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Die Stadtkapelle wird aller Terrorängste zum Trotz auch heuer wieder beim Einzug der Trachtler zum Oktoberfest dabei sein. archivfoto: Schlaf

Oktoberfest

Stadtkapelle hat Wiesn-Terror schon erlebt

Germering – Die Stadtkapelle wird trotz möglicher Terrorgefährdungen beim Einzug der Trachtler zur Wiesn mitmachen. Einige Mitglieder erinnern sich angesichts der aktuellen Diskussion an das Oktoberfest-Attentat von 1980 – die Stadtkapelle spielte damals im Bräuroslzelt.

 Heuer jährt sich das Oktoberfest-Attentat zum 36. Mal: Am 26. September 1980, um 22.19 Uhr, ging am Haupteingang zur Wiesn eine Bombe hoch. Der Anschlag gilt als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mitglieder der Stadtkapelle hatten noch kurz zuvor im Festzelt Bräurosl aufgespielt – viele der Germeringer Musikanten waren schon auf dem sicheren Heimweg in der S-Bahn, als sich der Terroranschlag ereignete. Einige waren aber noch auf der Wiesn geblieben.

Josef Nitsche ließ den Abend des 26. September 1980 noch im Festzelt ausklingen. Er erlebte als 32-Jähriger die Tragödie hautnah vor Ort mit. Kurze Zeit zuvor dirigierte er noch seine Musikanten im Festzelt. Kurz danach riss eine Rohrbombe, die in einem Papierkorb am Haupteingang explodierte, 13 Menschen in den Tod, 211 Menschen wurden verletzt, davon 68 schwer. Die Bilder des Attentats gingen um die Welt.

Nitsche hielt in dieser Nacht ein totes Kind im Arm. Noch 36 Jahre später schießen ihm die Tränen in die Augen, wenn er an diese Nacht denkt und davon erzählt, versagt ihm fast die Stimme. „Ich war gerade auf dem Heimweg und stand hinter der linken Säule des Haupteingangs, als die Bombe explodierte“, erzählt er. Die nächsten Minuten liefen wie ein Film vor ihm ab: Menschen liefen in alle Richtungen weg, leblose Körper lagen um ihn herum. „Ich konnte es in diesen Augenblicken gar nicht realisieren, was eigentlich passiert war.“

Die Bilder dieser Nacht verfolgen ihn noch heute. Während er sich an das Attentat von vor 36 Jahren erinnert, erzählt er: „Wir waren einen Tag vor dem diesjährigen Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum – wir hatten uns kurzfristig entschlossen, einen Tag früher dort hin zu fahren.“ Der Terrorakt am OEZ tags darauf rief bei ihm wieder die schlimmen alten Bilder der Vergangenheit in die Gegenwart zurück.

Wenn er heute das Oktoberfest besucht, was eher selten vorkommt, dann beschleicht ihn immer noch ein ungutes Gefühl. Die Terrorangst hat mit den jüngsten Vorkommnissen, insbesondere dem Anschlag vor dem Olympia-Einkaufszentrum, wieder zugenommen. Zwei Vereine weigern sich deswegen, am Wiesneinzug der Trachtler teilzunehmen, Buchungen von Tischen in den Festzelten wurden storniert.

Stadtkapellen-Trompeter Robert Baumgartner war schon auf dem sicheren Heimweg, als sich das Oktoberfest-Attentat ereignete. Damals war er 19 Jahre alt. „Wir haben fast jeden Tag auf der Wiesn im Bräuroslzelt gespielt “, erinnert er sich. Nach dem Anschlag löste die Stadtkapelle Germering den Vertrag mit Bräuroslwirt Heide-Volm auf. „Wir wollten und konnten danach nicht mehr dort spielen, viele hatten Angst und Bedenken.“ Der Wirt habe das damals zur Kenntnis genommen und kurzerhand die Schleißheimer Schlosspfeifer engagiert.

Seither spielt die Germeringer Stadtkapelle zwar nicht mehr in der Bräurosl, doch beim Trachteneinzug sind sie nach wie vor mit dabei. Auch heuer. „Die Terrorwarnungen von heute haben natürlich nichts mehr mit damals zu tun, auch wenn sich manche Mitglieder der Stadtkapelle noch daran erinnern. Wir ziehen zur diesjährigen Wiesn gerne mit ein und wir freuen uns auf den Umzug“, sagt Baumgartner.

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