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Gericht

Vater nimmt Sohn mit zum Holzdiebstahl

Den Verdacht, dass Holzdiebe am Werk sind, hegte ein Geisenbrunner Landwirt schon länger. Rund drei bis fünf Raummeter verschwanden alljährlich aus seinem Holzlager. Im September 2017 erwischte der Landwirt die Holzdiebe dann auf frischer Tat.

Germering/Geisenbrunn – Jetzt stand der Germeringer Verleger gemeinsam mit seiner 34-jährigen Freundin vor dem Starnberger Schöffengericht. Neben räuberischem Diebstahl und Diebstahl musste sich der 46-Jährige auch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie versuchtem gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr verantworten. Ein Vorwurf, den der Angeklagte keinesfalls hinnehmen wollte. Auch seine Freundin beteuerte in der Verhandlung ihre Unschuld.

Laut Anklage hatte sich der Verleger in Begleitung seines elfjährigen Sohnes im September 2017 fünf Holzscheite gegriffen. Ein aufmerksamer Nachbar notierte sich das Autokennzeichen und erkannte den geparkten KIA zwei Wochen später wieder. Diesmal war der Germeringer mit Freundin und Sohn unterwegs zur Geisenbrunner Holzhalle. „Die Leute kamen wieder holzbepackt vom Holzlager“, so der Nachbar.

Als der zwischenzeitlich informierte Landwirt und dessen Bruder am Tatort eintrafen, eskalierte die Situation. Die Holzdiebe luden unbeirrt die vollen Taschen in den Kofferraum und wollten sich auf keine Diskussion einlassen. Um den Germeringer am Wegfahren zu hindern, postierte sich der 36-jährige Bruder des Bauern vor den KIA, während der 42-jährige Landwirt hinter dem Pkw stand.

Ein gefährliches Unterfangen. Denn der Verleger gab immer wieder Gas und nötigte den Bruder des Geschädigten so zum Zurückweichen. „Drei bis sechs Mal ist er immer ein Stückchen nach vorne gefahren. Ich bin immer ein Stückchen nach hinten geschoben worden und habe mich auf die Motorhaube gestützt“, so der 36-Jährige. Als der Angeklagte stärker aufs Gas drückte, blieb dem Bruder des Landwirtes nichts anders übrig, als sich sportlich über die Motorhaube abzurollen. „Sie haben das Auto als Waffe benutzt“, erklärte Richterin Christine Conrad.

Das Verfahren gegen die 34-Jährige konnte gegen eine Geldauflage von 200 Euro eingestellt werden. Im Falle des Angeklagten gab sich die Justiz zunächst alle Mühe, dem 46-Jährigen ein ehrliches Geständnis abzuringen. Umsonst. Minuspunkte brachte im Prozessverlauf nicht nur der dreiste Holzklau. Auch die laut Gericht „nicht zu beseitigende fehlende Einsicht des Angeklagten“ stimmte die Justiz alles andere als milde.

Entsprechend deutlich die Quittung: Das Schöffengericht verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und ordnete eine Geldauflage von 6000 Euro an. Ab sofort darf sich der Germeringer auch nicht mehr hinters Steuer setzen. Die verhängte Führerscheinsperre beträgt zwei Jahre, die Bewährungszeit drei Jahre. Bedenkt man den geringen Schaden von nur 20 Euro, so kommt das bisschen Brennholz den zweifachen Vater teuer zu stehen. Für den Landwirt heißt es aufatmen. Laut Auskunft des 42-Jährigen ist seit September 2017 kein Holz mehr verschwunden.  nh

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