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Sportlicher Ausverkauf: Handschuhe schon fast weg

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Da waren die Regale noch voll: Christoph Ganz vor Beginn des Ausverkaufs von Sport Pofandt. © Weber

Sport Pofandt, das einzig verbliebene Sportfachgeschäft der Stadt, schließt seine Pforten.

Germering –Der Münchner Merkur hat mit Geschäftsführer Christoph Ganz über die Situation gesprochen.

Herr Ganz, neben dem Warten aufs Christkind läuft für Sie heuer zum Jahreswechsel ein ganz anderer Countdown. Wie oft werden wir noch wach, bis das Sportgeschäft Pofandt endgültig seine Türen schließt?

Als letzter Öffnungstag ist der 12. Januar geplant, je nachdem, wie lange mir die Ware noch reicht.

Die erste Phase des Räumungsverkaufes haben Sie ja bereits hinter sich. Wie ist es gelaufen?

Bis jetzt ist es sehr positiv gelaufen. Es hat ein richtiger Run aufs Geschäft stattgefunden in den ersten zehn Tagen. Jetzt pendelt es sich auf eine sehr erfreuliche Frequenz ein. Wir haben die Verkaufsfläche schon verkleinert. Es ist aber noch genug Ware im Laden vorrätig.

Sie haben sicher auch mit Ihren Kunde gesprochen, wie haben die auf die Geschäftsaufgabe reagiert?

Viele waren traurig, dass wir schließen. Es waren auch Kunden da, die gesagt haben, Sport Pofandt war seit ihrer Kindheit das Sportgeschäft ihrer Wahl. Und viele haben gefragt, ob denn danach ein anderes Sportgeschäft kommt. Danach schaut es aber nicht aus. In einzelnen Gesprächen war dann aber schon viel Verständnis für meine Entscheidung zu spüren. Andere Kunden, die selber Einzelhändler aus Germering und Umgebung sind, hatten sogar Verständnis, denn es hängt schon viel Risiko und Zeitaufwand am Betreiben eines Geschäftes.

Das Sortiment wurde ja bereits bis zu 50 Prozent reduziert, planen Sie noch weitere Rabattaktionen?

Es wird im weiteren Verlauf sicher noch weitere Reduzierungen geben, aber dann ist auch die Auswahl nicht mehr so groß. Das Ganze hängt vom Verlauf des Räumungsverkaufes ab. Momentan läuft ja schon die Runde, wo es auf alles mindestens 30 Prozent Rabatt gibt.

In welchen Bereich ist die Auswahl noch besonders groß, gibt es ein Produktsegment, das bereits völlig ausverkauft ist?

Mützen und Handschuhe sind schon sehr ausgesucht. Freizeitbekleidung und auch bis jetzt noch die Skiwand sind ganz gut bestückt.

Wir haben bisher über Ihre Ware und Ihre Kunden gesprochen. Wie geht es Ihnen persönlich? Sie haben sich ja 29 Jahre lang, oft sechs Tage die Woche, für den Laden engagiert, und jetzt wird er immer leerer…..

Das ist schon ein ganz schönes Gefühl, wenn nach so langer Zeit die vielen langjährigen Stammkunden kommen und einem helfen, diesen Lebensabschnitt erfolgreich zu beenden, damit dann wieder was neues anfangen kann. Und darauf freue ich mich jetzt wirklich. Vor allem auch daran, dass es nicht mehr immer sechs Tage pro Woche mit 60 Stunden sein müssen. Und immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie viele Kunden denn heute und vor allem in Zukunft den Weg in ein klassisches Fachgeschäft finden werden, auch wenn die Preise da nicht so niedrig sind wie im immer stärker werdenden Internet. Das wird schon deutlich entspannter werden ohne den Laden in Zukunft.

Sie haben sich bewusst für die Geschäftsaufgabe entschieden, weil Sie sich beruflich verändern wollen, wird es trotzdem etwas geben, das Sie vermissen werden, wenn der Name Sport Pofandt nicht mehr am Geschäft im Wittelsbacher Einkaufszentrum prangt?

Ich werde die netten und freundlichen Gespräche mit Kunden vermissen, die sich über unsere Beratung gefreut haben und mit den von uns empfohlenen Produkten ihren Sport besser als vorher ausüben konnten. Oder die Kunden, die dem Geschäft über 50 Jahre die Treue gehalten haben und immer am Ort eingekauft haben. Vermissen werde ich auch die in unserem Team immer herrschende gute Zusammenarbeit, auf die ich schon ein bisschen stolz bin. Zum Glück sind aber alle aus dem Team schon wieder gut versorgt.

Was werden Sie nicht vermissen?

Was ich sicher nicht vermissen werde, sind die Kunden die nach einer längeren Beratung durch mich oder meine Mitarbeiter ihr Handy zücken und ganz stolz darauf verweisen, dass der empfohlene Artikel im Internet ja viel billiger als bei mir im Geschäft zu bekommen ist und dass das ja gar nicht gehen würde, weil wir zu teuer sind. Und das sind keine Einzelfälle mehr, sondern wird immer mehr zur Regel.

Ihr persönliches Fazit?

Und als Fazit kann ich sagen, dass ich mit Ausnahme der letzten zwei Jahre, in denen die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel deutlich schlechter geworden sind, wirklich einen Beruf hatte, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Und ich hoffe, dass das in der Zukunft wieder so sein wird.

Interview: Sabine Kuhn

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