Der Wahnsinn ist ihm ins Gesicht geschrieben: Emila Kafitz (r.) als Macbeth mit Nicole Weilhamme r als Banquo. foto: weber

Carl-Spitzweg-Gymnasium

Der Wahnsinn des Macbeth fesselt auch auf der Schulbühne

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 Wenn eine Schultheatergruppe es wagt, Shakepeares Macbeth zu inszenieren, ist das äußerst mutig. Wie soll man Hexen in schottischen Gewitternächten, Schlösser mit Burghöfen, Festsäle, Grotten und Schlachtfelder mit Wäldern und Ebenen auf eine Schulbühne zaubern? 

Germering–Wo findet man Schauspieler, die schwierigste Texte in ausufernden Monologen bewältigen und dabei auch noch echt rüber kommen? Die Oberstufentheatertruppe des Carl-Spitzweg-Gymnasiums unter der Leitung von Petra Gewald hat gezeigt, wie es geht. Und zwar eindrucksvoll. An (leider) nur zwei Abenden – mehr geben die schulinternen Terminpläne nicht her – begeisterten 24 Schauspieler und drei Musikerinnen die Besucher in der vollen Aula.

Die Herausforderungen des Bühnenbildes bewältigten Schüler und Regisseurin ganz einfach mit einer kühlen Sachlichkeit. Die Bühne wird mit unterschiedlich hohen Elementen in drei Ebenen unterteilt, Accessoires gibt es so gut wie keine – außer einiger Sitzkisten und eines Thrones, wenn benötigt, sowie eines von der Decke hängenden Kessels, wenn die drei Hexen auftreten, gibt es wenig zu sehen. Lichteffekte und vor allem die kontinuierlichen musikalischen Einsprengsel von Klavier (Johanna Stroer), Kontrabass (Alice Cugat Schoch) und Trompete (Kathrin Freiwald) sorgen stattdessen für die notwendigen Stimmungen – die sind bei Shakespeares blutgetränktem Drama um Macht, Schuld und Sühne vorwiegend düster bis bedrohlich. Die Schauspieler, allen voran Emil Kafitz als Macbeth, tun das ihre, um die Zuschauer in diesen Sog zu ziehen.

Im Drama geht es kurz gesagt darum, dass dem schottischen Fürst Macbeth nach siegreicher Schlacht im 11. Jahrhundert von drei Hexen prophezeit wird, er werde König werden. Getrieben von seiner Frau Lady Macbeth (Claire Oldendorf) mordet er den König, der eine Nacht zu Gast auf seinem Schloss weilt. Mit diesem einem Mord ist es nicht getan. Um seine Macht zu sichern, lässt der neue König mögliche Konkurrenten und auch deren Familien abschlachten. Er wird mehr und mehr zum Tyrannen – gleitet aber auch mit Lady Macbeth immer mehr in den Wahnsinn ab. Auch weil beide immer wieder von übernatürlichen Mächten – Hexengöttin Hekate (Anna Stäger) und den drei unheimlichen Schwestern (Leonie Bühler, Alexandra Kriese, Pauline Dietz) – heimgesucht werden.

Eine zweite Prophezeiung der Hexen lässt Macbeth dann im irren Glauben verweilen, niemand könne ihm was anhaben: Er werde erst fallen, wenn sich der Wald von Dunsinam zu seinem Schloss hin bewege. Außerdem könne er nur von einem Mann getötet werden, der nicht von seiner Mutter geboren worden sei.

Beide Prophezeiungen erfüllen sich dann auf für den Tyrannen nicht geglaubte Art und Weise: Die gegen ihn anrückende Armee des englischen Königs tarnt sich mit Ästen des besagten Waldes. Und Macduff, der Macbeth letztlich niederstreckt, wurde nicht geboren, sondern aus dem Leib der Mutter herausgeschnitten.

Emil Kafitz schlüpfte in die Rolle des Macbeth, als wäre es seine zweite Haut. Als Zuschauer musste man zuweilen Angst um sein Seelenheil haben. Nicht weniger eindrucksvoll war es, dass auch die anderen Hauptdarsteller ihre langen Texte – es reihte sich fast schon ein Monolog an den anderen – fehlerfrei und meist im genau richtigen Duktus sprachen. Alleine das war schon eine Meisterleistung.

Unbedingt nennen muss man noch zwei Rollen, die es so im Original nicht gibt: Die von Macbeth beauftragten Mörder (Emanuel Castro und Tim Hilberg) brachten ein komödiantisches Element in die Inszenierung, die das Grauen und den Wahnsinn immer wieder mal kurz in den Hintergrund treten ließen. Das war wohltuend skurril – auch wenn die größten Lacher ausgerechnet bei der Erdolchung einer Mutter und ihres Kindes ausgelöst werden.

Die Darsteller:

Auf der Bühne standen neben den im Text erwähnten noch Nicole Weilhammer, Sabrina Wenzel, Camille Bitenc, Dominik Palme, Florian Eberle, Patrick Hielscher, Karolina Meier, Kathrin Freiwald, Isabella Frank, Stefanie Pantke, Nicole Rath, Nico Florow, Olivee Lang, Pauline Schmidberger, Han Dao und Benita Karbaum. Sarah Müller war als Regieassistentin mitverantwortlich.

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