Vortrag über die Geschichte Unterpfaffenhofens 

Wie ein Hof seinen Namen bekommen hat

Fritz Drexler hat die Geschichte des Altdorfes Unterpfaffenhofen im 19. Jahrhundert recherchiert. Dafür wühlte er in alten Katastern und befragte Hofbesitzer. Nach zwei Jahren akribischer Arbeit hat er Mitgliedern des Heimatpflegevereins seine Ergebnisse in einem Bildervortrag präsentiert. Über einen Ort im Wandel und vergessene Hofnamen.

Germering – Wenn der Heimatpflegeverein zur Mitgliederversammlung lädt und keine Wahlen anstehen, dann überlegt sich die Vorstandschaft, wie sie ihre Mitglieder zum jährlichen Treffen locken kann. Heuer konnte man den Dritten Vorsitzenden Fritz Drexler gewinnen, einen Vortrag zu halten. „Es gibt über Unterpfaffenhofen zwar mehrere gute Heimatbücher, aber das Altdorf mit allen Höfen und den damals üblichen Hofnamen war bisher nicht vollständig erfasst“, sagte Drexler zu Beginn seines Vortrags im Kramerwirt.

Zeitreise ins Altdorf

Es war eine Zeitreise ins Unterpfaffenhofener Altdorf des 19. Jahrhunderts, welche die Zuhörer erlebten. Damals gab es im Ort 30 landwirtschaftliche Anwesen, eine Kirche und ein Gemeindehaus.

Drexler befasste sich auch mit der Geschichte der Weiler Nebel, Wandel- und Klessheim sowie Streiflach. Er wertete den Katasterstand aus dem Jahr 1864 aus und stellte mit Hilfe eines alten Ortsplanes das Altdorf vor. Sein Ziel: Die teilweise in Vergessenheit geratenen Hofnamen in Erinnerung zu rufen und einen Überblick über die Urzelle des Altdorfs zu verschaffen.

Bis heute wurden die alten Hofstellen, die überwiegend im 19. Jahrhundert erbaut wurden, zwar mehrfach umgebaut, doch die Baukörper prägten bis in die 1950er-Jahre das Ortsbild. „Die Hofbesitzer kamen mir sehr entgegen und stellten mir altes Bildmaterial zur Verfügung“, sagte er.

Warum gibt es eigentlich Hofnamen?

Wie kam es zu den alten Hofnamen, die zum Teil bis heute verwendet werden? „Wenn ein Bauer ‚nur‘ Töchter hatte, änderte sich mit der Heirat der Hoferbin der Familienname und der alte Name wurde zum Hofnamen“, so Drexler. Beispielsweise befindet sich der Hof vom Haimerschuster, auch „Da Hoama“ genannt – damals Haus 10, heute Alte Kirchstraße 3 – seit über 300 Jahren im Besitz der Familie Hötzl. Das ehemalige Haus 3 hingegen, das „Straßmeßnergütl“, wurde 1705 erstmals erwähnt und ist seit der Eheschließung von Lorenz Naßl und der Witwe Rosina Schöttl (1941) im Besitz der Familie Naßl. „Damals gab es kein Dorf ohne Schmiede.“ Das Anwesen mit der Nummer 14, das Altschmiedgütl, zeugt von dieser Tradition. Der Hof lag damals an einem Dorfweiher.

Botschamperl und Waschkuchl

Alle Höfe hatten eine Gemeinsamkeit: Die „gute Stube“ war mit ihrer offenen Ofenstelle das wärmste Zimmer – die Kuchln der alten Gemäuer hatten direkten Zugang zum Garten. Bei den meisten Hofstellen gab es im Außenbereich Backhäuser und Waschküchen. Für die kleine Notdurft wurden nachts Haferl, so genannte Botschamperl, unter die Schlafstätte gestellt. Größere Geschäfte verrichtete man im Plumpsklo außerhalb des Hauses.

Der diesjährige Treffpunkt des Heimatvereins, der Kramerwirt, war früher eine Kramerei mit dem Hofnamen „Bäck“ – erst 1875 wurde das Gasthaus angebaut. Auch beim Schuhmachermeister und Kramerladen „Zum König“ ging man einkaufen. Drexler hatte sogar einen original Skischuh mitgebracht, eine Handarbeit aus damaliger Produktion.

Die Weiler und Vereinsumtriebe

Drexler berichtete auch über die Germeringer Weiler. Dabei wurde deutlich: Nebel ist fest in der Hand von Maiers: Hier leben und lebten Ober-, Mitter-, Nieder-, Neu- und Langmaiers.

Mit historischen Aufnahmen belegte Drexler die Aktivitäten von Schützen-, Burschenverein und der Feuerwehr. Oder aber die Umtriebe des Ludwig Klotz, der damals die Faschingszüge mit liebevoll gestalteten Wagen bereicherte. Damit das Leben der Altvorderen nicht in Vergessenheit gerät, will Drexler seinen Vortrag im Herbst im Heimatmuseum wiederholen. (akk)

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