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Hier dürfte nix passieren: Schlittschuh- und Eisstock-Vergnügen auf dem Haspelmoorer See.

Wasserwacht und Behörden halten sich zurück

Zugefrorene Seen: Wo man aufs Eis gehen kann

Endlich sind die Seen zugefroren. Schlittschuhläufer und Eisstockschützen haben sehnsüchtig darauf gewartet. Doch wo kann man sich aufs Eis trauen? Wasserwacht und Behörden halten sich mit eindeutigen Aussagen zurück. Das ist für Bürger zwar wenig hilfreich – aber irgendwie auch nachvollziehbar.

Landkreis – Fürs Pucher Meer etwa ist die Stadtverwaltung Fürstenfeldbruck zuständig. Für den See in Mammendorf das Landratsamt. Den Verantwortlichen ist eins gemeinsam: Keiner wird einen zugefrorenen See offiziell zum Betreten freigeben. Rein haftungsrechtlich wäre das zu gefährlich. Denn passieren kann immer etwas – und dann begönne die Suche nach einem Schuldigen.

Die Beurteilung der Tragfähigkeit ist kompliziert. Deshalb hat das bayerische Landesamt für Umwelt im Jahr 2012 auf einem Merkblatt die wichtigsten Kriterien aufgelistet. Entscheidend ist demnach das Ausmaß des durchsichtigen Kerneises. Nicht mitgemessen werden darf eventuell aufgewachsenes, milchig gefärbtes, Schnee-Eis. Erste Anhaltspunkt kann eine Klopfprobe liefern: Wenn Eis bei einem Hammerschlag dröhnt, kann es als gesund gelten. Beginnende Überlastung durch Rissebildung kündigt sich mit krachenden, knallartigen Geräuschen an. Dann heißt es sofort runter vom Eis.

Für die öffentliche Nutzung freigegeben werden darf eine Fläche, wenn das Kerneis zehn Zentimeter dick ist. Sollten Menschenansammlungen zu erwarten sein müssen es 15 Zentimeter sein.

Weil das alles so knifflig ist, veröffentlicht die Wasserwacht allerdings aus Haftungsgründen nicht einmal die Dicke der Eisdecken, selbst wenn diese gemessen wurde, wie BRK-Geschäftsführer Rainer Bertram auf Nachfrage erklärt. Er zeigt vollstes Verständnis für Städte oder Kreise, die Betretungsverbote aussprechen. Bertram warnt auch vor falschen Schlüssen: Wenn an einem See Mitglieder der Wasserwacht vor Ort seien, bedeute das nicht, dass das Eis betreten werden dürfe. Oft seien die Wasserwachtler nur sicherheitshalber vor Ort.

Zu den generellen Kriterien der Tragfähigkeit kommen noch die örtlichen Besonderheiten der Gewässer. Ein Beispiel: Am Olchinger See sind Zu- und Abfluss instabile Problembereiche. Ein wichtiger Faktor für die Tragfähigkeit ist auch, ob Schnee auf dem Eis liegt. Der wirkt wie eine Dämmung. Je mehr Schnee, desto weniger wächst das Kerneis nach, auch bei klirrender Kälte. Wird der Schnee weggeweht, verstärkt sich das Kerneis.

Im Mammendorfer See beispielsweise gibt es im südöstlichen Bereich eine Grundwasserquelle. Diese Stelle wird wahrscheinlich nie zufrieren, selbst wenn am nördlichen Rand des Gewässers das Eis sehr dick ist. Wie weit reicht die tragfähige Schicht? Das kann sich täglich ändern.

Nicht nur deshalb hat das Landratsamt für den Mammendorfer See ein grundsätzliches Betretungsverbot verhängt. Wer eine Eisfläche freigeben würde, der müsste zu 100 Prozent sicher sein, dass die Eisfläche auch trägt, erklärt eine Sprecherin der Kreisbehörde. Dieser Nachweis sei mit überschaubaren (wörtlich: „endlichen“) Mitteln nicht zu führen. Durch das Verbot hafte der für die Verkehrssicherung Verantwortliche nicht, weil eben kein Verkehr eröffnet wurde.

Am Pucher Meer standen dieser Tage auch Verbots-Schilder. Das war aber ein Versehen, wie eine Sprecherin der Brucker Stadtverwaltung auf Nachfrage erklärte. Am Pucher stehen künftig Schilder mit der Aussage „Betreten auf eigene Gefahr.“ Wie eine Juristin aus dem Landratsamt sagt, sei diese Formulierung etwas weniger deutlich als das klare Verbot, wobei es hier verschiedene Rechtsmeinungen gebe. Ihrer Ansicht nach aber reicht die Aussage „Selbst schuld“ nicht, um eine Haftung komplett auszuschließen.

st

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