Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche  veröffentlicht nun die Predigten im Internet. 

Predigten online

Tröstende Worte in schwierigen Zeiten

In ganz Deutschland finden derzeit keine Gottesdienste statt.  Die evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Kirche aus Germering stellt die Predigten online zur Verfügung. 

Der Münchner Merkur veröffentlicht die Texte. Die erste Predigerin ohne Kirche ist Lektorin Helga Keup.

Liebe Gemeinde, Lätare – freue dich! Sei fröhlich! Lätare – so heißt der (gestrige) vierte Sonntag in der Passionszeit.

Zuversicht

Das Motto „Zuversicht. Sieben Wochen ohne Pessimismus“ für diese Fastenzeit spricht unsere Seele an, es ermutigt uns, positiv und hoffnungsvoll zu sein. Das fällt uns im Moment nicht leicht. Zuviel Bedrohliches stürmt Tag für Tag, fast stündlich auf uns ein.

Corona heißt das Wort, das uns Angst und verrückt macht, eine unsichtbare Bedrohung, die aber spürbar immer mehr Menschen befällt. Dazu kommen die Bilder der Menschen, die vor der griechischen Grenze stehen, auf Einlass hoffen, um in Europa ein Leben ohne Angst und in Würde führen zu können.

Schlechtes Gewissen

Mir machen diese Bilder ein schlechtes Gewissen. Panikkäufe räumen die Regale in den Supermärkten leer. In Bayern wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Und da soll ich mich freuen. Wir sind mitten in der Passionszeit, wir singen das Gloria nicht. Die Paramente an Kanzel und Altar sind violett. Das alles sind in der Kirche sichtbare Zeichen für die ruhigen und nachdenklichen Zeiten im Jahreslauf. So sagen wir ja auch Fastenzeit zu den sieben Wochen vor dem Osterfest.

Den Sonntag Lätare, freut euch, bezeichnen wir auch als das kleine Ostern. Passionszeit, das ist die Zeit des Leidens Christi, sein Weg führt ihn nach Jerusalem, er führt ihn an das Kreuz, in den Tod. Das weiß er und dennoch geht er ihn. Er geht ihn für uns. Er weiß, sein Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang.

Auch unsere Welt ist voll von Leiden, da sind das persönliche Leid, Krankheiten, Krisen, gerade jetzt droht vielen der Verlust des Arbeitsplatzes. Es trifft uns unmittelbar, uns ganz allein. Und dann ist da das Leid der anderen, das ist weit weg und doch so nah. Wie kann ich vernünftig damit umgehen.

Das Gute sehen

Wie kann ich da das Gute, Positive sehen, wie kann ich da hoffnungsvoll sein? Ja, wir können uns freuen, frohen Mutes sein. Wir wissen, dass das Böse, das Leiden nicht das letzte Wort hat. Gott will das. Inmitten allen Leides ist er uns nahe. Seine Liebe und Treue lassen uns nicht verzweifeln. Daran glauben wir und das lässt uns fröhlich sein.

Daran erinnert uns das Predigtwort aus dem Buch des Propheten Jesaja:

(10) Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

(11) Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.

(12) Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.

(13) Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

(14) Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Die tröstende Mutter

Denken Sie bitte einmal zurück in Ihre Kindheit. Sie waren hingefallen, hatten sich gestoßen, es tat sehr weh. Liebevoll wurden wir von der Mutter in den Arm genommen, sie nahm uns wahr, hat uns gestreichelt und getröstet. Und der Schmerz war schon fast weg. Wir fühlten uns beschützt, wir fühlten uns angenommen.

Das Bild einer tröstenden Mutter berührt uns immer. Es ist ein Gottes-Bild. So wünschen wir uns Gott. Er tröstet uns, er kann das Leid nicht einfach wegwischen, seine Zuwendung macht nicht gesund, aber heil. Wir spüren, dass wir nicht allein sind. So war das zu der Zeit, als Jesaja diese Worte verkündete, und bis heute haben sie Gültigkeit. Gerade jetzt in der Passionszeit.

Passionszeit

Wir erleben gerade alle eine „Passionszeit“. Corona, wir übersetzen es mit Kranz, Krone. Das Virus hat uns im Griff. Es ist eine „Dornenkrone“, die wir jetzt alle tragen. Wir tragen schwer an dieser Last. Wir müssen sie annehmen, und alle besonnen handeln. Ganz viele Menschen in unserem Land und auf der Welt arbeiten bis zur Erschöpfung für uns. Der Handel ist für uns da, das medizinische Personal und viele, viele andere geben ihr Bestes. Wir Christinnen und Christen haben unseren Glauben, der macht es uns leichter, das alles zu ertragen. Wir empfangen Trost von Gott. Wer Liebe und Trost empfängt, kann Liebe und Trost auch weitergeben. Für viele Menschen, ältere Menschen, ist der Gottesdienst am Sonntag nicht nur die Begegnung mit Gott, sondern auch mit anderen Menschen aus der Gemeinde. Das fehlt jetzt. Das gute alte Telefon, das Smartphone und der Computer bekommen jetzt einen „echten“ Sinn. Anrufen und miteinander sprechen, das hilft, das macht heil.

Hoffnung

Es sind Worte von Dietrich Bonhoeffer, die Trost spenden und Hoffnung geben. Er schrieb sie 1943 im Gefängnis unter dem Titel „Nach zehn Jahren“ nieder. Er hatte auch Hoffnung bis zuletzt und er gab diese Hoffnung weiter:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will,wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht in voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf Ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergebens sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortlichen Taten wartet und antwortet.“

Bei all unseren berechtigten Sorgen und Ängsten, die wir haben, sollten wir nicht mit Scheuklappen durch diese Zeit gehen. Es gibt unvorstellbares Elend in den Flüchtlingslagern. Nicht auszudenken, wenn Corona dort zuschlägt. Es gibt auch in unserem reichen Land arme Menschen. Die Bilder der Germeringer Tafel im Fernsehen vor ein paar Tagen, das ist einfach beschämend für uns. Die Menschen, die dort Hilfe erwarten, können sich nicht mit Lebensmitteln eindecken, weil ihnen das Geld dafür fehlt.

Behütet und beschützt

Wir haben jetzt mehr „Zeit“, wir sind mehr in unseren vier Wänden, wir müssen uns selbst beschäftigen. Das fällt vielen sehr schwer. Das ist ein Lernprozess für alle. Jesaja ermuntert uns, trotzdem fröhlich zu sein. Das können wir auch, weil wir uns in der Liebe Gottes geborgen wissen, er trägt uns. Deshalb dürfen wir den Sonntag Lätare feiern. Wir feiern das kleine Osterfest „jeder für sich“, dennoch sind wir nicht allein, sondern in der Gemeinschaft mit Gott und unseren vertrauten Mitmenschen.

Mit unserem Trauspruch, der meinen Mann und mich seit über 50 Jahren begleitet, möchte ich schließen. „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7).

Gehen Sie in die kommende Zeit mit der Gewissheit, dass wir behütet und beschützt sind von unserem Gott. Amen

Angebote der katholischen Stadtkirche 

Auch in diesen Zeiten, wo direkte Begegnung nicht mehr möglich ist, versuchen die Seelsorger der Katholischen Stadtkirche, mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. Neben den Aufgaben, sich jetzt vermehrt um die zu sorgen, die sozial abgehängt zu werden drohen, gilt es, auch die Verbundenheit in Gebet und der Feier der Gottesdienste auf andere Weise auszudrücken. 

Jeden Sonntag feiern Pfarrer Andreas Christian Jaster oder Pfarrvikar Barthlomew Aondo um 10.30 Uhr eine Heilige Messe „ohne Volk“ in den Anliegen der Stadtkirche und den vielen persönlichen Anliegen der Menschen in Germering. Diakon Sascha Miller betet jeden Tag um 22 Uhr zuhause den Rosenkranz und lädt ein, sich diesem Gebet in innerer Verbundenheit anzuschließen. 

Es finden keine Gruppengottesdienste in Privaträumen, Hauskreis-Messen oder irgendwie organisierte Anbetungen, Andachten und dergleichen in den Räumlichkeiten der Stadtkirche statt. An den Sonntagen läuten im ganzen Erzbistum München und Freising um 10Uhr die Glocken und laden zu Gebet und einem Moment des Innehaltens in dieser turbulenten Zeit ein.

Auf der Homepage der Stadtkirche, www.stadtkirche-germering.de, sind auf der Startseite alle geistlichen Angebote zusammengestellt. Dort werden auch zum Wochenende hin eine Kurzpredigt zum jeweiligen Sonntagsevangelium und andere Informationen eingestellt. Alle Angebote werden laufend überarbeitet und aktualisiert. Die Pfarrbüros sind für den Parteiverkehr geschlossen. Dennoch sind die Büros besetzt, und es kann telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufgenommen werden. Alles Informationen sind auf der Homepage leicht zu finden.

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