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Thomas Karmasin wurde am Freitagabend laufend telefonisch informiert.

Nach Amoklauf: Schweigeminute in CSU-Runde

Mammendorf – Entsetzen beim Polit-Wettkampf: Die erste große Vorstellungsrunde im Landkreis mit den internen CSU-Bewerbern um die Kandidatur zum Bundestag im Wahlkreis Bruck-Dachau am Freitagabend in Mammendorf wurde überschattet von der Mordtat in München. Trotzdem: Die Kandidaten stellten sich wie geplant vor rund 100 CSU-Vertretern vor – unter anderen Umständen als erwartet.

Die Versammlung begann um 19 Uhr, als die Nachrichtenlage noch unklar war. Viele der CSU-Vertreter richteten bange Blicke auf ihre Handys, man versuchte, sich gegenseitig zu informieren. Als kurz darauf bestätigt war, dass mindestens ein Todesopfer in München zu beklagen ist, bat Landrat und CSU-Kreischef Thomas Karmasin die Anwesenden zu einer Schweigeminute. Er informierte im Laufe des Abends („Wir schauen mit großer Sorge nach München“) immer wieder über seinen Kenntnisstand.

Nach der Vorstellungsrunde der Kandidaten beendete er den Abend vorzeitig – die Wahlkreisabgeordnete Gerda Hasselfeldt verzichtete auf ihren angekündigten Bericht aus Berlin. Jeder sei mit den Gedanken woanders, begründete Karmasin das schnelle Aus. Zu diesem Zeitpunkt musste man davon ausgehen, dass nach einem Anschlag drei Terroristen im Großraum München auf der Flucht sind. Hasselfeldt war außerdem in Sorge um Familienangehörige, die in München weilten. Erst sehr viel später stellte sich heraus, dass der Täter einen Amoklauf gestartet und sich selbst gerichtet hatte.

Bei der Vorstellungsrunde ging es um die Frage, wen die CSU im Wahlkreis Bruck-Dachau in den Kampf um das Direktmandat der Region bei der Wahl zum Bundestag 2017 schicken will, nachdem Hasselfeldt ja nicht mehr kandidiert. Es treten an: Katrin Mair (34, Türkenfeld), Anton Kreitmair (53, Kleinberghofen), Florian Schiller (33, Dachau) und Georg von Hundt (43, Lauterbach).

Der Landtagsabgeordnete Kreitmair verwies auf seine kommunal- und landespolitische Erfahrung und sein Leben in und mit der Landwirtschaft. Letztere müsse stärker mit der Gesellschaft verknüpft werden, sagte er – zweifellos ein zentraler Ansatz für Kreitmair, der den regionalen Entscheidungsträgern mehr Spielraum einräumen möchte.

Mair („Ihre Aufmerksamkeit liegt nicht ungetrübt bei mir, das ist klar“) verwies auf ihre beiden Bundestagskandidaturen und auf ihr daraus folgendes CSU-Netzwerk. Außerdem könne sie – sie hat vor ihrem Job als Pressesprecherin Biochemie studiert – ihr Wissen aus der Naturwissenschaft einbringen. Sie sei in beiden Landkreisen daheim. Die Menschen hier zu vertreten sei ihr ein Herzensanliegen. Der Name CSU sei immer ein Synonym für die innere Sicherheit gewesen. „Das ist uns verloren gegangen“, sagte Mair. Das müsse sich wieder ändern.

Florian Schiller, Jüngster in der Kandidatenriege, kündigte an, so lange am Stammtisch bei den Menschen sitzen zu wollen, „bis die Dinge ausgeredet“ sind. Wenn die CSU einen Kandidaten nur mit Parolen und Hinterzimmer-Mentalität wolle, dann sei er raus, sagte der Dachauer, der als Abteilungsleiter bei einer weltweit agierenden Firma arbeitet. Immer wieder verwendete er Fußball-Rhetorik in seiner Ansprache. „Ich bin in der Kreisliga groß geworden. Jetzt will ich in die Bundesliga.“

Der Mediziner Georg von Hundt präsentierte sich als Mensch zwischen regionaler Verwurzelung und Weltläufigkeit und merkte an, dass er als Malteser-Chef die Sitzung nach der Vorstellungsrunde sofort verlassen werde. Tatsächlich waren diverse Einsatzkräfte nach München beordert worden. Vorher hatte der promovierte 43-Jährige erklärt, „was der Hundt will, wofür der Hundt steht“. Das seien Nachhaltigkeit, christlich-wertkonservatives Gedankengut und eine überzeugte Pro-Europa-Haltung. Er wolle sein Wissen in der Gesundheitspolitik einbringen. Außerdem betonte von Hundt, finanziell unabhängig zu sein und nicht unter den CSU-Schirm zu schlüpfen. Er sei bereit, seine bisherige berufliche Karriere für Land und Leute zu beenden. „Ich habe die volle Unterstützung meiner Frau und meiner Familie, jetzt will ich die Ihre“, sagte er zu den CSU-Vertretern. 

Thomas Steinhardt

Wie geht es nun weiter?

Es folgen weitere Kandidatenvorstellungen, bevor im Herbst die Delegiertenversammlung einen Kandidaten bestimmt. Die Öffentlichkeit (alle, auch nicht CSU-Mitglieder) kann die Kandidaten am 29. Juli ab 19 Uhr im Gernlindner Bürgerzentrum kennen lernen.

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