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Mit einer Mahnwache machten Gläubige vor dem Erzbischöflichen Palais auf den Konflikt in der Schutzengelgemeinde in Eichenau aufmerksam.

Vor der Haustür des Kardinals

Gläubige protestieren gegen ihren Pfarrer

Eichenau - Der Streit zwischen Gläubigen der katholischen Schutzengelgemeinde in Eichenau und ihrem Pfarrer Martin Bickl hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

Seine Kritiker hielten am Sonntag eine Mahnwache in München - und hofften vergeblich auf eine Reaktion der Kirche.

Etwas mehr als 30 Christen versammelten sich am Nachmittag vor dem Palais des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, um auf den seit zwei Jahren andauernden Konflikt in der Pfarrkirche zu den Heiligen Schutzengeln hinzuweisen. „Wir haben einen zweijährigen Leidensweg hinter uns. Diese Mahnwache ist der Endpunkt eines Prozesses“, sagte einer der Organisatoren, Paul Ulbrich. „Wir möchten verstärkt auf unseren Notstand hinweisen“, stimmte Helga Blaschke zu.

Große Hoffnung, dass sich kurzfristig etwas ändert, haben beide nicht. Es geht ihnen jedoch nicht einfach nur um eine kleine örtliche Gemeinde, die sich von ihrem ungeliebten Hirten gewandt hat, sondern um mehr. „Das hat eine überregionale Bedeutung“, erklärte Blaschke. „Das ist ein Paradebeispiel für die Gemeinden der Zukunft.“ Es geht darum, dass die Strukturreformen der Kirche in den Augen der protestierenden Gläubigen zwangsläufig zu Spaltungen in den Gemeinden führen werden. „Die Strukturreform im Bistum, die zu immer größeren Pfarrgemeinden führt, kann kein zukunftsweisendes Modell sein.“

Dass Gemeinden vergrößert werden, ist dem Umstand des Personalmangels in der Kirche geschuldet. Wenige Pfarrer müssen sich um mehr Menschen kümmern. „Das ist eine Sackgasse, weil man sich nicht an den Menschen orientiert“, sagte Ulbrich. Eine Kirche, die auf Entfernung wirke, werde zugrunde gehen.

Ulbrich hielt aber auch fest: „Hier zu stehen heißt auch, sich für den Pfarrer einzusetzen, der der Situation nicht gewachsen ist.“ Dass das zwischen Bickl und ihnen noch was wird, glaubt keiner wirklich, der an der Kardinal-Faulhaber-Straße stand. „Er hat sich bis zum heutigen Tag nicht erklärt, wie er die Gemeinde führen möchte“, so eine Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung sehen möchte. Er habe lediglich erklärt, dass er die Bräuche in den Heiligen Schutzengeln so nicht weiterführen möchte. „Er fühlt sich ständig verfolgt und angegriffen.“ Auch Blaschke sieht keine Zukunft mit Bickl. „Wir leiden auch, dass die Ökumene keine Rolle mehr spielt.“ Sie fürchtet sogar, dass die Spaltung in der Gemeinde länger anhalten könnte. „Alle die hier stehen, haben ihre geistige Heimat in der Pfarrgemeinde verloren.“

Ziemlich verloren standen die Protestierenden am Ende auch vor dem Palais da. “ Denn eine Reaktion seitens des Ordinariats oder des Kardinals erfolgte nicht.

(max)

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