Ihr Werkzeug haben sie immer griffbereit, wenn sie als Feldgeschworene im Einsatz sind (v.l.): Der neu vereidigte Feldgeschworene Roland Günter, Roland Linn (stellvertretender Obmann) und Hans Schmid (Obmann). foto: Kiener

Berufs-Porträt

Feldgeschworene: Sie wissen, wo die Grenzen sind

Germering - Sie gehen zwar nicht dem ältesten Gewerbe der Welt nach, wohl aber dem ältesten bayrischen Ehrenamt: die Feldgeschworenen. Die „Siebener“, wie sie auch genannt werden, kümmern sich um die Sicherheit der Grenzsteine.

Auf Germeringer Flur sind derzeit fünf Feldgeschworene im Dienst der Allgemeinheit und in Sachen Grenzstein-Sicherung ehrenamtlich unterwegs. Kürzlich wurde Günter Roland als neuer Feldgeschworener vereidigt. In ihrem Ehrenamt unterstützen die Siebener die akribische Arbeit der Vermessungsingenieure. Und zwar immer dann, wenn es gilt, neue Grenzlinien festzulegen und zu markieren. Oder alte Markierungen ausfindig zu machen.

Hans Schmid ist Obmann der Germeringer Feldgeschworenen. Er wurde schon vor 22 Jahren in diesem altehrwürdigen Amt vereidigt und nach so langer Zeit als Siebener kennt er, wie er scherzhaft anmerkt, fast jeden Grenzstein Germerings höchstpersönlich. „Als ich 1993 in Rente ging, wurde ich recht schnell als Feldgeschworener angeworben“, erinnert sich der 87-Jährige.

Diese spezielle Auslese in Sachen Feldgeschworener findet in der Regel in den eingeschworenen Reihen statt. Und von wegen Ruhestand: „Es gab Zeiten, da war ich fast täglich in Sachen Grenzen unterwegs“, erzählt Obmann Schmid. Allein im Gebiet am Parsberg rund ums Schusterhäusl, Richtung Nebel, hat Schmid über 100 Grenzsteine gesetzt. In den 1990er-Jahren wurden zudem viele Grundstücke geteilt, sprich: „Da gab’s immer viel zu tun als aus kleinen Eigenheimen mit großen Gärten Doppelhaushälften oder Dreispänner wurden.“

Die Termine für die Arbeiten teilt das Vermessungsamt mit. Im Bauwagen der Stadt wird das nötige Werkzeug angeliefert. Die Grenzsteine aus Granit sind 50 bis 60 Zentimeter lang, messen zwölf mal zwölf Zentimeter und wiegen ungefähr so viel wie ein Kasten Bier. Müssen neue Steine gesetzt werden, kommen Schaufel, Pickel und Handbagger zum Einsatz. Hin und wieder müssen auch Stoßstange, Flex oder Bohrmaschine herhalten.

Ob ein Rohr, ein Stein, oder nur ein Nagel im Asphalt eine neue Grenze markiert, ist der jeweiligen Umgebung oder dem Untergrund geschuldet. Am Kleinen Stachus beispielsweise zeugen rund 30 Zeichen – in diesem Fall sind es Nägel – von den jeweiligen Abgrenzungen. Der Name Siebener kommt übrigens vom Siebener-Geheimnis. Siebener sind die früher geheim gehaltenen unterschiedlichen Zeichen aus Ton, Glas oder Metall, mit denen die Grenzen markiert wurden.

Natürlich nennen die Feldgeschworenen keine Namen, wenn es darum geht, über Grenzstreitereien zwischen Nachbarn zu berichten. Schließlich wollen sie als vereidigte Siebener bloß bittschön keine weiteren Streitereien vom Zaun brechen. „Manchmal geht’s nur um drei Zentimeter entlang einer Grundstücksgrenze und dann merkt man schon, dass Nachbarn oft nicht die besten Freunde sind“, wissen die Feldgeschworenen.

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes eine „eingeschworene Gemeinschaft“. Schließlich eint sie letztlich eines: „Es ist ein Amt auf Lebenszeit, und wir dürfen es nicht aufgeben, bis dass der Tod uns scheidet.“ Letztlich müssen alle Beteiligten unterschreiben, wenn eine Vermessung abgeschlossen ist.

Liefen die Feldgeschworenen früher noch mit Metermaß oder Zollstock über die Felder oder Grundstücke, helfen in Zeiten von GPS nun Hightech-Geräte bei der Vermessung. Schmids Stellvertreter Roland Linn meint dennoch: „Unsere Arbeit als Feldgeschworener ist nach wie vor eines: Sie ist alles andere als langweilig.“

von Angi Kiener

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