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In den Schaltern der Zulassungsstelle in Fürstenfeldbruck werden viel mehr An- und Abmeldungen bearbeitet als beim Bau des Gebäudes vorgesehen.

Erweiterte Zuständigkeit

München blockt ab: Vision von zweiter Zulassungsstelle in Germering geplatzt

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Wer im Landkreis ein Kfz anmelden will, braucht oft viel Geduld. Eine zweite Zulassungsstelle in Germering sollte Abhilfe schaffen. Doch dieser Plan scheiterte nun – und zwar unter anderem an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Stadt München.

Germering / Fürstenfeldbruck – Zu teuer, zu viel Aufwand, zu wenig Nachfrage: Das sind vereinfacht gesagt die Ergebnisse einer Untersuchung der Landkreis-Verwaltung. Die SPD und in Folge davon auch die CSU hatten gebeten, die Gründung einer eigenen Kfz-Zulassungsstelle in Germering zusätzlich zur bestehenden in Fürstenfeldbruck zu prüfen und gegebenenfalls weiter zu verfolgen.

„Wir hätten es für eine gute Idee gehalten, wenn es wirtschaftlich gewesen wäre“, kommentierte Landrat Thomas Karmasin im Kreisausschuss, wo das Papier der Verwaltung vorgelegt wurde. Die jetzt getroffene Einschätzung könne sich aber wieder ändern, wenn die Stadt München – wie es bereits diverse andere Verwaltungseinheiten in Oberbayern getan haben – dem Zulassungsverbund („erweiterte Zuständigkeit“) beitreten würde.

Dann könnten Kunden beispielsweise aus dem Münchner Westen (Stichwort Freiham) nach Germering kommen und dort viele Vorgänge erledigen, was viele wohl auch täten. Damit stiege die Kundenzahl, und die Chance auf einen wirtschaftlichen Betrieb wäre größer.

Doch die Landeshauptstadt hat dem Beitritt eine klare Absage erteilt. Eine Teilnahme an der erweiterten Zuständigkeit sei aufgrund anderer vorrangiger Projekte (etwa Fahrverbot für Dieselfahrzeuge) derzeit und auch für die nächsten Jahre keine Option, heißt es von Seiten Münchens. „Manchmal erlebt man die Situation, dass ein Antrag gut war, aber die Realität dann eben eine andere ist“, kommentierte Peter Falk für die SPD. Ohne Wirtschaftlichkeit und ohne Kunden aus München sei eine neue Stelle nicht sinnvoll. Jetzt gelte es, die bestehende in der Brucker Hasenheide umzubauen.

Einzig der Germeringer Kreisrat Alfred Streicher (UBV) führte Zweifel an der Entscheidung ins Feld. Die negative Beschreibung sei nicht beweisbar, sagte er. Die Stelle wäre sinnvoll. Nur er stimmte am Ende gegen den Beschluss, auf die neue Stelle derzeit zu verzichten.

Im Detail führt die Kreisverwaltung auf, dass die Einrichtung einer Zweigstelle in Germering allein vier Millionen Euro an Investitionskosten verschlingen würde. Dazu kämen laufende Kosten von rund 720 000 Euro im Jahr. Die Mehreinnahmen (etwa durch Verbund-Kunden aus Gilching, Gauting oder Planegg) lägen geschätzt aber nur bei 345 000 Euro. Außerdem biete eine Zweigstelle nicht automatisch einen besseren Service. Entscheidender Faktor sei die Personalstärke, die bei Ausfällen in einer kleineren Zweigstelle kaum aufrecht zu erhalten sei. Dann drohten Schließungen. Dazu komme das Service-Zentrum im Landratsamt, wo man ja Teile der Zulassungsvorgänge ebenfalls jetzt schon erledigen kann.

Wie aus einem Papier der Kreisverwaltung auch hervorgeht, werden die existierenden Online-Angebote kaum angenommen. Das liege wohl daran, dass die hierfür nötige Online-Funktion des Personalausweises bisher wenig Akzeptanz finde. Überhaupt seien bei den Online-Angeboten viele Dinge ungeklärt.

Nun ist geplant, die bestehende Kfz-Zulassungsstelle in der Brucker Hasenheide umzubauen. Hintergrund ist die Feststellung der Kommission „Betrieblicher Gesundheitsschutz“, dass die bauliche Situation sich dort belastend auf die Mitarbeiter auswirke. Der Wartebereich soll daher von den Schalterplätzen weg verlegt werden. Gleichzeitig sollen auch weitere Schalterplätze entstehen. Für die CSU zeigte sich Hans Seidl (Maisach) trotzdem überzeugt, dass der Online-Betrieb zunehmen werde.

Zahlen

Im Jahr 2016 hatte der Landkreis 216 857 Einwohner. Rund 159 000 Fahrzeuge waren in diesem Zeitraum in der Region zugelassen. Insgesamt wurden rund 63 000 Vorgänge am Schalter der Zulassungsstelle bearbeitet. Im Service-Zentrum im Landratsamt werden jährlich rund 11 300 Kfz-Vorgänge erledigt. Das Haus in der Brucker Hasenheide wurde ursprünglich für 24 Mitarbeiter gebaut, fussend auf einem Fahrzeugstand von rund 90 000. Zu Beginn des Jahres 2017 belief sich die Zahl der Mitarbeiter auf 41. 2014 und 2015 gab es Optimierungen am Gebäude. Räume für Hintergrundsachbearbeiter wurden geschaffen und ein Besprechungsraum. Der Brandschutz wurde verbessert

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