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So soll der Supermarkt an der Grafrather Hauptstraße aussehen – zumindest, wenn es nach den Planungen von Investoren Rainer Scherbaum (Scherbaum AG) geht. Der Grundstückseigentümer dagegen will dort ein kleineres Gebäude errichten.

Seit 2013 wird lediglich geplant

Grafrath: Investoren streiten um Supermarkt-Bau

Grafrath - An der Grafrather Hauptstraße soll ein Supermarkt gebaut werden. Doch bei den Planungen herrscht weiterhin Stillstand. 

Denn hinter den Kulissen tobt ein Streit, wer das Projekt realisieren darf. Nun muss sogar ein Gericht entscheiden. Die Scherbaum AG meldet Ansprüche an und nimmt Stellung zur verfahrenen Situation. Geschäftsführer Rainer Scherbaum sagt klar und deutlich: „Wir stehen nach wie vor zu 100 Prozent zu dem Deal, das Projekt in der besprochenen Form zu realisieren.“ Der Investor hatte das Projekt von Bernd Schwarz übernommen (siehe Kasten).

Die in Grünwald beheimatete Scherbaum AG ist in ganz Deutschland tätig und hat in der Region unter anderem das HEP in Holzkirchen und das WEP in Erding gebaut. Die Planungen für den Grafrather Markt waren schon weit fortgeschritten. Das Weinberger-Grundstück, auf dem ein Teil der Parkplätze entstehen soll, hat der Grünwalder Investor bereits gekauft. Und auch ein neuer Kaufvertrag für das Damian-Grundstück von Sedlmeier, auf dem der eigentliche Markt errichtet werden soll, war laut Scherbaum unterschriftsreif. Dieser Vertrag sollte den ursprünglichen Kaufvertrag zwischen Schwarz und Sedlmeier ersetzen. „Doch als es um den Notartermin ging, sprang der Eigentümer plötzlich ab“, sagt der Geschäftsmann.

Sedlmeier wollte den Markt in kleinerer Version plötzlich in Eigenregie realisieren. Scherbaum bezeichnet das Verhalten von Sedlmeier als komisch, zumal er zum ursprünglich mit Schwarz ausgehandelten Kaufpreis noch eine erkleckliche Summe draufgepackt habe. Während der neue Vertrag mit Scherbaum damit hinfällig ist, pocht Schwarz nun auf die Erfüllung seines Vertrages mit Sedlmeier.

Der Gemeinderat beschäftigte sich mit Sedlmeiers Plänen auch mit der Begründung, dass es für die bisherige Planung keinen Vorhabensträger gebe. Das wiederum kann Scherbaum nicht nachvollziehen: „Wir stehen bereit, für uns ist das Projekt locker realisierbar.“ Letzteres bezweifelt Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) nicht. Für ihn sind aber die Eigentumsverhältnisse entscheidend. „Vorhabensträger kann nur sein, wer über das Grundstück verfügen kann.“ Laut Grundbuch sei das derzeit Sedlmeier. Dieser ist sich außerdem mit Rewe als Betreiber des Vollsortimenters einig.

Im Gemeinderat hatte man bei der ursprünglichen Planung Wert darauf gelegt, dass der bestehende Edeka-Markt vom Bahnhof einziehen soll, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Scherbaum hat nach eigener Aussage auch einen Vertrag mit Edeka geschlossen. Was den Betreiber angeht, sagt Kennerknecht, dass er in dieser Frage leidenschaftslos sei. „Sedlmeier will das mit Rewe abwickeln.“ Der Standort am Bahnhof solle aber in irgendeiner Form erhalten bleiben.

Still wurde es zuletzt auch um die Frage, ob im Obergeschoss des Marktes Wohnungen für Menschen ab 60 festgeschrieben werden sollen. „Bei unserer Planung war das noch ein ganz wichtiges Thema“, sagt Scherbaum. Die Nutzung musste sogar vertraglich festgeschrieben werden. Weil Sedlmeiers Planung aber kleiner ausfällt, könnte dort der Platz dafür fehlen – zumal Kennerknecht Wert darauf legt Wert, dass im Gebäude Arztpraxen entstehen. „Die Diskussion um die Wohnungen muss der Gemeinderat noch führen“, sagt der Rathauschef.

Die Vorgeschichte zum Supermarkt-Bau :

Bereits 2013 wurde der Bau des Supermarkts an der Grafrather Hauptstraße erstmals diskutiert. Mit Bernd Schwarz fand sich ein Investor, der das Projekt bis zu seinem heutigen Stand entwickelte. Der geplante Markt war vor allem bei den direkten Nachbarn des Baugrundstücks und bei den Grünen aufgrund seiner Größe umstritten. Doch in einem Bürgerentscheid im Frühjahr 2014 sprachen sich rund zwei Drittel der Wähler für den Supermarkt in der geplanten Form aus. Ein Jahr später wurden die Bäume auf dem Grundstück gefällt. Die Bagger rollten bislang aber nicht an. Wegen der Verzögerungen hat Schwarz das Projekt an die Scherbaum AG abgegeben. Doch mittlerweile hat der Grundeigentümer Herbert Sedlmeier Interesse angemeldet, den Supermarkt selbst zu realisieren. Strittig ist jedoch, ob der bereits geschlossene Kaufvertrag mit Schwarz gültig ist. Der Eigentümer sagt nein, weil er noch nicht bezahlt wurde. Schwarz erklärt hingegen, dass der Kaufpreis erst fällig wird, wenn der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst ist. Wer recht hat, muss nun das Verwaltungsgericht am Donnerstag, 25. Februar, entscheiden.

von Andreas Daschner

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