in Türkenfeld

Gewerbe näher an Wald heranrücken

Der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Süd in Türkenfeld soll überarbeitet werden. Die Gemeinde könnte dort mehr Flächen für Betriebe schaffen, wenn ein bis dato vorgeschriebener Grüngürtel reduziert würde.

TürkenfeldZwei Bauanfragen für das Gebiet vertagte der Gemeinderat, nachdem der Beschluss gefallen war, den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum mit der Neufassung des Bebauungsplans zu beauftragen. Der Entscheidung ging eine längere Diskussion voraus. Denn der 25 Meter breite Grüngürtel hat den Zweck, die Gebäude vor Windwurf aus dem angrenzenden Wald zu schützen – und die Gemeinde als Waldeigentümer vor Haftungsfällen. Allerdings wurde in der Vergangenheit offenbar bereits eine Überschreitung der Baugrenze genehmigt.

Außerdem existiert der Grüngürtel faktisch nur als freier Geländestreifen, eine Bepflanzung wurde nicht vorgenommen. Es sei schließlich auch nicht Sinn der Sache, „einen Wald vor dem Wald zu pflanzen“, wie Michael Schneller (CSU) anmerkte.

Händeringend Platz für Firmen gesucht

Nun möchte sich auf einem Grundstück An der Kälberweide eine IT-Firma niederlassen. Für das geplante neue Büro- und Wohngebäude mit Tiefgarage müsste die derzeit geltende Baugrenze um etwa zehn Meter überschritten werden. Außerdem will sich in der Nachbarschaft ein Türkenfelder Unternehmen ansiedeln, das die Gemeinde wohl verlassen würde, wenn es nicht den betrieblichen Anforderungen gemäß bauen darf. Auch die Gemeinde besitzt Flächen in dem Gebiet, die sie nutzen könnte.

„Wir suchen doch händeringend Gewerbegrund“, erinnerte Sabeeka Gangjee-Well (Dorfgemeinschaft). Dem Gemeindehaushalt würden diese Einnahmen guttun. Ließe man eine Bebauung näher am Wald zu, müsse faktisch nur eine Handvoll Bäume entfernt werden, nachdem in der Nähe bereits Fällungen vorgenommen wurden. „Sollen wir wegen fünf Bäumen 2000 Quadratmeter Gewerbegrund vertun?“, fragte Gangjee-Well. Das Problem der Haftung könne gelöst werden, „wenn man das will“. Fraktionskollege Stefan Zöllner zitierte einen Vorschlag von Planer Christian Schaser, demzufolge ein „gestufter Waldrand“ mit niedrigeren Bäumen an der Außengrenze das Problem beheben könnte. Dies wäre auch aus ökologischer Sicht zu begrüßen.

Wer für die Kosten von Fällungen und möglichem Waldumbau aufkommen würde, wollte Siegfried Schneller (FW) wissen. Michael Schneller (CSU) hatte ebenfalls Bedenken hinsichtlich einer Verschiebung der Baugrenze – andere Grundeigentümer hätten sich schließlich daran gehalten.

Rathauschef Pius Keller (CSU) erklärte, die Überschreitung der Baugrenze mittragen zu können, wenn das Landratsamt mitgehe und die Bäume gefällt würden. Vize-Bürgermeister und Fraktionskollege Emanuel Staffler wollte geklärt wissen, ob das Haftungsproblem dann tatsächlich behoben sei. Die Vorstellung, dass die Gemeinde hier mit einfachen Mitteln zusätzliche Gewerbeflächen schaffen könnte, erschien auch Staffler reizvoll. Bürgermeister Kellers Vorschlag, den Bebauungsplan überarbeiten zu lassen, fand schließlich einhellige Zustimmung. (os)

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