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Andreas Bravenyist neuer Vikar der großen evangelischen Kirche im westlichen Landkreis.   

Mit 21 wechselte er die Konfession

Ex-Katholik wird evangelischer Vikar

Grafrath - Die evangelische Kirche im westlichen Landkreis bekommt personellen Zuwachs. Ab 1. März wird Andreas Braveny als Vikar zweieinhalb Jahre lang die Pfarrer unterstützen und selbst in den Beruf hineinwachsen.

Das Landleben wird etwas völlig Neues für Andreas Braveny. Bisher hat der 30-Jährige sein ganzes Leben in München verbracht, was man übrigens nicht vermuten würde, wenn man sein lupenreines Hochdeutsch hört. Demnächst wird er nach Türkenfeld ziehen und hat sich bereits darauf eingestellt, dass er beim Hin- und Herpendeln zwischen den über 20 Dörfern der Kirchengemeinde viel Zeit im Auto verbringen wird.

„Mich reizt am Beruf des Pfarrers vor allem die Vielfalt – an Menschen, Situationen und Lebensthemen“, sagt der frisch gebackene Theologe, der ursprünglich katholisch war und erst im Studium zur evangelischen Konfession konvertierte. Mit Kirche und Glaubensthemen hatte Braveny schon immer viel zu tun. Er war Ministrant und fand in seinem damaligen Priester einen väterlichen Freund, der ihm in Krisenzeiten zur Seite stand.

Die Ironie dabei: Dieser Pfarrer war bis zu seinem 21. Lebensjahr evangelisch und wechselte dann die Konfession – Braveny tat im selben Alter dasselbe in umgekehrter Richtung. Er hatte inzwischen durch Zufall Kontakt zu zwei evangelischen Pfarrerinnen bekommen, von denen eine im Nachbarhaus lebte. Und weil ihm außerdem der Religionsunterricht am Luitpold-Gymnasium im Lehel besonderen Spaß machte, folgte nach Abitur und Zivildienst das Studium der evangelischen Theologie.

Dass ihm vor diesem Hintergrund die Ökumene ein besonderes Anliegen ist, überrascht nicht weiter – allerdings eine Ökumene, ohne dass die eine oder andere Seite ihre Identität aufgibt. „Es ist eine abendländische Errungenschaft, mit kirchlicher Pluralität umzugehen. Dahinter zurückzufallen, wäre falsch“, ist er überzeugt.

Kirche hat für Braveny nicht die Aufgabe, zu moralisieren oder über Menschen zu urteilen, sondern sie zu begleiten, an- und ernstzunehmen. „Ich habe Kirche immer als Schutzraum erlebt.“

Die letzten fünf Monate hat Braveny im englischen Durham verbracht, wo seine Lebensgefährtin – ebenfalls eine Theologiestudentin – ein Auslandsjahr absolviert. Nun ist er gespannt auf den Einstieg ins Berufsleben. Ob er den Pfarrern zunächst nur über die Schulter schauen wird oder man ihn schnell eigenverantwortlich loslegen lässt, weiß er noch nicht.

Den Freizeitwert seiner neuen Heimat wird Andreas Braveny sicher schnell zu schätzen wissen. Er wandert und liest viel, fährt im Winter Ski und sitzt im Sommer gern im Biergarten. Und auch auf das gelebte Brauchtum in den Dörfern freut sich der 30-Jährige schon: „Ich schätze Tradition und Verlässlichkeit und bin kein Mensch, der die große weite Welt bereisen muss.“

Begrüßung

Der Einführungs- und Einsegnungsgottesdienst für den neuen Vikar Andreas Braveny findet am Sonntag, 6. März, ab 18 Uhr in der evangelischen Michaelkirche in Grafrath statt.

von Ulrike Osman

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