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Claudia und Günter Sohr geben auf. Ihr in der Königsberger Straße liegendes Geschäft Musik Sohr schließt zum 31. März. Der gesamte Warenbestand wird mit Preisnachlässen von 20 bis 70 Prozent verkauft. 

Geschäftsaufgabe

Das war’s: Musik Sohr schließt für immer

Die Ladenmieten steigen, Einkaufskonditionen für Einzelhändler verschlechtern sich, viele Kunden legen ihre Einkäufe in den virtuellen Warenkorb von Internet- anbietern. Auch deswegen schließt wieder ein örtliches Fachgeschäft. Musik Sohr macht am 31. März dicht.

Germering– Das Kaufverhalten der Kunden hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Das spürte auch der seit über 35 Jahren in der Königsberger Straße ansässige Familienbetrieb Musik Sohr immer deutlicher. „Werbesprüche wie ,Geiz ist geil’ oder der Zwang, alles im Internet zu vergleichen, führen seit vielen Jahren dazu, dass sich Kunden zusehends umorientieren“, sagt Claudia Sohr (47). Selbst Musiker oder Lehrer vor Ort gingen immer öfter den schnellen, virtuellen Weg: „Sie bestellen im Internet, statt ortsansässige Händler zu fragen oder uns bei Bestellungen zu berücksichtigen“, sagt die Geschäftsfrau.

„Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen“, betont Claudia Sohr. Viele langjährige Kunden und Lehrkräfte der Musikschulen, die teilweise schon in der zweiten Generation die Beratung und den Reparaturservice im Fachgeschäft Sohr zu schätzen wüssten, hielten ihnen die Treue. Aber das hat letztlich nicht mehr gereicht.

So einen Laden zu führen, sei auf die Dauer nur mit der Unterstützung von Familie und Freunden zu stemmen, erzählt Claudia Sohr. „Meine Eltern haben mich immer tatkräftig unterstützt, genauso wie weitere Helfer bei Reparaturen oder Klavierstimmungen“, sagt die Geschäftsinhaberin. Im Jahr 2010 hat sie Musik Sohr übernommen. Gegründet haben den Laden ihre Eltern Günter und Christine im Jahr 1982. „Wir haben diese Aufgabe immer geliebt und das Geschäft mit Freude und Elan geführt, aber letztlich müssen wir auch eine realistische Kalkulation im Kopf behalten und entsprechend handeln“, resümiert die 47-Jährige.

Per E-Mail hat sie ihre Stammkundschaft über die Schließung informiert und darauf hingewiesen, dass der Warenbestand mit Rabatten von 20 bis 70 Prozent abverkauft wird. Immerhin: „Unsere klassischen Gitarren von Hanika und Alhambra verkaufen sich sehr gut, auch Kindergitarren gibt es noch zum günstigen Preis und noch viele weitere Angebote mehr.

Claudi Sohr sagt auch, dass ihr Laden nicht der einzige mit Problemen sei: „Andere Musikalienhandlungen beschäftigen sich ebenfalls mit dem Gedanken der Schließung.“ Der Entschluss, endgültig aufzuhören, fällt ihr und ihrem Vater Günter nicht leicht. „Trotz allem war es eine wunderbare Zeit und wir möchten uns ganz herzlich für die lange Verbundenheit und Treue unserer Kunden bedanken“, sagen sie. Günter Sohr schiebt einen Satz nach: „Wir haben es halt einfach gerne gemacht.“

Neben neuen Instrumenten bot Musik Sohr in all den Jahren auch günstige gebrauchte Instrumente für Ein- oder Wiedereinsteiger an. Dabei haben die Sohrs nicht nur geschäftlich mit Musik zu tun, sie spielen auch selbst. Günter Sohr ist seit rund 30 Jahren als Gitarrenlehrer bei der Volkshochschule tätig. Zumindest das wird so bleiben. (akk)

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