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Autofrei und naturnah präsentiert sich das Kreuzlinger Feld zurzeit. Dabei soll es auch nach der Bebauung bleiben, meint der Umweltbeirat.

Umweltbeirat Germering

Vision vom autofreien Neubaugebiet

  • Klaus Greif
    vonKlaus Greif
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Der Umweltbeirat bringt Bewegung in die Diskussion um die geplante Bebauung des Kreuzlinger Felds. Die künftigen Bewohner sollen demnach freiwillig auf ein Auto verzichten. Die Planung soll komplett auf Tiefgaragen und Parkplätze verzichten.

Germering – Das Kreuzlinger Feld liegt zwischen der Bahnlinie und der Alfons-Baumann-Straße. Es ist eines der letzten großen unbebauten Areale im Stadtgebiet. Im Januar stellte ein Investor im Stadtrat Pläne vor, nach denen hier bis zu 1000 neue Wohnungen für rund 2000 neue Einwohner, Grundschule, Kindergarten, Hort und Krippe, Betreutes Wohnen und ein Supermarkt entstehen sollen. Gegen die massive Bebauung und die zu erwartende Verkehrsbelastung gab es heftige Proteste von Anwohnern. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften.

Der Umweltbeirat wurde ebenfalls aktiv, suchte nach Lösungen. Das Ergebnis stelte der Vorsitzende Herbert Krause jetzt in der ersten Sitzung nach der Sommerpause vor: Am Kreuzlinger Feld soll ein Modellprojekt „Wohnen ohne Auto“ realisiert werden. Damit könnte Germering in Zeiten des Klimawandels ein Zeichen setzen, sagte Krause anschließend im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Das Konzept sei allen Stadträten zur Verfügung gestellt worden – in der nächsten Sitzung des Stadtrats am Dienstag, 25. September, 18 Uhr, steht der Punkt „Rahmenplanung Kreuzlinger Feld“ auf der Tagesordnung.

Das Konzept „Wohnen ohne Auto“ ist in mehreren Sitzungen von einer sechsköpfigen Gruppe des Beirats ausgearbeitet worden. Demnach erfüllt das Kreuzlinger Feld mit der geplanten Bebauung alle Anforderungen, um auch ohne Auto auszukommen.

Die Busanbindung an das Gebiet sei jetzt schon gut und könne mit geringen Änderungen optimiert werden. Die diskutierte neue Fahrradstraße würde am neuen Wohngebiet beginnen und könnte dem Konzept zufolge bis zum Freibad und Eisstadion verlängert werden.

Auch die Nahversorgung sei der bisherigen Planung zufolge gesichert. Ein Versorgungszentrum soll ebenso entstehen wie Kinderbetreuungseinrichtungen und eine neue Grundschule. Gymnasium und Realschule gibt es schon in unmittelbarer Nachbarschaft.

Aus Sicht des Umweltbeirats könne nur ein Konzept „Wohnen ohne Auto“ die zu erwartenden Verkehrsprobleme lösen. Die Vorstellungen des Investors, der sämtliche Stellplätze in einer riesigen Tiefgarage nachweisen will und im Gebiet selbst auf Erschließungsstraßen verzichtet, löse die Probleme nicht: „Auf den Zu- und Abfahrtswegen ist dann mit Stau zu rechnen.“ „Wohnen ohne Auto“ sei dagegen ein Beitrag, um den Zuzug von Menschen nach Germering in ökologische Bahnen zu leiten.

Weiter heißt es, dass das Konzept nachhaltig und umweltfreundlich sowie zukunftsweisend sei: „Untersuchungen zeigen, dass der heutigen Jugend wie auch Bewohnern in urbanen Gebieten das Auto nicht mehr so wichtig ist. Weiterhin kann durch die Digitalisierung von überall gearbeitet werden.“

Sollte das Konzept umgesetzt werden, müsste man Krause zufolge potenzielle Käufer und Mieter darauf hinweisen, dass es auch in der näheren Umgebung des Baugebiets keine Parkplätze gibt. Immerhin könnte man ihnen das durch eine höhere Wohnqualität und einen geringeren Kaufpreis schmackhaft machen: Der Verzicht auf eine Tiefgarage würde aus Sicht von Krause je Wohnung mindestens 25 000 Euro weniger beim Kaufpreis bedeuten.

Die Beiräte billigten das Konzept fast einhellig. Ein Mitglied sprach sogar von einer Sternstunde des Gremiums.

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