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Schwierige Suche: Das Angebot an Wohnungen in Germering ist begrenzt.

Sozialer Wohnraum 

Stadt sorgt für mehr günstige Wohnungen

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Sozialer Wohnraum fehlt im Münchner Speckgürtel an allen Ecken und Enden. Die Stadt Germering hat vor Jahren ihre Sozialwohnungen verscherbelt. Nun will sie wieder Wohneinheiten kaufen und zu bezahlbaren Konditionen an Menschen mit niedrigem Einkommen vermieten.

Germering – Sucht man in Germering nach einer Wohnung, darf man nicht wählerisch sein. Die Treffer, die auf der Plattform Immobilienscout24 angezeigt werden, sind jedenfalls überschaubar. Im Angebot sind 14 Wohnungen in der Größe von ein bis drei Zimmer und einer Kaltmiete von 420 Euro (40 Quadratmeter) bis 1140 Euro (78 Quadratmeter). Daneben findet man Luxus-Buden wie eine 2,5-Zimmer-Dachterrassen-Wohnung für 1500 Euro und eine Penthouse-Wohnung für 1380 Euro.

Wer im Speckgürtel Münchens lebt, muss angesichts der horrenden Mietpreise gut verdienen. Menschen mit geringem Einkommen haben dagegen auf dem umkämpften Wohnungsmarkt oft das Nachsehen, darunter etwa Erzieher für Kindertagesstätten. Sie sind angewiesen auf sozial geförderten Wohnraum. Doch der fehlt an allen Ecken und Enden, auch in Germering.

In Germering gibt es 319 Sozialwohnungen

Die Stadt hat im vergangenen Jahr 135 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt (2015 waren es 104). Damit hat man theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung. Doch laut Martin Sedlmeier, zuständig für sozialen Wohnungsbau bei der Stadt, sind alle Antragsteller, die sich im vergangenen Jahr für eine Einzimmerwohnung beworben hatten, leer ausgegangen. In Germering gibt es 319 Sozialwohnungen. „Alle sind vermietet“, sagt Sedlmeier. Sie gehören überwiegend den Unternehmen GBW und Vonofia. Die Stadt selbst besitzt noch rund 20 Stück. Den Rest hat sie vor elf Jahren verkauft, um die klamme Haushaltsklasse aufzubessern.

Nun hat die Kommune wieder mehr Geld zur Verfügung und versucht, Wohnraum für Menschen zu schaffen, die weder Sozialhilfe noch ein hohes Einkommen beziehen. Wie berichtet, will man bis zum Jahr 2020 mehr als 84 Millionen Euro investieren, davon entfallen 14,3 Millionen auf die soziale Infrastruktur. Noch im laufenden Jahr kauft die Stadt 15 Mietwohnungen für 6,7 Millionen Euro, die sie Germeringern aus der unteren Einkommensschicht zur Verfügung stellen will. Die Wohneinheiten sollen auf dem Areal an der Landsberger Straße entstehen. Zehn Euro pro Quadratmeter sind im Gespräch.

„Wir sind mitten in der Diskussion.“

Für SPD-Fraktionschef Robert Baumgartner ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Das Projekt dürfe sich die SPD auf die Fahne schreiben, sagt er. „Das fußt auf unserer Hartnäckigkeit.“ Offenbar waren sich die Fraktionen bei den Haushaltsvorberatungen zunächst alles andere als einig. Baumgartner sagt auf die Frage, ob die Stadt genügend tue für die Schaffung von sozialen Wohnraum: „Es wird schon ganz gut gearbeitet im Rathaus, aber man kann immer mehr tun.“ Es sei sehr schade, dass Gemering damals seine Sozialwohnungen verkauft habe. Der Stadt bleibe nun nur noch die Möglichkeit, Wohnungen zu kaufen.

Zuletzt hat Baumgartner auf einer SPD-Veranstaltung verkündet, dass sich seine Fraktion dafür einsetzen will, bei größeren Wohnbauprojekten einen Teil der Fläche für sozial geförderte Wohnungen nutzen zu wollen. „30 Prozent wären gut“, sagt er. Ob man Bauherren wie in Dachau per Grundsatzbeschluss dazu verpflichten soll, ist umstritten. „Wir sind mitten in der Diskussion“, sagt Baumgartner. Sozialreferent und CSU-Stadtrat Herbert Sedlmeier hält es für „verdammt schwierig“, Bauwerber davon zu überzeugen, sozialen Wohnraum zu schaffen. Die Idee der SPD nennt er daher „plakativ“. Zwar stehe im Grundgesetz der Satz „Eigentum verpflichtet“. „Doch den hat noch nicht jeder gelesen.“

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