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Sie sind zwar nicht aus rosa Marzipan, aber Waschtl und Mama Schinken machen Pfleger Baumgartner viel Freude.

Gnadenhof Gut Streiflach

Zwei echte Glücksschweine

Gerade zum Jahreswechsel gelten sie als Glücksbringer, doch manchmal brauchen auch Schweine selbst die Hilfe von Fortuna. So wie „Waschtl“ und seine Freundin „Mama Schinken“. Statt beim Metzger sind die beiden Wollschweine im Gnadenhof Gut Streiflach gelandet – Schwein gehabt.

Germering – Beim Anblick des weißen Eimers gibt es kein Halten mehr. Ungestüm stürmen die grunzenden Giganten auf Max Baumgarten zu. Als gäbe es kein Morgen verschlingen die behaarten Tiere mit den charakteristischen Steckdosen-Schnauzen die Brotstücke, die ihnen ihr Tierpfleger zuwirft. Mit dem süßen rosafarbenen Klischee-Schwein aus der Werbung hat das Duo rein gar nichts gemein. Wild, kraftstrotzend und archaisch, als seien sie einem Fantasy-Film entsprungen, kommen die zwei daher. Max Baumgartner sieht es aber ganz gelassen. „Eigentlich sind die zwei sehr entspannt.“

Dass ihr Gemütszustand überhaupt noch beurteilt werden kann, haben die beiden Wollschweine der Gewerkschaft für Tiere zu verdanken, die auf Gut Streiflach einen Gnadenhof betreibt – und ihren Züchtern. Denn eigentlich hätte das Duo längst zu Leberkas oder Schnitzeln verarbeitet werden sollen. „Doch das brachten die Besitzer nicht übers Herz“, erklärt Sissy Bletschacher, Hauptverantwortliche des Gnadenhofs südöstlich von Germering. Denn „Waschtl“ und „Mama Schinken“, so die etwas merkwürdigen Namen der Tiere, sind ganz besondere Schweine.

Bletschacher kennt die Geschichte des borstigen Duos: Die zwei Wollschweine verbrachten ihr bisheriges Leben bei einem Züchter im östlichen Landkreis. Dort taten sie, was von ihnen erwartet wurde: Fleißig sorgten die zwei für reichlich Nachwuchs. Sogar „Waschtl“ kümmerte sich um die Ferkel – in der Welt der Schweine alles andere als selbstverständlich. Und auch wenn es gerade keine Kinder zu betreuen gab, verbrachten der Eber und die Sau jede Minute miteinander.

Doch irgendwann wollte es mit dem Nachwuchs einfach nicht mehr klappen. Obwohl Waschtl alles gab, blieben die Ferkel aus. Für einen Züchter hatte der Eber damit keinen Wert mehr. Weil Waschtl seinen Besitzern aber ans Herz gewachsen war, blieb ihm der Weg zum Schlachter erspart. Im Gnadenhof Gut Streiflach fand er eine neue Heimat – unter einer Bedingung. Seine Freundin musste mit, beschloss Sissy Bletschacher. „Das ist ein altes Ehepaar, die kann man nicht trennen.“ Es gelang der Tierschützerin, den Züchter zu überzeugen. Das alte Ehepaar durfte in seine neue Heimat umziehen.

Dort fühlen sich die Tiere sauwohl. In einem offenen Stall mit ein paar Artgenossen können sich Waschtl und Mama Schinken jetzt nach Herzenslust suhlen, buddeln und so richtig die Sau rauslassen – mit einer Einschränkung: Waschtl musste erst noch kastriert werden. Sicher ist sicher. Denn Nachwuchs ist das Letzte, was der auf Spenden angewiesene Gnadenhof brauchen kann.

Informationen über den Gnadenhof in Germering

und die Möglichkeit, die Tierretter zu unterstützen, gibt es im Internet unter www.gewerkschaft-fuer-tiere.de.

von Tobias Gehre

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