Es geht weiter: Die Tafeln in Bad Tölz und Kochel geben weiterhin Lebensmittel aus. symbolFoto: DPA
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Die Tafel versorgt derzeit wöchentlich rund 400 Kunden. Bei der Germeringer Tafel registriert sind etwa 1000 Personen.

Germering

Trotz Corona: „Wir von der Tafel halten durch“

  • vonHans Kürzl
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Am Ostersonntag waren es genau zehn Jahre, dass Jürgen Quest die Germeringer Tafel an der Planegger Straße 9 leitet.

Im Gespräch beschreibt er ein Jahrzehnt voller Engagement und Hilfestellung für derzeit wöchentlich rund 400 Kunden. Bei der Germeringer Tafel registriert sind etwa 1000 Personen.

Jürgen Quest feierte eine Art Dienstjubiläum.

Wenn Sie an Ihren Start denken – was haben Sie besonders in Erinnerung?

Räumlich war es beengter, als es jetzt der Fall ist. Trotzdem haben wir es immer wieder geschafft, den Menschen zu helfen. Es waren aber auch noch nicht so viele, die die Unterstützung der Tafel benötigt haben. Was sich nicht geändert hat: Wir sind froh, wenn wir den Ansturm am Dienstag geschafft haben. (Der Tag, an dem die Tafel geöffnet hat).

Wir – das sind wie viele?

Insgesamt haben wir 80 Helferinnen und Helfer. Das klingt nach viel, aber die brauchen wir auch – ungefähr 30 Leute je Woche: Zum Prüfen, ob die Leute berechtigt sind, zum Einsammeln der Lebensmittel in den Geschäften, zum Sortieren, Portionieren, Verpacken und zum Ausgeben der Waren.

Benötigen Sie denn weitere Helfer?

Nein. In Corona-Zeiten wollen wir darauf verzichten. Es sollen da keine Fremden in das Team. Da bitten wir um Verständnis, dass wir uns ein wenig schützen wollen.

Was haben Sie in Zeiten der Pandemie noch festgestellt?

Dass die Leute im Schnitt unzufriedener geworden sind. Zur Corona-Krise kommt noch die eigene persönliche Situation. Das macht den einen oder anderen schon ungeduldiger.

Da bekommen Sie sicher viele persönliche Lebensgeschichten mit?

Das ganz sicher. Aber die darf man nicht zu nah an sich heranlassen. Seit ich bei der Tafel bin, halte ich es so, dass ich die Probleme nicht mit nach Hause nehme. Das war mit meiner Frau so abgesprochen. Auch wenn ich gerne helfe, braucht es diesen Abstand.

Hilft die Tafel dann trotzdem auch mal außer der Reihe?

Selbstverständlich. Ich hatte zum Beispiel eine Dame, die wird demnächst 83 Jahre alt. Sie hat sich zum Geburtstag etwas Süßes oder Blumen gewünscht. Da versucht man gerne, so einen Wunsch zu erfüllen.

Ihr Ausblick auf die kommenden Wochen und Monate?

Es wird sich wenig ändern und wohl so laufen wie das ganze Jahr 2020. Die Tafelkunden brauchen unsere Unterstützung. Uns allen macht die Tafelarbeit auch trotz Corona sehr viel Freude. Ich kann versprechen: Wir von der Tafel halten durch.

Interview: Hans Kürzl

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