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Vor dem Landgericht in München

Wegen Impfung: Mitarbeiter der Stadt verklagt Amtsarzt

Manchmal ist für Cenk B. jeder Tag ein Kampf. „Nur mit Morphium halte ich die Schmerzen aus. Ich komme ohne Betäubungsmittel oft nicht einmal aus dem Bett raus“, sagt der in der Türkei geborene 38-jährige Germeringer. 

Germering – Seit Jahren leide er unter diversen Symptomen – etwa „extreme Gelenkschmerzen“ oder sogar Lähmungen. Er könne kaum noch schwer heben, sich oft nur schwer konzentrieren, sei Monate lang krank geschrieben gewesen. „Es geht mir sehr schlecht.“

Cenk B. glaubt den Ursprung seiner Beschwerden zu kennen: Im Januar 2013 war der Mann, der am Germeringer Bauhof arbeitet, beim Arzt. Er habe sich zuvor bei der Arbeit an etwas Rostigem geschnitten, seine Chefin habe ihn deshalb zum Amtsarzt geschickt, erinnert er sich: „Ich wollte mich gegen Tetanus impfen lassen.“ Doch ohne ihn darüber aufzuklären, habe ihn der Arzt auch gleich gegen Hepatitis A und B geimpft. Er sei an ein und demselben Tag nicht nur gegen diese beiden Seuchen und Tetanus, sondern zugleich auch gegen drei weitere Krankheiten sowie den von Zecken verbreiteten FSME-Virus geimpft worden.

In den folgenden Tagen und Wochen habe er massive Beschwerden gehabt. „Ich musste in der Zeit ein heftiges Medikament nehmen“, so Cenk B. Er sei auch mehrere Wochen in der Klinik gewesen, habe viel zu hohe Entzündungswerte gehabt. Der Deutsch-Türke hat nach eigenen Angaben auch dem Arzt mitgeteilt, dass er unter „heftigen Gelenkschmerzen“ leide. Er habe dem Mediziner im April sogar gesagt, dass er mehrere Wochen in der Klinik gelegen habe. Der Arzt habe ihm aber dennoch im Mai die Auffrischungs-Impfungen verabreicht.

Cenk B. ist sich sicher: „Es ist ein Impfschaden.“ Deshalb verklagt er den Arzt vor dem Münchner Landgericht II. Mit seiner Anwältin Susanne Steinbach forderte er  bei Prozessbeginn 75 000 Euro Schmerzensgeld sowie Schadensersatz in noch zu bestimmender Höhe. Der Amtsarzt sei seiner Aufklärungspflicht nicht nachgekommen. Zudem sei die Auffrischung erfolgt, obwohl er unter akuten Beschwerden gelitten habe.

Der Arzt bestreitet vor Gericht die Vorwürfe. Die Hepatitis A- und B-Impfung sei angekündigt gewesen. Er habe den Patienten auch ausführlich über mögliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber oder Gliederschmerzen aufgeklärt, sagt der Mediziner.

Allgemein treten solche Nebenwirkungen zwar selten auf, doch prinzipiell sollen Patienten wegen möglicher Risiken beispielsweise Sport oder Alkohol einige Zeit vermeiden. Der Kläger habe zwar beim Folge-Impftermin im Mai gesagt, er habe ein paar Tage Beschwerden gehabt, sagt der Arzt. Doch er habe ihn gefragt, ob er dennoch geimpft werden wolle. „Er sagte Ja“, erinnert sich der Mediziner. Auch habe er gefragt, ob Cenk B. gesund sei, was dieser auch bejaht habe.

Das Gericht will nun einen Gutachter beauftragen. Zudem sollen ärztliche Atteste eingeholt werden – das Verfahren wird wohl frühestens Ende April fortgesetzt. (Tobias Lill)

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