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„Es ist ein wunderbarer Ausgleich“: Daniel Wachter vor seinen beiden Dienstwagen.

Mediziner im Führerhaus

Trucker mit Lizenz zum Leben retten

Menschen helfen, Leben retten: Daniel Wachter ist Notarzt aus Überzeugung. Doch der Germeringer hat noch eine andere berufliche Leidenschaft. Als Chef einerKipper-Firma steuert er mit 40-Tonnern Baustellen an. Ein Wandel zwischen zwei Welten – die sich manchmal sogar überschneiden.

Germering – Wenn Daniel Wachter gerufen wird, geht es um Leben und Tod. Ob bei Verkehrsunfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen: Als Notarzt muss der Germeringer in Sekunden die richtigen Entscheidungen treffen. Bis zu 100 Mal rückt der 44-Jährige pro Monat mit seinem BMW aus, um Menschen in Germering und Umgebung zu retten. Ein harter Job. Tagtäglich ist er mit Leid und Tod konfrontiert. Doch die Arbeit als Notfallmediziner hat für Wachter auch schöne Seiten. „Wenn man etwa bei einem Unfall jemandem das Leben retten kann, ist das eine große Befriedigung – man geht mit einem guten Gefühl nach Hause.“

Doch das war nicht immer so. Als Assistenzarzt in einer Klinik fühlt sich Wachter vor acht Jahren vom Gesundheitssystem vergessen. Lange Schichten – manchmal bis zu 24 Stunden –, fehlende Unterstützung von Vorgesetzten und wenig Zeit für die Patienten stürzen den jungen Mediziner in eine Sinnkrise. „Ich war damals einfach nur frustriert“, sagt Wachter. Denn der Mediziner ist damals wie heute überzeugt: Im Gesundheitssystem gibt es eigentlich genug Ressourcen, um mehr Ärzte einzustellen.

An Weihnachten 2009 sitzt der damals 36-Jährige mit zwei Freunden zusammen. Die drei Kumpels haben eines gemeinsam: Sie alle haben einen Lkw-Führerschein, und alle teilen die Leidenschaft für schwere Lastwagen. Doch hinter dem Steuer eines Brummis saß zu diesem Zeitpunkt schon lange keiner mehr. Eigentlich schade, finden die Drei. Also entwickelt das Trio eine Idee: „Warum gründen wir nicht eine eigene Kipper-Firma?“

Es vergehen sieben Monate, dann steht der blau-rote MAN Vier-Achser vor ihnen. Wachter, mittlerweile als Notarzt mit Blaulicht im Landkreis unterwegs, sitzt jetzt auch regelmäßig hinter dem Steuer des 18 Tonnen schweren Brummis. Der Arzt und seine Freunde erweitern ihre Firma, jedes Jahr kommt ein neuer Lkw hinzu. Mittlerweile verfügen die „Kippermänner“, wie sie sich genannt haben, über einen stolzen Fuhrpark – und Wachter möchte den Wandel zwischen seinen beruflichen Welten nicht mehr missen. „Es ist ein wunderbarer Ausgleich“, sagt der Lastwagen-Fahrer mit der Lizenz zum Leben retten.

Dabei haben seine zwei Jobs mehr gemein als man denkt. „In beiden Fahrzeugen habe ich Blinklichter auf dem Dach – einmal blau, einmal orange“, sagt Wachter. Und in beiden Berufen bekomme man ein unmittelbares Feedback. Außerdem sei Teamarbeit gefragt – an der Unfallstelle mit den Sanitätern, auf der Baustelle mit Bauleitern oder Baggerfahrern. Und manchmal überschneiden sich die zwei Jobs auf skurrile Weise auch. Als Wachter einmal mit dem Lastwagen an einer Unfallstelle vorbeikommt, leistet er Erste Hilfe. „Da haben die Leute schon gestaunt, dass der Lastwagenfahrer plötzlich Infusionen legt“, erinnert sich der Trucker-Arzt.

Auch in seiner Funktion als Notarzt hat Wachter schon von seinem Zweit-Job profitiert. Als er zu einem Einsatz nach Fürstenfeldbruck gerufen wird, beordert er einen seiner Lkw-Fahrer zur Unfallstelle. Der ist nämlich ganz in der Nähe – und zufällig auch Sanitäter.

Tobias Gehre

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