In der Stadthalle

Wirtschaftsempfang in Germering: Die Stadt puzzelt sich zur Marke

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Die Stadt hat eine Marke – es sind ihre Menschen. Das ist Ergebnis eines zweijährigen Prozesses, an dem Germeringer aus allen Bereichen beteiligt waren. OB Andreas Haas stellte die Marke und ihre Symbole jetzt beim Wirtschaftsempfang in der Stadthalle vor.

Germering – Zum zehnten Mal hat die Stadt die örtlichen Unternehmer sowie Behördenvertreter und Politiker zum Empfang in den Orlandosaal geladen. Der Ablauf ist dabei immer derselbe: Nach der musikalischen Einstimmung durch die Stadtkapelle ergreift OB Andreas Haas das Wort und begrüßt als Gastgeber die Besucher. Heuer war alles ein wenig anders. Auf die Musik folgte zunächst ein Film des Film- und Videoclubs, der die unterschiedlichsten Germeringer beim Zusammentragen von merkwürdigen großen Puzzleteilen zeigte. Diese insgesamt elf Teile waren überdimensional auch als Deko-Objekte auf der Bühne zu finden.

Was es damit auf sich hat, machte Haas in seiner Begrüßungsrede klar. Er präsentierte das Ergebnis des Markenentwicklungsprozesses, der im Jahr 2015 in die Wege geleitet worden war. Die Puzzleteile entsprechen den einzelnen Elementen des Stadt-Logos, das wiederum einem bei Grabungen gefundenen Amulett aus dem 7. Jahrhundert nachempfunden worden ist. Diese Elemente sollen Haas zufolge künftig das Symbol der Marke Germering darstellen: „Ein jedes kann für sich stehen. Sie können aber auch beliebig zusammengesetzt werden.“

Die Marke selbst zu entwickeln, also das, was Germering unverwechselbar ausmacht, war nicht ganz so einfach. Laut Haas sind bei den Workshops zur Markenentwicklung zwar viele Dinge genannt worden, die Germering ausmachen. Er nannte viele Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Stadthalle, Mehrgenerationenhaus, Sportstätten und gute Verkehrsanbindung. Das Problem dabei: „Leider haben viele andere Kommunen alles das oder zumindest vieles davon auch.“

Das Besondere der Stadt habe sich erst herauskristallisiert, als die Workshop-Teilnehmer der Stadt spezielle Charaktereigenschaften zusprechen sollten. Designer Christian Fehl – er hatte auch die Idee mit den Puzzleteilen – habe es auf diesen Punkt gebracht: „Aufrichtig und authentisch, pragmatisch und zielorientiert, seriös und hilfsbereit.“ Dies sei so, weil in der Stadt so viele engagierte Bürger lebten, die Tag für Tag einen ausgeprägte und integrative Unterstützungskultur mit Leben füllten. Haas: „Die Menschen machen Germering aus. Auf sie und ihr Engagement können wir stolz sein.“

Einige dieser Menschen werden im Markenleitfaden der Stadt beispielhaft vorgestellt, der beim Wirtschaftsempfang erstmals verteilt wurde. Auf 60 Seiten wird hier auch der Markenentwicklungsprozess noch einmal vorgestellt und die Puzzle-Symbolik erläutert. Dieser Leitfaden soll Haas zufolge nur eine Navigationshilfe sein: „Wir hoffen, dass er Anregungen bietet und Ideen weckt, wie die Marke geführt werden und sich profilieren kann. Wer etwas dazu beitragen will, soll sich mit dem Stadtmarketingbüro in Verbindung setzen. Es war unter der Leitung von Joachim Vossen an der Entwicklung des Leitfadens beteiligt.

Zum Thema Verkehrsinfarkt

Der Verkehrsinfarkt im Ballungsraum München kann aus Sicht von Wirtschaftsverbandschef Jürgen Biffar nur mit der flächendeckenden Einführung komplett autonom fahrender Autos verhindert werden. Diese These stellte er beim Wirtschaftsempfang in den Raum. Er griff damit Überlegungen auf, die er schon vor drei Jahren beim Empfang geäußert hatte. Selbstfahrende Autos, so Biffar damals, stellten ein große Chance für Germering dar: Sie befänden sich nicht mehr in Privatbesitz, sondern könnten individuell mit dem Smartphone geordert und bezahlt werden. Folge: Man bräuchte weniger Parkplätze und die vorhandenen Straßen würden effektiver genutzt. 

Jetzt setzte Biffar noch eins drauf: Ohne autonome Fahrzeuge sei der Verkehrsinfarkt nicht mehr zu verhindern. Denn klar sei: Mehr Straßen können nicht gebaut werden. Stattdessen müssen die vorhandenen effizienter genutzt werden. Selbstfahrende Autos könnten beispielsweise zu zweit auf einer Spur in eine Richtung fahren. Er denke auch an die Einführung von autonomen Sammeltaxis, die bis zu sechs Personen fassen, mit dem Handy gerufen werden und die einzelnen Ziele intelligent gesteuert anfahren können. Diese Art von Verkehr sei sogar ökonomischer als beispielsweise S-Bahnen, meinte Biffar. 

Diese neuartigen Verkehrssysteme könnten aus Sicht von Biffar in etwa 15 Jahren eingesetzt werden. Änderungen im Zusammenhang mit der digitalen Umstrukturierung sind laut Biffar auch für den Einzelhandel notwendig. Es reiche nicht mehr aus, nur Waren anzubieten: Die Geschäfte müssten den Kunden ein Erlebnis versprechen. Zudem müsste jeder einzelne Händler auch selbst auf hohem Niveau im Internet präsent sein. Weil ein Niedergang des Einzelhandels auch eine Verödung der Innenstädte bedeuten würde, denkt Biffar sogar über staatliche Subventionen nach: „In der Landwirtschaft gibt es ja auch Gelder beim Verzicht auf Anbau, wenn es dem Landschaftsschutz dient.“ Eine weitere zentrale Herausforderung für die Gesellschaft ist Biffar zufolge die Bildung. „Mehr Wissen und mehr Verständnis insgesamt bewahrt uns vor AFD- und Trump-Wählern.“ Dies müsse vor Ort geleistet werden. Der Wirtschaftsverband arbeitet dafür eng mit den Schulen zusammen

Beim Wirtschaftsempfang wurden folgende Unternehmen für ihre Firmenjubiläen geehrt: 10 Jahre: Bau- und Sanierungshandwerk Krabacher, dp-medsystems AG, Weltoffen-Laden, Wellnesspraxis Ayurve. 15 Jahre: Friseursalon Sie+Er, Kanzlei für Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung Hetsch, Strom Germering 20 Jahre: ALME Projektmanagement, Autozubehör Germering, GeBE Computer und Peripherie, Gutachterbüro Wagenführer, Trachtenmoden Wedahex. 25 Jahre: SSS Clinical Research 30 Jahre: Compcut Design Studio, DocuWare, Garten- und Landtechnik Niedermair, W. Weser GmbH/Bavaria Drives 35 Jahre: Baugeschäft Ludwig Gailer, Taxi Markowski, AIDA PWS Electronic Service, Thermo Fisher Scientific 45 Jahre: Zahnarztpraxis Dres. Black 50 Jahre: Bernatz & Andre Elektroanlagen, Sozialdienst, Autohaus Karl Moser 55 Jahre: Lingenfelder Metallverarbeitung 60 Jahre: Gaststätte Beim Dobry 65 Jahre: Schuh und Leder Thumann 90 Jahre: Groh-Verlag

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