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Wie die Bomben nach Germering kamen

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Von: Sabine Kuhn

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Viele Sprengkörper landeten auf unbewohntem Gebiet. Auf diesem Luftbild, das die US-Amerikaner im April 1945 aufgenommen haben, erkennt man die – teils mit Wasser gefüllten Krater – die explodierte Bomben gerissen haben. Hellere Flecken markieren Blindgänger, die bereits damals entschärft wurden. Die vielen großen Einschläge oben im Bild waren in etwa auf dem Areal des heutigen Germeringer Sees. Der Straßenzug vom linken Bildrand zur Bildmitte ist die heutige Dorfstraße, in deren Bereich jetzt bei Gartenarbeiten eine Bombe gefunden wurde. Etwas weiter links und etwas weiter unten ist das Altdorf Unterpfaffenhofen zu erkennen, im rechten unteren Bilddrittel die Baracken der Zwangsarbeiter-Siedlung, heute Dornierstraße. 	Bildquelle: Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung
Viele Sprengkörper landeten auf unbewohntem Gebiet. Auf diesem Luftbild, das die US-Amerikaner im April 1945 aufgenommen haben, erkennt man die – teils mit Wasser gefüllten Krater – die explodierte Bomben gerissen haben. Hellere Flecken markieren Blindgänger, die bereits damals entschärft wurden. Die vielen großen Einschläge oben im Bild waren in etwa auf dem Areal des heutigen Germeringer Sees. Der Straßenzug vom linken Bildrand zur Bildmitte ist die heutige Dorfstraße, in deren Bereich jetzt bei Gartenarbeiten eine Bombe gefunden wurde. Etwas weiter links und etwas weiter unten ist das Altdorf Unterpfaffenhofen zu erkennen, im rechten unteren Bilddrittel die Baracken der Zwangsarbeiter-Siedlung, heute Dornierstraße. © Geobasisdaten: Bayerische Vermessungsverwaltung

Die Aufregung war groß, als ein Mann im Altdorf bei der Gartenarbeit auf eine Weltkriegs-Bombe stieß. Der Sprengkörper konnte entschärft werden, ohne dass jemand zu Schaden kam. Inzwischen ist ein anderer Aspekt in den in den Vordergrund gerückt: die Frage nach dem historischen Zusammenhang des Fundes.

Germering – Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es auf dem Gebiet der heutigen Stadt Germering die Dörfer Germering (dessen Dorfstraße im Nazi-Regime „Adolf-Hitler-Straße“ hieß), Unterpfaffenhofen – und die kleinere Siedlung Harthaus. Die Bevölkerung in den Gemeinden hatte nicht so unter dem Bombenhagel der alliierten Streitkräfte zu leiden, wie die im nahen München. Ungeschoren kamen Menschen und Gebäude aber auch nicht davon.

Auch interessant: Mann findet Bombe, als er im eigenen Garten arbeitet: „Wir sind dann sofort weg“

Das nahe Reichsbahnausbesserungswerk in Neuaubing, das Tanklager Richtung Krailling, der Flugplatz in Oberpfaffenhofen und die Bahnstrecke ließen Germering und Unterpfaffenhofen in den Fokus der Bomberpiloten rücken. Möglicherweise war auch das Lager für Zwangsarbeiter, das an der heutigen Dornierstraße aufgebaut wurde, in dieser Hinsicht relevant.

Blindgänger von beiden Seiten

Ganz sicher spielten drei Flak-Stellungen (Flak steht für Flugabwehrkanone) – eine davon zwischen Germering und Puchheim-Ort – eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zur Flugabwehr gedacht, waren diese oft selbst Ziel von Angriffen. Zudem konnte es passieren, dass Flakgeschosse, die eigentlich feindliche Flugzeuge treffen sollten, auf den Boden fielen und erst dort explodierten, beziehungsweise als gefährliche Blindgänger liegen blieben.

Der schlimmste Luftangriff

Die Flugabwehrstellung bei Puchheim-Ort war selbst oft Angriffsziel für die Bomber der alliierten Luftstreitkräfte. 	Foto: mm archiv
Die Flugabwehrstellung bei Puchheim-Ort war selbst oft Angriffsziel für die Bomber der alliierten Luftstreitkräfte. © mm

Den wohl schlimmsten Luftangriff erlebte Germering am 7. Januar 1945. „Einige Luftminen gingen cirka 800 Meter außerhalb der Ortschaft nieder“, schrieb der damalige Unterpfaffenhofener Pfarrer in einem Bericht kurz nach Kriegsende. Im Ort brannten demnach drei Bauernhäuser völlig aus, viele andere Gebäude wurden schwer beschädigt. Nach den offiziellen Meldelisten der Gemeinden wurden in Germering und Unterpfaffenhofen mindestens 14 Wohnhäuser komplett zerstört, darunter das Gut Streiflach. Die Ausgebombten mussten sich andere Unterkünfte suchen.

Wer konnte, versuchte Häuser und Wohnungen zu reparieren. Aber Dachziegel, Fensterglas, Holz für Türen, Schlösser und so weiter gab es nur nach offizieller Zuteilung. Die Bürger meldeten ihren Materialbedarf dem Bürgermeister. Der ließ alles in langen Listen aufnehmen und meldete den Bedarf weiter ans Landratsamt.

Einige dieser Papiere liegen bis heute im Stadtarchiv – zusammen mit den Verpflichtungen, mit denen Handwerker dazu verdonnert wurden, die Schäden zu reparieren. Genaue Berichte, wie viele Tote und Verletzte die Luftangriffe forderten, gibt es nicht. Bekannt ist aber, dass ein Mädchen zu Tode kam, weil die Wucht einer Detonation es aus einem Fenster im ersten Stock schleuderte. Auch die Besatzungen mehrerer Flugzeuge, die in Germering abstürzten, starben. Ein Deutsches Flugzeug stürzte am Tag des schlimmsten Luftangriffes auf die Kriegerstraße. Sechs US-Soldaten, deren Flugzeug ebenfalls über Germering abstürzte, wurden beim Friedhof St. Martin begraben.

Gotteshaus zweimal schwer getroffen

Hart getroffen hat es auch immer wieder öffentliche Gebäude – zum Beispiel die Schule und die Kirche St. Jakob in Unterpfaffenhofen samt Pfarrhaus. Zweimal wurde das Dach des Gotteshauses bei einem Luftangriff völlig abgedeckt. Jedes Mal zerbrachen auch die Fenster. Nach der Bombardierung am 7. Januar im eiskalten Kriegswinter 1945 mussten Gläubige und Pfarrer bei den Gottesdiensten bitter frieren. Die Gemeinde lauschte von der Sakristei aus dem Priester, der am Altar ausharrte. Etwas Erleichterung brachte es, als die Fenster wenigstens mit Holz- und Betonplatten notdürftig geflickt und das Dach einigermaßen wasserdicht abgedichtet werden konnte.

Bombenkrater voller Wasser

Viele Sprengkörper, die die Bomberpiloten abwarfen, landeten auch auf den Wiesen und Feldern rund um die Dörfer. Kurz nach Kriegsende haben die Amerikaner Luftbilder genacht. Auf denen sind die Bombenkrater deutlich zu erkennen. Vielleicht wegen der Flakstellungen waren die Einschläge nördlich des Dorfes etwa auf dem Gebiet des heutigen Sees besonders häufig. In einigen sammelte sich Wasser. Auch heute noch wird erzählt, dass manch Jugendlicher damals in einem solchen Krater das Schwimmen lernte.

Bis heute ist Vorsicht geboten

In den Wiesen und Feldern landeten auch Blindgänger. Diese waren in der Regel leicht zu finden. Sie wurden spätestens nach Kriegsende entschärft. Es blieben die nicht explodierten Sprengkörper, die in Gärten und Häusern landeten. Bis heute, so erklärt Stadtarchivar Guckenbiehl werden Großbaustellen sicherheitshalber daraufhin untersucht. vor alllem wenn Spundwände eingetriebenwerden müssen.

„Aber natürlich lässt das nicht jeder machen, der ein Einfamilienhaus baut.“ So sei es auch nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft weitere Blindgänger auftauchen. Vorsicht sei weiterhin geboten. Das zeige nicht zuletzt der Vorfall in München im Dezember 2021. Bei Bahnbauarbeiten stieß ein Bagger auf eine 250 Kilo Bombe. Sie explodierte. Drei Arbeiter wurden teils schwer verletzt.

Erinnerung an dunkle Zeiten

Ein Relikt der Flak-Stellungen bei Germering ist im Übrigen im Stadtmuseum zu bewundern: Eine Eisenkonstruktion, auf der das Gerät montiert war, mit dem die Flugbahn der Geschosse berechnet wurde. Sie wird heute Flak-Computer genannt. Ein Bauer war beim Pflügen immer wieder gegen das mysteriöse Metall gestoßen. Die Historiker konnten das Rätsel lösen. Mit viel Mühe wurde das schwere Teil schließlich geborgen. Heute erinnert es an eine dunkle Zeit, die auch den Menschen in Germering Tod, Leid und Elend brachte.

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