Thomas Benkert
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Thomas Benkert

Interview

„Apotheken sind ein wichtiger Bestandteil der Versorgung“

Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat einen neuen geschäftsführenden Vorstand gewählt. Einstimmig wurde Thomas Benkert aus Grafrath zum neuen Präsidenten der BAK bestimmt.

Fürstenfeldbruck – Er betreibt die Apotheke in Mammendorf sowie die Amper-Apotheke in Fürstenfeldbruck. Außerdem besitzt der 64-Jährige die Marienapotheke in München am Sendlinger Tor. Benkert ist bereits seit zehn Jahren Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) und seit acht Jahren Vizepräsident der BAK.

Herr Benkert, was genau macht die BAK eigentlich?

Die BAK ist ein Zusammenschluss der 17 Landesapothekerkammern. Die Landesapothekerkammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und zum Beispiel zuständig für den Vollzug des Berufsrechts, die Ausbildung der Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten und die Einteilung des Apothekennotdiensts. Die BAK beschäftigt sich mit länderübergreifenden Themen, unter anderem mit der Erarbeitung der bundesweit geltenden Weiterbildungsinhalte, nach denen sich Apotheker zu Fachapothekern weiter spezialisieren können. Daneben übernimmt die BAK eine koordinierende Funktion bei allen Fragen, die die Kammern betreffen, sei es bei der Fortbildung, der Qualitätssicherung oder anderen Themen der Berufsausübung.

Und was sind Ihre Aufgaben als Präsident?

Ich bin Teil des fünfköpfigen geschäftsführenden Vorstands. Wir diskutieren die den Berufsstand betreffenden fachlichen und politischen Fragen und versuchen, in diesem Gremium, aber auch mit den Landesapothekerkammern zusammen, einen Konsens zu erreichen, den wir dann in die politische Willensbildung einfließen lassen. Ich verstehe dabei meine Aufgabe als Präsident darin, die Themen zu moderieren und bei unterschiedlichen Meinungen Kompromisse zu suchen und zu finden.

Wie geht es den Apotheken in der Coronakrise?

Die Apotheken sind ein wichtiger Bestandteil der systemrelevanten Versorgung und auch während des Lockdown, auch nachts und an Feiertagen, für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung erreichbar. Im Rahmen ihres Schutz- und Hygienekonzepts wurden sehr früh Spuckschutzwände aus Plexiglas installiert, um die Infektionsgefahr für die Patienten, aber auch für das Apothekenpersonal zu minimieren. Natürlich hat es je nach Lage der Apotheke auch teilweise große Umsatzeinbußen gegeben. Das hängt zumeist auch damit zusammen, dass nur das Allernötigste besorgt wurde und ansonsten vermeidbare Kontakte vermieden wurden. Auch durch die Verringerung des Tourismus gab es Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent in Städten wie München. Hinzu kommt, dass die Apotheken in besonderem Maße gefordert waren, um die auch pandemie-bedingten Lieferengpässe zu bewältigen, was einen immensen Aufwand bedeutete, aber in keiner Weise honoriert wird.

Welche zusätzlichen Aufgaben haben sie bei der Bekämpfung der Pandemie?

Da ist zum einen die Herstellung von Desinfektionsmitteln. Das durften wir aufgrund der auf Europarecht basierenden Biozidverordnung vor der Pandemie nicht mehr. Daher waren auch die Grundstoffe nur schwer erhältlich, was die Herstellung anfangs komplizierter machte. Hier haben sich die Apotheker sehr eingebracht. Von Seiten der BAK wurden dazu Arbeitshilfen und Informationen zur Verfügung gestellt. Auf die Bewältigung der Lieferengpässe habe ich bereits hingewiesen. Auch da gab es Hilfestellungen von der BAK und der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.

Mal abgesehen von der Pandemie, welche Herausforderungen stellen sich für die Apotheken in der nächsten Zeit?

Die Digitalisierung und das E-Rezept sind hier wichtige Baustellen. Wir müssen darauf achten, dass die freie Apothekenwahl für Patienten bestehen bleibt, es also ein sicheres Makelverbot gibt, damit die Rezepte von Patienten nicht an den Meistbietenden „verkauft“ und direkt an bestimmte Apotheken zugewiesen werden. Der Versandhandel ist auch ein Problem, wobei jetzt mit dem Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz wenigstens im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung wieder eine Gleichpreisigkeit gesetzlich geregelt wurde. Als letztes gibt es wie in vielen anderen Bereichen auch ein Nachwuchsproblem, insbesondere auf dem Land, weil es viele junge Menschen in die Städte zieht.

Finden Sie neben ihren Aufgaben als BAK-Präsident überhaupt Zeit, in ihren Apotheken im Landkreis zu arbeiten?

Wenn es machbar ist, schon. Ich habe immer regelmäßig in meinen Apotheken gearbeitet und auch öfter den Nachtdienst übernommen. Ob das aufgrund der erheblich gestiegenen Anzahl von Terminen so bleibt, werde ich sehen müssen. Zum Glück habe ich hervorragende Teams in meinen Apotheken, so dass ich mich darauf verlassen kann, dass meine Patienten so betreut werden, wie ich mir das vorstelle, selbst wenn ich nicht da bin.

Interview: Sven Behrens

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