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Katharina Schulze im Bayerischen Landtag

Zu Besuch in Grafrath

Grünen Chefin teilt kräftig aus

Katharina Schulze, Chefin der Grünen im Landtag, war zu Besuch in Grafrath. Der Ortsverband feierte seinen 30. Geburtstag. In ihrer Rede bekam nicht nur der Ministerpräsident den Kopf gewaschen.

Grafrath – Nicht nur meckern, sondern die Welt besser machen – das will Katharina Schulze. Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen lockte mehr als 200 Zuhörer in den Grafrather Bürgerstadl, wo der Ortsverein der Ökopartei sein 30-jähriges Bestehen feierte.

Den Beginn des Jahres 2020 hatte sich Schulze anders vorgestellt: Am 3. Januar ging auf Twitter der Hashtag #DritterWeltkrieg als Reaktion auf die Iran-Krise viral, danach folgte das Flammeninferno in Australien. „So möchte ich ein Jahr eigentlich nicht beginnen“, sagte Schulze. Angesichts dieser Entwicklungen müsse man aus den starken Wurzeln der Vergangenheit Kraft für die großen Herausforderungen der Zukunft schöpfen.

Klimaschutz ein zentrales Thema

Drei große Themen hatte sich Schulze Rednerzettel geschrieben: Vorrangig freilich der Klimaschutz, außerdem der Umgang miteinander sowie die Rechte der Frauen. Nicht nur in Australien, auch in Bayern sei der Klimawandel angekommen, sagte sie angesichts heißer Sommer und Dürremonaten. „Wir sollten nicht auf andere Länder schauen, sondern selbst Kohlendioxid reduzieren.“ Die Gesellschaft wolle schon längst einen vernünftigen Klimaschutz, wie die Fridays-for-Future-Demos zeigen würden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder würde zwar jeden Baum umarmen, der in Reichweite sei – „aber nur wenn eine Kamera dabei ist“. Für seine reale politische Arbeit stellte Schulze dem Ministerpräsidenten aber ein schlechtes Zeugnis aus: „Er müsste sich für den Ausbau der erneuerbaren Energien einsetzen und sie nicht durch die 10H-Regelung bei der Windkraft behindern.“

Zum Klimaschutz zählt für Schulze auch eine nachhaltige Mobilität. Um diese zu erreichen und den Menschen den Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu ermöglichen, forderte Schulze: „Jeder Ort mit mindestens 200 Einwohnern muss zwischen 5 und 24 Uhr stündlich an den ÖPNV angeschlossen sein.“

Gegen Hass

Sorgen bereitet Schulze nicht nur der Klimawandel, sondern auch das Klima in der Gesellschaft. Dass der evangelische Theologe Heinrich Bedford-Strohm nach einem Hilfeaufruf für Flüchtlinge Morddrohungen erhielt, sei der deutschen Gesellschaft nicht würdig. „Hass und Hetze müssen aufhören. Wir Demokraten müssen dafür enger zusammenstehen“, sagte sie. Auch in Bayern gebe es ein massives Rechtsextremismus- und Rassismus-Problem, wie die NSU-Morde oder der OEZ-Amoklauf gezeigt hätten. „Ich habe keine Lust, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Hetze on- und offline immer mehr zunimmt“, sagte Schulze. Sie fordert daher, den Fahndungsdruck auf die rechte Szene zu erhöhen, mehr Demokratieunterricht an den Schulen sowie Beratungsstellen für Opfer rechter Hetze im Netz einzuführen.

Und nicht zuletzt forderte die Grünen-Politikerin, dass 2020 Frauen endlich die gleichen Rechte und Chancen wie Männer haben sollen. Dazu gehöre die Hälfte der Macht in den politischen Gremien und eine vernünftige, den Männern gleichgestellte Bezahlung. Dass dies noch nicht Realität sei, liege auch daran, dass die politischen Weichensteller nur damit beschäftigt seien, den Status quo zu erhalten. „Man bekommt die Welt nicht besser gemeckert, man muss sie besser machen“, schloss Schulze.

Der Ortsverband Ampermoos

Es war im Jahr 1990 – genau zehn Jahre nach der Gründung der Bundespartei am 13. Januar 1980 in Karlsruhe – als auch in Grafrath und Kottgeisering ein gemeinsamer Ortsverein der Grünen an den Start ging. Den Stein ins Rollen hatten die Grafrather Octavia Abele und Roger Struzena sowie die Kottgeiseringer Manfred Ruhland und Renate Michl-Hillebrand gebracht. Mittlerweile nennt sich der Ortsverein „OV Ampermoos“. Ihm gehören nun auch die Gemeinden Landsberied, Moorenweis, Jesenwang und Schöngeising an. Dass das Jubiläum in ein Wahljahr fällt, nutzte die Partei, um ihre Feier mit dem Wahlkampfauftakt zu verknüpfen. Sprecher Thomas Prieto Peral erinnerte an Erfolge wie zum Beispiel die Verhinderung des Ausbaus der Unterführung am Grafrather Bahnhof („Das ist die beste Verkehrsberuhigung.“). Für die Zukunft haben die Grünen schon ein neues Projekt am Start, wie Spitzenkandidatin Monika Glammert-Zwölfer erklärte: ein gemeinsames Windrad mit den Nachbargemeinden. „Das ist ein großes Projekt, aber für kleine Schritte haben wir keine Zeit mehr“, sagte sie.

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