Ein großer Künstler setzt sich zur Ruhe: Werner Schneyder (r.) begeisterte in der Stadthalle mit seinem musikalischen Wegbegleiter Christoph Pauli. 

Stadthalle

Werner Schneyder: Stehende Ovationen zum Abschied

80 Jahre und kein bisschen müde. Werner Schneyder, neben seinem verstorbenen Freund Dieter Hildebrandt eine der Legenden des deutschsprachigen Nachkriegs-Kabaretts, gab in der Stadthalle ein umjubeltes Abschieds-Gastspiel in zwei Akten. 

Germering – Abschied deswegen, weil er sich nach eigenem Bekunden nach diesem Jahr von der Bühne zurückziehen wird. Und von zwei Akten muss man sprechen, weil der Wiener Gentleman zwei grundverschiedene Programme bot.

Vor der Pause legte der scharfsinnige Beobachter und Analytiker von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Finger in so manchen offene liegende Wunde der Kapitalismus-Gesellschaft. Da wetterte er wortgewaltig und mit reichlichem Zynismus gegen die Profitgier von Managern und gegen Hedgefonds, die er als zu Heuschrecken mutierte Schmeißfliegen bezeichnete.

Aktuelle Themen durften natürlich auch nicht fehlen. Zum Brexit der Briten aus der EU fiel ihm ein, dass die europäische Gemeinschaft für immer mehr Länder zu teuer wäre: „Die Schweiz könnte sich die EU noch leisten – aber die verzockt ihr Geld lieber selber.“

Auch Martin Schulz bekam sein Fett weg: „Der erhitzt die Luft schon beim Einatmen.“ Überhaupt die SPD: Die habe sich vor Jahren unter Gerhard Schröder den linken Flügel ausgerissen und drehe sich seitdem im Kreise.

Schneyder präsentierte all dies in ungewohnter Form. Satirischen Wortspielen folgten in schöner Regelmäßigkeit Chansons mit ebenso politischem Inhalt – beispielsweise das Lied von den Sachzwängen. Kongenial begleitet wurde er dabei vom langjährigen muskalischen Wegbegleiter Christoph Pauli am Flügel.

Höhepunkt des ersten Aktes war eine Nachdichtung ganz nah am Original des berühmten Eingangsmonologs in Goethes Faust. Darin nahm Schneyder wunderbar und eindrucksvoll das Expertentum auf die Schippe, das ihm so zuwider ist.

Der zweite Akt stand dann ausschließlich im Zeichen der Musik. Werner Schneyder gab zahlreiche seiner inhaltlich oft sehr persönlichen Chansons zum besten und bewies dabei, dass er auch ein feinsinniger Poet und durchaus gewaltiger Sänger ist. Wenn er dann am Ende eines langen Abends ab und zu unterbrechen und den Text nachlesen muss – „Ich bin doch müde geworden“ –, verzeiht ihm das Publikum gerne und spendet sogar Sonderapplaus. Und nach der ersten und einzigen Zugabe erheben sich die Besucher und verabschieden sich mit stehenden Ovationen von einem großen Künstler.  kg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Live-Ticker: Stimmen in der Region Fürstenfeldbruck werden ausgezählt
Wann gibt‘s die ersten Ergebnisse in der Region Fürstenfeldbruck, Germering, Olching und Puchheim? Wie haben unsere Wähler abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und …
Live-Ticker: Stimmen in der Region Fürstenfeldbruck werden ausgezählt
Puchheimer Autofahrer mit 1,08 Promille gestoppt
Obwohl er getrunken hatte, ist ein Puchheimer am Freitag mit dem Auto gefahren. Die Polizei stellte seinen Führerschein sicher.
Puchheimer Autofahrer mit 1,08 Promille gestoppt
Lkw streift Auto – Außenspiegel ab
Zu nah an einem Auto ist ein Lkw-Fahrer am Freitag in Fürstenfeldbruck vorbeigefahren. Er streifte den Wagen und fuhr dabei den Außenspiegel ab. 
Lkw streift Auto – Außenspiegel ab
Porsche beschädigt: Germeringer Polizei sucht Parkrempler
Einen Porsche Boxter hat ein Unbekannter am Parkplatz des Germeringer Golfplatzes angefahren. Danach machte sich der Täter einfach aus dem Staub.
Porsche beschädigt: Germeringer Polizei sucht Parkrempler

Kommentare