Uli Oesterle, Comicbuch-Preisträger 2016, in seinem Münchner Atelier. tb-foto

Begehrter Preis

Germeringer erobert die Comic-Welt

Germering – Er ist in Germering aufgewachsen und lebt mittlerweile in der Landeshauptstadt: Uli Oesterle. Kürzlich erhielt der 50-jährige Grafiker und Illustrator den begehrten Comicbuchpreis der Berthold Leibinger-Stiftung.

Die Arbeit des gebürtigen Karlsruhers wurde aus 64 Bewerbungen ausgewählt. Sein Werk „Vatermilch“ soll in zwei Teilen 2018 und 2019 erscheinen. Oesterle (verheiratet, zwei Kinder) arbeitet darin Teile seiner Vergangenheit auf und erzählt die fiktive Biographie seines Vaters, der die Familie verließ als der kleine Uli gerade mal sieben Jahre alt war.

„Vatermilch erzählt von Vätern die verschwinden und von Söhnen, die zu unzuverlässigen Vätern werden. Es zeigt Lebenswege, die ins Dunkle führen, und andere, die einen unerwarteten Neuanfang erlauben – das Thema ist schwer und universell, doch es ist mit einer erfrischenden Leichtigkeit erzählt“, beschreibt Jury-Mitglied Brigitte Helbling die Herangehensweise des Autors und Siegers des Wettbewerbs.

Uli Oesterle besuchte die Realschule Unterpfaffenhofen und absolvierte an der Münchner Akademie U 5 seine Ausbildung zum Grafikdesigner. Seit drei Jahren lehrt er dort das Fach Illustration. „Ich bestreite meinen Lebensunterhalt durch Illustrationsaufträge, darunter auch immer wieder kleinere Comic-Jobs, wie beispielsweise eine Kurzbiografie über André Citroën“, sagt Oesterle.

Solcherlei Aufträge würden zwar „ordentlich“ honoriert, da sie aus der freien Wirtschaft an ihn herangetragen werden. Doch Oesterle kennt auch die Schattenseiten des freiberuflichen, illustrativen Schaffens: „Für Engagements an eigenen Graphic-Novels, wie anspruchsvollere Comic-Geschichten in den letzten Jahren genannt werden, erhält man im Voraus wenig bis gar kein Geld“, weiß Oesterle, dessen Familie nach wie vor in Germering lebt. Das mache das freiberufliche Leben nicht gerade leichter und man brauche einen starken Willen und Durchhaltevermögen.

Da kommt ihm der Comicbuchpreis, der mit 15 000 Euro dotiert ist, natürlich gerade recht, denn: „Oft müssen wir Freiberufler mit unserer täglichen Arbeit in Vorleistung gehen.“ Trotzdem: Wenn Oesterle von seiner Arbeit erzählt, spürt man eines: Es kitzelt ihn immer wieder der Zeichenfinger. „Gelingt mir eine Szene, sitzt ein Dialog oder stimmt das Timing, dann sind das unbezahlbare Erfolgserlebnisse – diese Momente halten mich bei der Stange und sind vielleicht am besten mit der Euphorie zu vergleichen, die ein Profifußballer empfindet, der grade ein Tor geschossen hat.“

Womit wir auch schon beim Sport wären. Wie tobt sich eigentlich ein Illustrator namens Uli Oesterle aus, wenn er nicht grade Stift und Papier oder ein Grafik-Tablet zur Hand hat? „Die meiste Freizeit nimmt bei mir nach wie vor die Zeichnerei ein, daneben boxe ich.“

Ein Freiberufler, der sich auch noch in seiner Freizeit durchboxen muss? „Es ist ein wunderbar anstrengender Sport – es ist jedes Mal eine Herausforderung, seinen Hintern hochzukriegen; allerdings betreibe ich das Boxen beileibe nicht professionell, sondern nur um mich fit zu halten und Stress abzubauen“, betont Oesterle.

Er weiß: „Man muss immer qualitativ hochwertige Arbeit abliefern und an dem uralten Spruch ‚Qualität setzt sich durch’, festhalten.“ Für ihn ist Illustrieren eine Berufung, ein Traumjob, auch wenn dieser Broterwerb viel Zeit frisst. Seit sechs Jahren illustriert Uli Oesterle auch für den Playboy – meist ganzseitige Aufmacher-Illustrationen, die Artikel oder Kurzgeschichten renommierter Autoren bebildern. „Das ist natürlich genial, weil ich jeden Tag Dinge machen darf, die mir Spaß machen. Auch wenn es mir in erster Linie darum geht, meine Arbeit gut zu machen, und weil ich weiß, wenn meine Arbeit gut geworden ist, dann kommen meine Kunden wieder.“ Sein letzter Band „Hector Umbra“ erschien nicht ohne Grund nicht nur in Deutsch. Er wurde mittlerweile in sechs Sprachen übersetzt.

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