Stadtbibliothek

Von der Bücher-Tankstelle zum Lern-Ort

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Der Siegeszug des Internets und die Digitalisierung von Medien wirkt sich auch auf die Stadtbibliothek aus. Die Verleihzahlen von herkömmlichen geht seit Jahren zurück. Im Gegenzug entwickelt sich das Haus auch dank des WLAN-Angebots immer mehr zu einem Lernort und kulturellen Treffpunkt.

Germering – Die Zahl der analogen Medien – dazu zählen neben den Büchern auch CDs, DVDs, Software und Brettspiele – der Stadtbibliothek liegt seit Jahren relativ konstant bei rund 53 000. Hinzukommen rund 14 000 digitale Medieneinheiten wie E-Books. Die Verleihzahlen sind aber insgesamt jedes Jahr leicht zurück gegangen. Im Jahr 2011 wurden 299 517 Entleihungen registriert, 2017 waren es nur noch 260 043. Diese Zahlen präsentierte Bibliotheksleiterin Christine Förster-Grüber jetzt bei ihrem Jahresbericht im Hauptausschuss des Stadtrates.

Während bei den analogen Medien die Verleihzahlen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken sind, sind sie bei den E-Medien um 19 Prozent gestiegen. Allerdings ist auch im digitalen Bereich nicht alles im grünen Bereich. Die Bibliothek müsse bei den Verlagen Lizenzen für digitalen Lesestoff bezahlen, die zeitlich begrenzt seien. Noch gravierender wirke sich aber die tatsache aus, dass die Verlage E-Books erst sechs Wochen nach Neuerscheinung zum Verleih freigebe. Das schreckt viele potenzielle Leser ab. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, meinte Förster-Grüber.

Wie ein Fels in der digitalen Brandung steht übrigens ein sehr traditionelles Angebot: Brettspiele sind in der Bibliothek nach wie vor ein Ausleih-Hit. Dennoch bietet die Bücherei nach längeren internen Überlegungen seit dem vergangenen Jahr auch Spiele für Konsolen wie Nintendo oder X-Box an. Vor allem Elf- bis 20-Jährige hätten immer wieder danach gefragt, so Förster-Grüber. Trotz einer speziellen Mediensicherung sei es da aber zu Diebstählen gekommen. Jetzt werden die Spiele nur noch auf Nachfrage an der Theke herausgegeben.

Beunruhigt sei sie wegen der allgemeinen Entwicklung nicht, sagte Christine Förster-Grüber: „Ich bin da ganz gelassen.“ Es sei ganz einfach so, dass sich Bibliotheken generell verändern. Früher hätten sie wie eine Tankstelle funktioniert, zu der man nur gegangen sei, um den leeren Büchertank wieder aufzufüllen. Jetzt sei die Verweildauer der Besucher im Haus stark gestiegen. Schüler und Studenten nützen die Bibliothek immer öfter als Lernort oder Treffpunkt. Vor allem das kostenlose WLAN-Angebot locke viele an. Dem Trend sei man mit der Schaffung der „LernBOXX“ entgegen gekommen. Dieser abgeschlossene Lernbereich ist im Untergeschoss als Raum-im Raum-Konstruktion errichtet und im Januar eingeweiht worden. Bis zu zwölf Personen können hier nach Anmeldung gemeinsam bis zu vier Stunden lernen. Es gibt mehrere Stromanschlüsse für Laptops und WLAN. Die „LernBoxx“ – die falsche Schreibweise ist bewusst gewählt, um aufzufallen – wird sehr gut angenommen, zog Förster-Grüber eine erste Zwischenbilanz. Auch der offene Lernbereich im Obergeschoss der Bibliothek sei nach wie vor sehr beliebt.

Unabhängig vom Verleihgeschäft hat sich die Bibliothek in den vergangen Jahren auch zu einem kulturellen Treff entwickelt. Dieser Trend soll Förster-Grüber zufolge fortgesetzt werden: „Wir wollen als zentrale offene Einrichtung weiter offen für alle Bevölkerungsgruppen sein.“ Dazu gehören die Vermittlung von Lese- und Medienkompetenz für Kinder, zahlreiche Angebote im Ferienprogramm und auch die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule bei kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten.

Das Erkennen gesellschaftlicher Entwicklungen und die Reaktion darauf ist aus Sicht der Bibliotheksleiterin ebenfalls ein wichtger Aspekt des Hauses. So ist man beispielsweise seit Jahren Mitveranstalter des interkulturellen Treffs und spielt auch sonst eine wichtige Rolle in der Integration von Migranten. Diese kann ab Juni noch intensiviert werden: „Wir haben eine ehrenamtliche Helferin mit Arabisch als Muttersprache gewinnen können,“ erzählte Christine Förster-Grüber den Stadträten.

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