Halbe Besetzung, doppelte Begeisterung: Das Sinfonische Blasorchester spielte unter Corona-Bedingungen im Orlandosaal der Stadthalle.
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Halbe Besetzung, doppelte Begeisterung: Das Sinfonische Blasorchester spielte unter Corona-Bedingungen im Orlandosaal der Stadthalle.

Konzert in Germeringer Stadthalle

Auch halbiertes Orchester kann begeistern

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Es war ein Jahreskonzert, wie es noch keines vorher gegeben hat. Mit der halben Besetzung, aber der doppelten Emotion und Intensität begeisterte das Sinfonische Blasorchester (SBO) Germering unter der Leitung von Rick Peperkamp den halbvollen Orlando-Saal.

Germering – Für das auf Höchststufe musizierende Laienorchester war es das erste Konzert des Jahres, so seltsam sich das Mitte Oktober anhört. Aber im Corona-Jahr 2020 ist alles anders. Nach einer schwierigen, weil nur mit wechselnden kleinen Besetzungen möglichen Probenzeit waren alle Beteiligten umso glücklicher, endlich wieder vor Publikum auftreten zu dürfen.

Zum Teil wechselten die Musiker sich ab, damit jeder, der spielen wollte, es auch tun konnte. Ein Geschenk sei das, klang mehrmals an – doch die eigentlich Beschenkten waren die Zuhörer. Sie bekamen ein durch und durch stimmiges Konzert serviert, das auf zwei denkbar gegensätzlichen Eckpfeilern ruhte: Wiener Klassik und Wilder Westen, beides nicht willkürlich gewählt. Schließlich befinden wir uns noch immer im Beethoven-Jahr, auch wenn dessen 250. Geburtstag wegen der Pandemie fast in Vergessenheit geraten ist. Zum anderen verstarb in diesem Sommer der große Western-Komponist Ennio Morricone, der sich 91-jährig von den Folgen eines Treppensturzes nicht mehr erholte.

Das erste Allegro aus Beethovens berühmter Schicksals-Sinfonie bildete unter diesen Umständen den angemessenen Einstieg in ein Programm, das nicht in erster Linie fröhlich sein wollte. Mit der Corriolanus-Ouvertüre folgte ein weiteres aufgewühltes, ausdrucksstarkes Werk über einen Menschen, der an seiner Zerrissenheit zugrunde geht.

Die „Serenade für Klarinette“ von Alfred Reed greift Motive indianischer Volksmusik auf und erfordert spielerisch ein Ass an der Klarinette. Beim SBO ist das Konzertmeisterin Carina Leithe, die nach ihrem Solo vom Publikum heftigen Applaus und von Dirigent Peperkamp ein vernehmliches „super“ erntete.

Der 31-jährige Niederländer hat in diesem Frühjahr mitten im Corona-Lockdown geheiratet. Im Moment des Ringwechsels sei ihm eine Melodie in den Kopf gekommen, die er dank seines fotografischen Gedächtnisses lange genug behielt, um sie niederschreiben zu können, verriet er am Rande des Konzerts. „Papillon Plaisir d’amour“ feiert die Schmetterlinge im Bauch und versprüht Lebensfreude und Hoffnung in einer Zeit, die Peperkamp wie so viele Kulturschaffende als höchst belastend erlebt.

So stand auch die von den Besuchern eingeforderte Zugabe im Zeichen aller Menschen, „die diese Welt verlassen haben“ – ob durch Covid-19 oder kriegerische Auseinandersetzungen. „Hymn to the Fallen“ bildete einen ergreifenden Abschluss, dem ganz ohne Aufforderung eine Schweigeminute folgte.

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