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Taxifahrerin Renate Becker am Germeringer Bahnhof. Sie bewahrte eine 74-jährige Dame davor, auf einen besonders dreisten Trickbetrüger hereinzufallen. 

Der gute Engel

Taxifahrerin verhindert Enkeltrick

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Wohl dem, der Taxlerin Renate hat: Die 53-Jährige aus Gilching hat eine Rentnerin (74) aus Germering davor bewahrt, Trickbetrügern auf den Leim zu gehen – und wurde danach selbst bedroht. Die Dreistigkeit der Täter ist sogar der Polizei neu.

Germering/Gilching – Für Renate Becker gibt es nichts zu diskutieren. „Ich würde wieder ganz genauso handeln“, sagt die 53-Jährige aus Gilching im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Dabei geriet sie durch ihr couragiertes Handeln vorübergehend selbst in den Fokus der Kriminellen.

Es ist Freitag, 28. April. Nach längerer Pause fährt Renate Becker seit anderthalb Jahren wieder nebenberuflich Taxi für ein Germeringer Fuhrunternehmen. Gegen 14 Uhr nimmt sie einen Auftrag der Zentrale an. Sie soll eine Frau zu Hause in Germering abholen und zu einem Geschäft nach München-Sendling fahren.

Was zu dem Zeitpunkt weder sie noch die Zentrale wusste: Ein „Herr Müller“ hatte bei der Rentnerin angerufen und sie dazu gebracht, 900 Euro abzuheben und in die Türkei zu überweisen. Anschließend beauftragte er das Taxiunternehmen mit der Fahrt.

Renate Becker fährt mit ihrem Mercedes zur Wohnadresse. Die 74-Jährige steigt ein, schnell kommen die beiden ins Gespräch. „Es war zunächst nicht ungewöhnlich, weil es ja öfters vorkommt, dass wir ältere Herrschaften beim Einkaufen, beim Arztbesuch oder auch bei der Bank unterstützen.“ Je länger die Fahrt dauert, desto merkwürdiger kommt ihr aber die Geschichte vor, die ihr Fahrgast erzählt.

Dieser „Herr Müller“ nämlich habe sich als Patenkind der 74-Jährigen ausgegeben. Seine Mutter sei eine enge Freundin gewesen. Nun lebe er in der Türkei, sei arbeitslos und benötige dringend das Geld. Die 900 Euro hat die alte Dame in einem Umschlag bereits dabei. Sie soll es über eine Onlinegeldtransferfirma in die Türkei überweisen.

Am Ziel in der Boschetsrieder Straße schrillen bei Renate Becker endgültig alle Alarmglocken. Statt vor einer Bank stehen sie vor einem Call-Shop, der neben Handyverträgen und Snacks auch die Möglichkeit anbietet, über den Dienstleister Moneygram Geld weltweit zu versenden.

Renate Becker und ihr Fahrgast verlassen das Geschäft schnell wieder, gehen zurück ins Taxi. „Dann habe ich zu ihr gesagt: Ich habe den Eindruck, Herr Müller meint es nicht gut mit Ihnen“. Statt wieder ins Geschäft zu gehen, fahren die beiden Frauen zurück nach Germering – und dort schnurstracks zur Polizeiinspektion.

Noch ehe sie da sind, klingelt das Diensthandy im Taxi. Am anderen Ende der Leitung: „Herr Müller.“ „Ich habe ihn hingehalten“, berichtet Renate Becker. Aber der Betrüger lässt nicht locker. Sogar während die beiden Damen Anzeige erstatten, ruft er an und lässt sich sogar mit einem Polizeibeamten verbinden.

Andreas Ruch, stellvertretender Leiter der PI Germering: „Der Mann besaß sogar die Dreistigkeit, dem Beamten gegenüber zu äußern, er sei ein alter Bekannter der Seniorin und alles hätte seine Richtigkeit. Als Krönung fügte er noch die Aufforderung hinzu, dass sich die Polizei gefälligst aus dieser Angelegenheit heraushalten solle.“ Ein Vorgang, wie ihn Ruch und seine Kollegen noch nicht erlebt haben.

Die 900 Euro stellen die Polizisten auf jeden Fall sicher – zum Wohl der 74-Jährigen. „Man hat es fast körperlich gespürt, wie ihr ein Stein vom Herzen gefallen ist“, erzählt Becker. Der Anrufterror geht allerdings noch eine Zeit lang weiter. Noch am selben Tag meldet sich der Betrüger wieder über das Taxi-Handy, beschimpft Renate Becker und bedroht sie.

Am Tag darauf ruft er sogar ein weiteres Mal auf der Polizeiinspektion an und beschwert sich massiv darüber, dass die Polizei seiner Bekannten die Rente weggenommen habe. Mittlerweile haben die Beamten herausgefunden, dass die 74-Jährige zuvor bereits zwei Überweisungen über insgesamt 2000 Euro jn die Türkei getätigt hatte. Dank Renate Becker ist damit nun Schluss. Ihr Antrieb: „Ich möchte gerne in einer Welt leben, in der die Menschen aufeinander schauen.“

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