp 2100 Euro geraubt habe: Die Tageseinnahmen des Geschäftes, die sie gerade zur Postbank bringen wollte.

Fündig wurden die Polizisten in der Asylunterkunft nicht. Der Raubüberfall hatte nämlich gar nicht stattgefunden. Die Frau hatte die Polizei schlicht belogen – und das Geld selbst eingesteckt. Am Amtsgericht Fürstenfeldbruck wurde die bereits mehrfach vorbestrafte Germeringerin dafür wegen falscher Verdächtigung und Unterschlagung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie muss außerdem innerhalb von sechs Monaten 60 Stunden soziale Dienste leisten. Zudem muss sie das unterschlagene Geld zurückzahlen.

Dreimal hatte die Polizei die Frau befragt, bis sie endlich zugab, gelogen zu haben. Der vernehmenden Beamtin waren Widersprüche aufgefallen. Die 28-Jährige hatte ausgesagt, ein dunkelhäutiger junger Mann sei auf einem Fahrrad dahergekommen. Er habe sie an der rechten Schulter geschubst und gegen eine Mauer gedrückt. Dann sei er mit der Tasche samt Geld davon gefahren.

Was die Polizistin stutzig machte: Kein einziger Autofahrer hatte den Überfall beobachtet. Und das, obwohl in der Unteren Bahnhofstraße immer viel Verkehr herrsche,wie die Beamtin im Zeugenstand des Amtsgerichtes aussagte. Auch an der Schilderung des Tatherganges durch das angebliche Opfer hegte die Polizistin so ihre Zweifel. Sie war überzeugt, dass ein Räuber von seinem Fahrrad absteigen hätte müssen, um die Tasche mit dem Geld an sich zu bringen.

Immer wieder hielt die Polizistin der Germeringerin die Widersprüche vor – bis die 28-Jährige einknickte und alles zugab. Tatsächlich hatte sie die Tasche mit dem Geld einfach in einem Gebüsch versteckt und am Abend, als keine potenziellen Zeugen mehr unterwegs waren, dort wieder abgeholt.

„Ich war verzweifelt“, sagte die Frau auf der Anklagebank. Sie habe das Geld gestohlen, um ihre Schulden bezahlen zu können. „Außerdem wollte ich meinem Kind mal etwas gönnen können“, sagte die 28-Jährige. Ihre Tochter lebt beim Vater.

Besonders schockierte den Staatsanwalt bei dieser dreisten Lügengeschichte, dass die Germeringerin den Täter ausgerechnet so beschrieben hatte, dass der Verdacht auf einen Asylbewerber fallen musste. „Das ist schäbig“, machte der Anklagevertreter der 28-Jährigen klar. Und es trage dazu bei, in der Bevölkerung Vorbehalte gegen Flüchtlinge zu wecken.  sus

Erstmeldung aus dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt: Räuber kommt mit dem Rad und entreißt Frau Handtasche


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