Nur noch wenige Wochen, dann werden sie den letzten Kunden verabschieden und den Laden für immer schließen (v.l.): Claudia Doennecke, Elisabeth Keller und Inhaberin Helga Hnat.
+
Nur noch wenige Wochen, dann werden sie den letzten Kunden verabschieden und den Laden für immer schließen (v.l.): Claudia Doennecke, Elisabeth Keller und Inhaberin Helga Hnat.

Geschäftsaufgabe

Strickwarenzentrale schließt für immer

  • Klaus Greif
    VonKlaus Greif
    schließen

Vor acht Jahren, im Oktober 2013, hat eine Nachricht aus der Geschäftswelt für Aufregung gesorgt: Die Strickwarenzentrale, die damals seit über 50 Jahren in Germering und Fürstenfeldbruck Kurzwaren und Bekleidung verkaufte, schloss ihre Geschäfte. Der Firmeninhaber Hans-Dietrich Hofmann verabschiedete sich in den Ruhestand, einen Nachfolger hatte er nicht gefunden.

Germering – Einziges Überbleibsel der an der Friedenstraße residierenden Strickzentrale war die Kurzwaren-Dependance an der Otto-Wagner-Straße. Helga Hnat, die bis zur Geschäftsaufgabe von Hofmann bei der Strickwarenzentrale angestellt war, übernahm den Laden und durfte ihn unter dem bewährten Namen weiterführen.

Jetzt, acht Jahre später, hat Helga Hnat dasselbe Problem, wie ihr damaliger Chef. „Irgendwann ist Schluss“, sagt die bald 70-Jährige und kündigt ihren Ruhestand an. Geschäftsnachfolger hat auch sie keine gefunden. Ab dem 1. Oktober soll es noch einen dreiwöchigen Ausverkauf geben. Dann ist der Name Strickwarenzentrale endgültig Geschichte.

Strickwarenzentrale Germering: Wie eine eigene Welt

Wenn man den kleinen Laden an der Otto-Wagner-Straße betritt, befindet man sich in einer eigenen Welt. Stoffbahnen und aufgereihte Wollknäuel, Fäden und Garne in allen Farben und Stärken, Knöpfe und Gummis, Stricknadeln und Bügelflicken: Hier gibt es alles, was man zum Handarbeiten braucht. Lang wird sich dieses Bild nicht mehr bieten. Es ist das letzte Geschäft dieser Art in Germering und weit darüber hinaus.

Helga Hnat ist auf Umwegen zum Strickwaren-Metier gekommen. Wie ihre beiden Angestellten Claudia Doennecke und Elisabeth Keller hat sie etwas ganz anderes gelernt und ist 1981 als Quereinsteigerin zur Strickwarenzentrale gekommen. Fremd war ihr das Kurzwarengeschäft allerdings nicht: „Meine Mama hatte einen Handarbeitsladen.“ Außerdem habe sie schon immer gerne gestrickt, gestickt und genäht. Also habe sie vor mittlerweile 40 Jahren bei der Strickwarenzentrale den Versuch gestartet, ob ihr die Branche gefällt – und ist nicht mehr davon losgekommen.

Strickwarenzentale Germering: Arbeit hat immer Spaß gemacht

„Die Arbeit hat immer Spaß gemacht“, erzählt Helga Hnat rückblickend. Und ihre Noch-Mitstreiterinnen stimmen eindeutig zu. „Es ist schon ein Stück Wehmut dabei, wenn wir schließen,“ ergänzt Elisabeth Keller: „Der Laden war immer unser zweites Wohnzimmer.“

Die Strickwarenzentrale hat bis zuletzt von ihren Stammkunden gelebt, sagt Helga Hnat. Sie hat in den vergangen Jahren gemerkt, dass sich das Einkaufsverhalten in Germering geändert hat. Der Standort südlich der Friedenstraße sei mittlerweile zu stark vom Zentrum abgehängt. Das vor Jahren ausgegebene Ziel einer Einkaufsmeile Otto-Wagner-Straße sei nie erreicht worden.

Die Pandemie mit ihren Lockdowns hat das Geschäft natürlich auch getroffen. Im Großen und Ganzen habe man es aber ganz gut überstanden, sagt Helga Hnat. Die staatlichen Hilfen seien zuverlässig geflossen. Und die Tage nach dem ersten Lockdown seien die umsatzstärksten in den vergangenen 40 Jahren gewesen – vor allem auch, weil die vielen Kundinnen Materialien zum Nähen von Masken benötigten.

Vom 1. bis zum 23. Oktober soll nun alles verkauft werden, was noch im Laden ist. Sonderpreise werden diesen letzten Einkauf in einem örtlichen Kurzwaren-Geschäft attraktiver machen. Dann schließt Helga Hnat ihr Geschäft für immer.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare