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Bei der großen Feier der Walpurgisnacht hexten auch die Leiterin der Stadtbibliothek, Christine Förster-Grüber (l.), und ihre Mitarbeiterinnen mit. 

Walpurgisnacht

Wenn die Bibliothek zum Blocksberg wird

Gruselige Geschichten, Sagen, Legenden und Harfenklänge: Die Stadtbibliothek hat sich anlässlich der Walpurgisnacht in ein Hexenhaus verwandelt. Dabei ist diese Nacht eigentlich einer Heiligen gewidmet.

Germering – Fast beschwörend greift Silvia Hein mit ihrer Hand in die Luft, so als wollte sie das Publikum einfangen. Das muss genau hinhören, denn in der Walpurgisnacht gibt es in der Stadtbibliothek kein Mikrofon. Der Wirkung der Sagen und Geschichten, die Hein in die untergehende Sonne hineinträgt, nutzt das nur.

Man spürt ihr Talent für Schwingungen, für Mythen. Auch Lydia Mergens tut das: „Ich bin noch ganz verzaubert“, flüstert die 45-jährige Besucherin ehrfurchtsvoll. Es passt für sie, dass Hildegard Lörler die Geschichten mit einer Koto-Harfe musikalisch untermalt. „Das hat mich fast hinausgetragen auf den Blocksberg“, lächelt die aus Aubing in die Stadtbibliothek gekommene Mergens. Als Schulmädchen sei sie durch Bibi Blocksberg zum Thema gekommen. „Aus kindlicher Neugier ist dann Interesse geworden“, sagt die 45-Jährige noch. Daher wisse sie, dass das Thema vielschichtig ist. Hexen seien nicht nur die bösen Zauberinnen, sondern weise Heilerin. Im Hexenkostüm oder zumindest mit Hut ist Mergens allerdings nicht gekommen, wie fast alle. „Man kann sich auch so der Stimmung hingeben.“

Veronika Stöckl, in der Stadtbibliothek für den Bereich Kinder und Jugendliche zuständig, bestätigt, dass die Besucherin damit doppelt im Trend liegt. „Figuren wie Bibi Blocksberg und Harry Potter öffnen die Türe zum Thema“, weiß sie aus Erfahrung. Die Kinofilme seien da sehr förderlich, aber auch die guten Ausleihzahlen solcher Bücher würden das belegen.

Dass sich eher Frauen und Mädchen dem Thema Hexen nähern, überrascht Stöckl nicht. Bei der Walpurgisnacht für Kinder zwischen acht und elf Jahren, die am Nachmittag stattfand, waren zwölf von 14 Teilnehmern Mädchen. Und auch am Abend, bei den Erwachsenen, ist das weibliche Geschlecht recht deutlich in der Überzahl. Stöckl hat auch erfreut zur Kenntnis genommen, dass die Kinder Hexen und Mystisches nicht allein auf die Filmfiguren reduzieren. „Die wussten recht gut über den Ursprung dieser Nacht Bescheid“, so Stöckl.

Etwa, dass die Walpurgisnacht ein in Nord- und Mitteleuropa gefeiertes Fest ist. Es ist der Heiligen Walburga gewidmet, einer Äbtissin, die in England von 710 bis 779 lebte und wirkte. Deren Gedenktag wurde im Mittelalter am 1. Mai zelebriert, die neun Tage davor wurden als Walpurgistage gefeiert. Aus den Beschreibungen des Hexensabbat in der Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts stammt die Vorstellung, dass sich die Hexen in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai auf erhöhten Orten wie dem Blockberg treffen. Mit dem Blocksberg ist allerdings in erster Linie der Brocken im Harz gemeint. (hk)

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