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Das Anwesen von Anton Schöttl war ein typischer Hof im 19. Jahrhundert. In seinem Vortrag beleuchtete Heimatforscher Fritz Drexler die Geschichte Unterpfaffenhofens. Mit historischen Aufnahmen belegte er unter anderem, dass schon die Altvorderen großen Wert auf Vereinsaktivitäten aller Art gelegt hatten und Feste zu feiern wussten

Vortrag über Unterpfaffenhofens Geschichte

Heimat-Historie sorgt für volles Haus

Wie lebten die Menschen im alten Unterpfaffenhofen? Woher stammen die Hofnamen?Heimatforscher Fritz Drexler hat recherchiert und die Ergebnisse nun vorgestellt.

Germering – Die Geschichte ihrer Heimat scheint für viele Germeringer ein hochinteressantes Thema zu sein. Das Interesse war so groß, dass das Stadtmuseum sogar an seine Kapazitätsgrenze stieß. „Wir mussten den Vortragssaal vor Beginn der Veranstaltung schließen und konnten aus Sicherheitsgründen keinen Einlass mehr gewähren“, entschuldigt sich Referent Fritz Drexler bei all jenen, die keinen Platz mehr fanden.

Unterstützung bekam Fritz Drexler (r.) von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl, der die Historie der alten Dorfkirche St. Jakob unter die Lupe nahm. Weil der Andrang zu der Veranstaltung so groß war, soll sie wiederholt werden. Ein Termin steht aber noch nicht fest.

Für diejenigen, die es bis ins Museum geschafft hatten, begann eine spannende Reise in die Vergangenheit ihrer Heimat. Drexler informierte in seinem reich bebilderten Vortrag über 30 alte Hofstellen im Altdorf und über Gehöfte in den Weilern Nebel, Wandelheim, Klessheim, Streiflach und Harthaus. Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl bereicherte die akribische Recherche Drexlers mit der Historie zur alten Dorfkirche St. Jakob.

Über zwei Jahre lang hat Drexler in Katastern und auf Höfen vor Ort nach Fotos und Namen gestöbert. Als Grundlage diente ihm das Grundsteuerkataster Unterpfaffenhofens aus dem Jahr 1864. „Auf dem Lande war es üblich, den Bauernhäusern einen Namen zu geben. Diese Haus- oder Hofnamen blieben unabhängig vom Besitzstand bestehen und sind teilweise heute noch im Gebrauch“, fasste Drexler zusammen. Oftmals wurden Vornamen, Familienkurznamen, Berufe oder Standorte für den Hofnamen gewählt. Teilweise ist die Herkunft solcher Namen nicht mehr eindeutig nachvollziehbar.

Doch so ziemlich allen Hofstellen war eines gemein: Das Zentrum eines Wohnhauses war die gute Stube, mitsamt Ofenbank und Herrgottswinkel. Dieser zentrale Raum war stets das wärmste Zimmer im Wohnhaus. Die Küchen hatten direkten Zugang zum Garten und im Außenbereich gab es Backhäuser und Waschkuchln. Für die Notdurft wurden Potschamperl unter die Schlafstatt gestellt, größere Geschäfte wurden im Herzerlklo, sprich im Plumpsklo, verrichtet.

Seinerzeit gingen die Altdorfler beim Schuhmachermeister und Kramerladen „Zum König“ einkaufen. Fritz Drexler hatte ein Exponat aus alter Zeit, eine Handarbeit in Form eines alten Skischuhs des damaligen Schusters, bei seinem Vortrag im Gepäck.

Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl informierte über die Bauphasen der St. JakobKirche. Der westliche Langhausteil entstand im 12. und 13. Jahrhundert aus Tuffsteinmauerwerk, im 15. Jahrhundert fügte man im gotischen Stil einen neuen Chorraum und den Turm an.

Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche modernisiert und erhielt eine barocke Gestalt, bevor sie um 1740 nach Westen verlängert und die Sakristei angebaut wurde. „1903 wurde sie erneut nach Westen verlängert und erhielt ihre heutige Gestalt“, so Guckenbiehl. Ein genaues Entstehungsdatum bleibt aber offen. Bei Renovierungen stieß man auf Hinweise, die eine deutlich frühere Datierung zulassen.

von Angi Kiener

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