Saskia Esken nahm sich 90 Minuten Zeit für einen offenen Austausch bei der AWO.
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Saskia Esken nahm sich 90 Minuten Zeit für einen offenen Austausch bei der AWO.

Germering

SPD-Chefin im Gespräch mit Erziehern

  • Klaus Greif
    VonKlaus Greif
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Einen Meinungsaustausch mit prominenter Beteiligung über die Situation von Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Pandemie gab es am Freitag bei der AWO. Zu Gast war die SPD-Vorsitzende Saskia Esken. Mit dabei war auch die Direktkandidatin des Wahlkreises, Carmen Wegge.

Germering – Die für viele wohl wichtigste Frage an Saskia Esken kam ganz zum Schluss eines 90-minütigen Gesprächs im Zenja-Saal des Mehrgenerationenhauses: „Was ist Ihre Wunschkoalition?“ Gestellt wurde sie von Lennart Brückner, Zehntklässler am Carl-Spitzweg-Gymnasium. Beantwortet hat sie Saskia Esken nicht: „Die Frage habe ich gestern bei Maybrit Illner schon dreimal nicht beantwortet. Es geht um die Sache.“ Klar sei aber für sie, dass es mit CDU/CSU nicht mehr weiter gehen könne.

CSG-Schüler Lennart Brückner war mit dem ebenfalls aus Geisenbrunn stammenden Justus Germeier (11. Klasse, Gymnasium Gauting) zum Gespräch geladen worden, um über die Erfahrungen von Schülern in der Pandemie zu reden. Ihre Bilanz war eindeutig: Präsenzunterricht, und sei es im Wechsel, ist dem Fernunterricht immer vorzuziehen. Die SPD-Vorsitzende nahm parteiübergreifend die ganze Politik in die Pflicht, das zu gewährleisten – garantieren könne man es aber nicht.

Zu Beginn des Austausches standen die Jüngeren im Mittelpunkt. Martina Matern, Leiterin des AWO-Horts an der Theresenschule sprach von einer extrem schwierigen Zeit zu Beginn der Pandemie. Für die Erzieher sei es vor allem deswegen fordernd gewesen, weil man auch die Ängste und die Wut der Eltern abgekommen habe.

Die Kinder, die in der Notbetreuung den Hort besuchen durften, seien ganz gut durch die Zeit des Lockdowns gekommen. Schlimmer sei es für die gewesen, die zu Hause betreut werden mussten. Nach der Wiederöffnung der Schulen habe man bei ihnen festgestellt, dass sie sich nicht mehr an den gewohnten Tagesablauf anpassen konnten. Die eigenen Ängste vor einer Ansteckung hätten das Ganze noch getoppt.

Von der Politik wünschte sich Martina Matern, dass Schulen und Horte nicht mehr schließen: „Die Kinder sind bei uns besser aufgehoben.“ Außerdem sei eine tarifliche Anpassung und eine bessere Ausstattung mit Personal notwendig.

Saskia Esken gab ihr und ihrem Mitarbeiter Kevin Stölzle, der ähnliches schilderte, zu verstehen, dass auch Erzieher mehr als nur Wertschätzung nötig hätten. Auch einen bessere Personalausstattung sei unbedingt notwendig. Ehrlicherweise müsse man aber auch sagen: „Sozialarbeiter, Erzieher oder Lehrer stehen nicht auf der Straße und warten auf ihre Einstellung.“ Es gebe schlicht einen Mangel bei allen sozialen Berufen. Die einzige Lösung sei, dass man diese Berufe attraktiver mache. Ansonsten werde die Gesellschaft in wenigen Jahren ein Riesenproblem haben.

Eine wichtige Rolle im Gespräch mit den Gymnasiasten spielte noch die Frage der technischen Ausstattung der Schulen. Das fing bei den Luftfiltern an, die auch aus Sicht von SPD-Fraktionschef und Gymnasiallehrer Daniel Liebetruth Präsenzunterricht sicherer machen könnten. Auch Schüler Justus Germeier hofft darauf – Erinnerungen an den Winter, als man bei geöffneten Fenstern mit Mütze und dicker Jacke im Unterricht saß, haben ihn zu dieser Einsicht verholfen.

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