Aktionstag am Volksfestplatz

Tulpenzwiebeln gegen häusliche Gewalt

Germering – Häusliche Gewalt gibt es auch in Germering. Darrauf macht der Facharbeitskreis gegen Gewalt an Frauen gestern mit der Aktion „Tulpen statt Veilchen“ aufmerksam: Am Wochenmarkt und vor dem Hagebaumarkt verteilten die Mitglieder Tulpenzwiebeln und besprachen mit Passanten die Problematik.

 Das örtliche Aktionsbündnis wollte mit der Aktion auf den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam machen und die Bevölkerung sensibilisieren. „Am Vormittag werden wir beim Markt überwiegend Frauen damit erreichen, abends wiederholen wir die Aktion beim Hagebaumarkt und hoffen natürlich, dort überwiegend Männer ansprechen zu können“, erklärte die städtische Gleichstellungsbeauftragte Renate Konrad.

Begleitend läuft am 25. November auch der Film „Festung“ im Cineplex-Kino und widmet sich diesem meist totgeschwiegenen Thema. Und wie seit Jahren schon sind vor dem Rathaus wieder Fahnen mit dem Motto „Frei leben ohne Gewalt“ gehisst worden. Sie machen drei Wochen lang auf die Problematik aufmerksam.

Polizeichef Jürgen Dreiocker und seine Kollegin Tanja Jelinek waren bei der Aktion auf dem Volksfestplatz ebenfalls mit dabei. Einsätze wegen häuslicher Gewalt spielen bei der Polizei nämlich durchaus eine nicht zu kleine Rolle. Allerdings konnte Jelinek mit einer halbwegs guten Nachricht aufwarten: „Die Einsätze haben im Vergleich zum Vorjahr nicht zugenommen.“ Waren es 2015 noch 77 Einsätze, sind es bis Ende Oktober 2016 71 gewesen.

Aufgrund der Schichtpläne sei es zwar nicht immer möglich, dass auch eine Polizistin bei solchen Einsätzen mit dabei ist, aber: „Die Fälle landen letztlich zur weiteren Bearbeitung auf dem Schreibtisch von Frau Jelinek“, berichtete Dreiocker. Im Monat werden sie zwischen fünf bis acht Mal zu Fällen häuslicher Gewalt gerufen, meist seien Alkohol oder Spielsucht die Auslöser, wenn die Männer ausrasten.

„Oft haben wir es mit Wiederholungstätern zu tun, die Frauen leben wegen der Finanzen oder Kinder in einer gewissen Abhängigkeit“, wusste Jelinek.

Marktbesucherin Hedwig Busch hatte von Margarete Reifinger von der Fraueninitiative Gefi ein Packerl mit der Tulpenzwiebel bekommen. „Ich hatte einen braven Mann und war Gott sei Dank nie von häuslicher Gewalt betroffen“, sagte die 85-Jährige. Wie Hans Engleitner (77), der seit 56 Jahren „glücklich verheiratet“ ist, kann sie die Taten nicht nachvollziehen. Engleiter sagte mit Überzeugung: „Häusliche Gewalt ist eine kriminelle Tat.“

Dass Männer sich nicht in der Gewalt hätten und statt dessen Gewalt ausüben, das ist für Engleitner völlig indiskutabel. Er würde auch sofort die Polizei rufen, wenn er so etwas in seiner Nachbarschaft oder in seinem Umfeld mitkriegen würde. „Das ist meines Erachtens noch nicht einmal Zivilcourage. Das gehört sich einfach, dass man da nicht wegschaut“, erklärte er weiter. (akk)

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