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Miriam Thurau (l.) und Chiara Norbach ließen sich von Jara (8) durch den Blindenparcours führen.

Inklusionstag in der Stadthalle

Wenn kleine Hürden den Alltag erschweren

Germering – Zum Diskutieren, Erleben und Mitmachen forderte der Inklusionstag in der Stadthalle auf: Unter dem Motto „Vielfalt erleben“ konnten die Besucher Filme zum Thema Inklusion, also der Einbindung Behinderter in das Alltagsleben, ansehen oder mit Betroffenen diskutieren.

Auch der Blick über den eigenen Tellerrand war gefragt: Die Besucher konnten erleben, wie es sich anfühlt, blind oder auf den Rollstuhl angewiesen zu sein. Organisiert hatte den Inklusionstag die Organisation „Dreirat“ in Zusammenarbeit mit der Münchner Hochschule. Veranstalter war der Landkreis. Die Besucher waren auch aufgefordert, Anregungen einzubringen, damit der zu erstellende Aktions- und Teilhabeplan des Kreises zur Inklusion gelingt.

„Wir sind ganz begeistert von diesem Aktionstag“, sagte Ilse Oberloher von der Selbsthilfegruppe Blindenbund. In Germering komme man als sehbehinderter Mensch recht gut zurecht. Insbesondere freut sich Elisabeth Chemnitz, dass die Ampeln am Kleinen Stachus jetzt Akustiksignale haben, dass kaum Zeitungsständer im Weg stehen und es viele behindertengerechte Toiletten im Stadtgebiet gibt.

Landrat Thomas Karmasin meisterte den Rolli-Parcours, doch: „Das ist ganz schön anstrengend, man glaubt gar nicht, was eine kleine Schwelle ausmacht“, sagt er.

Landrat Thomas Karmasin testete den Rollstuhlparcours und setzte sich zum ersten Mal in seinem Leben in einen Rolli: „Es ist ganz schön anstrengend und man glaubt gar nicht, was eine kleine Schwelle ausmacht; da bekommt man eine ungefähre Ahnung von den kleineren und größeren Hürden im Alltag, es war eine interessante Erfahrung“, sagte er nach seiner Runde.

Insa Wolf und Anina Henne nahmen in einem Sport-Rollstuhl Platz und versuchten sich im Basketball. Jan Wimmer vom Universitätssportclub München wies sie ein. „Rückwärtsfahren ist sehr irritierend“, meinte Anina Henne. Der Rollstuhl sei aber erstaunlich wendig. Aus dieser Perspektive den Ball in den Korb zu werfen, empfanden beide als recht anstrengend: „Das ist eine völlig andere Perspektive“, sagte Henne.

Bei Petra Weber, Kreisreferentin für Gleichstellung, Integration und Migration, durften die Besucher ihre Wünsche und Empfindungen auf eine große Tischdecke schreiben. „Es ist erstaunlich, wie sich hier unterschiedlichste Betroffenheiten ausmachen lassen“, sagte sie.

Lisa, Lea und Sophie sind durch ihr P-Seminar am Carl-Spitzweg-Gymnasium auf den Aktionstag aufmerksam gemacht worden. „Wir haben spontan beim Inklusions-Gospelchor mitgemacht, das Thema ist sehr interessant und begeistert uns“, waren sich die drei einig.

Afra Höck (l., Dreirat e. V.) im Gespräch mit Ilse Oberloher (r.) und Elisabeth Chemnitz (3. v. r.) vom Blindenbund: „Das ist eine tolle Veranstaltung.“

Wie es sich anfühlt, blind zu sein, testeten Miriam Thurau und Chiara Norbach. „Das ist ja gruselig, wenn man keinen Raum um sich hat“, meinte Norbach nach wenigen Schritten mit der Augenbinde. Beim „Gefühlsmemory“ mussten die beiden verschiedene Lebensmittel ertasten, schnell nahmen sie auch die Nase zu Hilfe. „Der Blindenparcours spricht alle Sinne an, viele fühlen sich orientierungslos und erleben ein richtiges Gefühlswirrwarr“, erklärte Coretta Slaby-Farzin von der Münchner Hochschule. In der Blackbox der Stadthalle wurden zahlreiche Filme zum Thema präsentiert, darunter auch Zusammenschnitte mit verschiedenen Bürgermeistern des Landkreises, Umfragen und Interviews.

von Angi Kiener

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