Erst Jahre nach der Stichwahl war der Streit zwischen Rudi Bay (r.) und Peter Braun, der ihm 1991 als Bürgermeister der Stadt im Amt folgte, vergessen.

40 Jahre Gebietsreform

Wie aus zwei Gemeinden eine wurde

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Am 1. Mai vor 40 Jahren wurden Germering und Unterpfaffenhofen zu einer der größten Gemeinden in Bayern zusammengefasst. Im Vorfeld hatte es heftige politische Auseinandersetzungen gegeben.

Germering– Knapp über 33 000 Einwohner hatte die neue, durch die Gebietsreform von 1978 entstandene Kommune. Das Fürstenfeldbrucker Tagblatt berichtete in seiner Ausgabe vom 2. Mai 1978 von einem denkwürdigen Rundgang durch das Germeringer Rathaus. Es war der erste Tag der Amtszeit von Rudi Bay (UBG) als Bürgermeister der neuen Großgemeinde. Er hatte sich am 12. März in einer Stichwahl gegen seinen späteren Nachfolger Peter Braun (SPD) durchgesetzt.

„In Begleitung des bisherigen Stellvertreters von Germering, Martin Strobl, stellte sich Bürgermeister Rudi Bay als neuer Hausherr in den einzelnen Abteilungen des Germeringer Rathauses vor. Rudi Bay verzichtete auf das wiederholte Angebot des bisherigen Bürgermeisters Peter Braun, der sich bereiterklärt hatte, seinen Nachfolger in der Verwaltung offiziell einzuführen“, schrieb das Tagblatt damals. Bay wurde weiter mit den Worten zitiert: „Ich habe das Gefühl, dass mich die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Germeringer Verwaltung gut und freundlich aufgenommen haben.“

Die Gebietsreform war in Politik und Bevölkerung umstritten

Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn die vom Land beschlossene Gebietsreform war in der Bevölkerung umstritten. Sie hatte vor allem auch im kommunalpolitischen Bereich für erhebliche Spannungen gesorgt. Die Ortschronistin Irmgard Langewiesche beschreibt dies ausführlich in ihrem 2014 erschienenen Band „Germeringer Ortsgeschichten“. Die Autorin ist mit dem Thema bestens vertraut, weil sie 1978 selbst Akteurin war: Sie war damals Ortsvorsitzende der FDP. Und als solche war sie mittendrin in den Vorgesprächen und Verhandlungen, wer wen auf dem Weg zum Bürgermeisterposten der neuen Kommune unterstützt.

Bis zur Gebietsreform standen beide Einzelgemeinden unter der Führung von SPD-Politikern. Rudi Bay regierte in Unterpfaffenhofen, Peter Braun in Germering. Das Problem war laut Langewiesche, dass jede Partei nur einen Bürgermeisterkandidaten aufstellen durfte. „In der SPD-Nominierungsversammlung wurde heftig gestritten. Bei der Abstimmung unterlag der gelernte Zimmermann Bay dem Juristen Braun“, schreibt die Ortschronistin.

Keiner der beiden bisherigen Bürgermeister wollte weichen

Bay fand sich aber damit nicht ab. Er trat aus der SPD aus, gründete die Unabhängige Bürgergemeinschaft UBG (Volksmund: „Unser Bay gewinnt“) und trat bei der Wahl an, die im März 1978 über den künftigen Bürgermeister entscheiden sollte. Der CSU-Kandidat Martin Strobl schied aus, schreibt Langewiesche. Weil aber Braun keine absolute Mehrheit erreichte, kam es zwei Wochen später zur Stichwahl. Die CSU unterstützte Rudi Bay öffentlich. Der UBG-Kandidat gewann die Wahl und blieb bis zum Jahr 1991, dem Jahr der Stadterhebung, im Amt. Er starb im November 2010.

Mit der Stichwahl war der Kampf um das Rathaus allerdings noch nicht beendet. Das Ergebnis wurde angefochten, weil in Unterpfaffenhofen unzulässig viele Briefwahlunterlagen ausgegeben wurden. Der Beschwerde wurde stattgegeben. Ein Jahr später, so Langewiesche, kam es zur erneuten Stichwahl: „Nach einem Jahr Amtszeit gewann Bay nun deutlich.“

Ortsgeschichte zum Nachlesen

Die „Germeringer Ortsgeschichte(n)“ sind in den örtlichen Buchhandlungen zu haben. Verkauft werden sie auch jeden Sonntag im Stadtmuseum Zeit+Raum.

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